Samstag, 28. Dezember 2013

Stephen L. Jones: Der Bann

Hannah Wilde und ihre Tochter Leah haben sich auf Llyn Gwyr verschanzt, einem abgelegenen Farmhaus im Snowdonia-Nationalpark in Wales. Sie sind auf der Flucht vor einem Unheil, das die Frauen ihrer Familie vernichtet – seit fünf Generationen. Hannah weiß, dass nur sie den todbringenden Fluch bannen kann. Sie will, dass es aufhört, ein für alle Mal. Das Schlimmste ist, dass sie keinem trauen kann. Keinem. Vor allem denen nicht, die ihr nahe sind … Ein atemberaubender Thriller – ein mitreißender Pageturner (nicht nur) für die dunklen Abende des Jahres.
Hannahs Mann Nate ist schwer verletzt, er hat nach einem Messerangriff viel Blut verloren. Hannah fürchtet, dass er die Nacht nicht überstehen wird. Aber Nate kommt durch – auch weil ihr ein Nachbar, der steinalte Sebastien, dabei hilft, sich für die nächsten Tage in dem verlassenen Haus halbwegs wohnlich einzurichten. Er bringt den alten Dieselgenerator zum Laufen, versorgt sie mit Essen. Aber wieso sollte sie gerade ihm trauen?
«Jakab – wie ich diesen Namen hasse …»
Schon als Kind wurde Hannah darauf getrimmt, niemandem außer ihren Eltern zu vertrauen. Erst später begriff sie, weshalb. Der Schrecken erhielt einen Namen: Jakab. Drei Jahrzehnte Angst und Albträume. Als sie eine besondere Tätowierung an Sebastien entdeckt, ist das Misstrauen da. Sie richtet die Schrotflinte auf ihn: «Geben Sie mir nur den kleinsten Grund zu schießen, und Sie sind tot. Wenn Sie sich von diesem Stuhl erheben, sind Sie tot. Wenn ich Ihnen eine Frage stelle und Sie antworten nicht, sind Sie tot. Wenn Ihr gottverdammter Hund auch nur eine Bewegung macht, sind Sie tot. Haben Sie das verstanden?» Der alte Mann hat verstanden; aber er kann auch jede ihrer Validierungsfragen beantworten, weil er all das weiß, was nur Vertraute ihres Vaters wissen können. Sebastien ist tatsächlich Sebastien.
Stephen L. Jones spannt seine Leser nach allen Regeln der Kunst auf die Folter. Schicht für Schicht wird die Vorgeschichte der Bedrohung durch Jakab, den Mörder mit den tausend Gesichtern, aufgeblättert. Der Thriller spielt auf mehreren Zeitebenen. In der Jetztzeit – in Nordwales und in der Region Aquitaine in Südwestfrankreich. In den Jahren um 1979/80, als der Historiker Charles Meredith am Balliol College in Oxford eine junge Frau kennen lernt, Hannahs Mutter Nicole Dubois. Begonnen hat das Drama um Hannahs Familie schon viel früher: im Jahre 1873 in Ungarn …
Damals lebten auf dem Balkan Menschen,, die als hosszú életek bekannt waren. Menschen mit besonderen Fähigkeiten: sie konnten sehr lange leben – und sie konnten ihre Gestalt verändern. Zu diesen «Langlebigen» gehört auch ein gewisser Balász Lukács und seine Familie. Als er aus Wut über die Zurückweisung durch eine junge Frau diese vergewaltigt, wird er verflucht und aus der Gemeinschaft ausgestoßen. Und nicht nur das: Man setzt seinen Bruder auf Lukács an, um ihn zu töten. «Sein Blut muss aus der Linie getilgt werden.» Aber Lukács kann entkommen; unter dem Namen Jakab flieht er fortan von Ort zu Ort. (Quelle: Rowohlt Magazin)

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