Freitag, 27. Dezember 2013

Interview mit Frank Duwald

Jörg Wald hat ein Interview mit Frank Duwald geführt, das wir hier gerne präsentieren. Es geht um Frank Duwalds Blog dandelion, die Anfänge von dandelion als Zeitschrift und um Phantastische Literatur im Allgemeinen.




warum heute ein blog dandelion?
Frank Duwald

Ich war über 15 Jahre aus Zeitmangel weitgehend weg aus der Literaturszene, wollte aber unbedingt wieder konkret etwas machen. Ich habe mir schon immer zu dem jeweiligen Stoff, den ich gerade lese, Notizen gemacht, um darüber zu schreiben, aber nie das richtige Medium gefunden, so etwas zu veröffentlichen. Macht ja auch normalerweise keinen Sinn, eine Rezension zu einer vor zig Jahren erschienen Kurzgeschichte irgendwo anzubieten. Da kam mir die Idee, einfach einen Blog zu eröffnen, um jeweils nach Lektüre auch das sofortige Erfolgserlebnis einer Veröffentlichung zu haben. Außerdem, dachte ich, würde so ein Blog mir jegliche Freiheit geben, die ich brauche, um kreativ zu sein. Als schönen Nebeneffekt sah ich auch, dass sich im Laufe der Zeit ein hübsches Sekundärwerk entwickeln würde, in dem man nach Jahreszahl, Autorenname und diversen Themen suchen könnte. Als ich daran ging, einen Namen auszuwählen, war sofort dandelion präsent, denn auch die alten Hefte waren für mich immer der Inbegriff kreativer Freiheit. Ich hielt es deshalb nur für folgerichtig, auch den Blog dandelion zu nennen. Als ich dann meine erste Rezension gepostet hatte, wusste ich, dass der Blog das optimale Medium für mich ist. Um mir noch mehr Freiheit zu verschaffen, fragte ich meinen alten Freund Uwe Voehl, ob er Lust hätte, meine Texte vor dem Posten zu lektorieren. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Service für mich, denn mit dem Gedanken, dass Uwe ja sowieso nochmal drüberschaut und ggf. korrigiert, kann ich noch freier schreiben, da ich mich um diesen Part nicht mehr kümmern muss. Uwe ist dabei der perfekte Partner, denn zum einen kennen wir uns schon seit Urzeiten, und zum anderen ist Uwe als Lektor so respektvoll und professionell, wie man nur sein kann. Inzwischen vertraue ich ihm so blind, dass er mir eine korrigierte Fassung zurückschickt, die ich dann, ohne sie noch einmal zu lesen, poste.

Nachdem dandelion nun einige Monate läuft, bin ich sehr glücklich über die Eigendynamik, die die ganze Sache angenommen hat. Inzwischen hat dandelion eine vergleichbar gemischte Leserschaft wie schon die Heftversion. Da sind die Phantastik-Fans, die Klassik-Liebhaber und die Allesleser. Neu für mich sind die zahlreichen lesbischen Leserinnen, eine Sache, die überhaupt nicht geplant war.



Wie kommt es, dass du dich so für lesbische Literatur interessierst?

Ich hatte eine jahrelange Phase, in der ich in der modernen Literatur nichts mehr gefunden hatte, was mich wirklich bewegte. Dann las ich Jane Eyre von Charlotte Brontë und wurde förmlich weggepustet von der Dramatik und Leidenschaft, die in diesem Buch steckt. Ich muss dazu sagen, dass ich bis dahin so gut wie keine Klassiker gelesen hatte. Irgendwann danach las ich Selinas Geister von Sarah Waters. Hauptfigur darin ist eine lesbische Viktorianerin, und mir ging es ähnlich wie mit Jane Eyre: Die bis an alle Grenzen gehende Leidenschaft darin löste in mir die Frage aus, ob nicht Frauen die besseren Schriftsteller sind, denn so etwas Fesselndes und Dramatisches hatte ich von männlichen Autoren schon ewig nicht mehr gelesen. Ich habe mich dann automatisch mit dem restlichen Werk der offen lesbischen Sarah Waters befasst. Und wenn ich mich einem Thema widme, dann richtig. Ich schaffte mir die Basics zur lesbischen Literatur drauf und las dann, dass Charlotte Brontë ebenfalls höchstwahrscheinlich lesbisch war, und ich merkte, dass man mit diesem Wissen solche Klassiker völlig anders liest und versteht als zuvor. Ich plante einen literaturwissenschaftlichen Artikel über lesbische Literatur, musste aber irgendwann einsehen, dass die Fülle des Materials in meiner begrenzten Freizeit nicht zu bewältigen war. Da ich im Zuge meiner Recherchen zahlreiche lesbische Klassiker, aber auch unbekanntere Werke las, war es keine Frage für mich, dass ich auch diesen Literaturzweig in dandelion abdecken würde. Heute weiß ich, dass die lesbische Erzählung und die phantastische Literatur viele Berührungspunkte haben, ich nenne nur mal J. Sheridan Le Fanus Novelle Carmilla und Shirley Jacksons Spuk in Hill House. Und gerade die von Frauen geschriebenen Geistergeschichten des viktorianischen Zeitalters dienten ihren Autorinnen oft dazu, ihre sexuellen Ausrichtungen hinter der Metapher des Phantastischen zu verstecken. Ich liebe es, die alten Geschichten abzugrasen und zu entkodieren.



wie kam es damals zu dandelion als Heft?

Ich war 1991 zusammen mit Malte S. Sembten, Uwe Voehl und Uwe Sommerlad an der Gründung des Horror-Fanzines Necropolitan beteiligt. Wir hatten uns in Hannover getroffen und innerhalb einiger Stunden zwischen der Suche nach etwas Essbaren und irgendeinem Con das Konzept für dieses Magazin rausgehauen. Necropolitan setzte damals wirklich Maßstäbe in der Szene, schon allein durch das professionelle Design von Malte S. Sembten. Es erschien eine Null-Nummer, aber ich merkte, dass ich mich dort nicht mehr verwirklichen konnte. Ich las damals auch Autoren wie Paul Auster etc. und hatte den Drang, meinen Horizont zu erweitern. Deshalb stieg ich bereits 1992 nach der Nullnummer als festes Redaktionsmitglied aus, blieb dem Magazin aber als freier Mitarbeiter erhalten. Das war für mich der Zeitpunkt, etwas eigenes zu machen, und zusammen mit Uwe Voehl und Volkher Hofmann war dandelion geboren, dessen erste Ausgabe 1993 erschien. Das Konzept war einfach: „Alles, was gut ist.“ Die Mischung wurde von Ausgabe zu Ausgabe undefinierbarer, was darauf zurückzuführen war, dass ich unbedingt wollte, dass jeder Mitarbeiter seinen speziellen Stil einbrachte. Das hat meiner Meinung nach den Reiz von dandelion ausgemacht, andererseits denke ich heute aber auch, dass ich dabei zu weit gegangen bin. Würde ich so etwas heute noch einmal machen, würde ich das Konzept auf Literatur beschränken und nichts mehr über Musik, Lyrik etc. bringen.

Stolz bin ich auch heute noch darauf, dass viele Mitarbeiter sich durch das Magazin zu Höchstleistungen anstacheln ließen. So finde ich z.B., dass die Erzählung „Fliegen“ zum Besten gehört, was Michael Siefener je geschrieben hat, inkl. der unglaublichen Illustratorleistung von Fabian Fröhlich.

Ich habe mir damals sogar den Luxus erlaubt, Beiträge abzulehnen, wobei es mich etwas nachdenklich stimmt, dass alle der abgelehnten Autoren heute entweder veröffentlichte Buchautoren oder Verleger sind.



bei welchen zeitschriften und internet-projekten hast du noch mitgemacht?

Buchrezensionen, Literatur-Artikel und Kolumnen habe ich für Science Fiction Times, Tales bzw. Nachtschatten, Das Heyne Science Fiction Jahr, Bibliographisches Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur, Science Fiction Media, Der Golem, Das Schwarze Geheimnis, Arcana, titel, Pandora und MysteryPress geschrieben. Herausgeber- und/oder Redaktionstätigkeiten sowie Beiträge hatte ich bei Cryptolog, Necropolitan und Das Dunkle Archiv. Daneben hatte ich noch Erzählungen in Magira, Der Wandler und Arcana sowie Musik-Artikel in Hounddog, Empire und hooked on music. Die einzige Buchveröffentlichung, die meinen Namen trägt, ist Jonathan Carroll – Schwarze Systeme der Romantik, eine Materialsammlung, die ich herausgegeben habe.


warum liest du phantastische bücher?

Ich habe schon immer Phantastik geliebt. Ich bin ja von der Wurzel an als Teenie über Dämonenkiller, Vampir-Horror-Roman, Mythor, Macabros, John Sinclair etc. an die Materie geraten. Mit den Jahren wurde mein Literaturgeschmack anspruchsvoller, und ich begann auch, viele realistische Romane zu lesen. Bis heute lese ich aber am liebsten Literatur mit phantastischem Einschlag, bevorzugt mit realistischer Handlung, in die sich das Phantastische einschleicht. Heute liebe ich z.B. die viktorianischen Geistergeschichten, weil damals die Autoren eben das Phantastische als eine Art kodierte Sprache nutzten, um gesellschaftliche Restriktionen zu umgehen. Viele dieser Geschichten drehen sich schlicht und einfach um unterdrückte Sexualität. Letztendlich liebe ich das Phantastische in der Literatur aber wahrscheinlich, weil es ein schöner Gedanke ist, dass es mehr gibt, als diese reizlose moderne Welt. Auch, wenn ich in der Realität nicht an Derartiges glaube, in der Literatur lasse ich mich nur zu gerne darauf ein.


welche werke gibst du nicht her?

Alles von John Crowley, aber insbesondere Little Big, Besessen von A. S. Byatt und die Hardcoverausgabe von Jonathan Carrolls Das Land des Lachens.



warum bedeutet dir little big soviel?



Little Big ist für mich das, was für den Gläubigen die Bibel ist. Kein Buch hat mein Leben so nachhaltig beeinflusst wie dieses. Zum einen ist es einfach das Gedankengut zu einer schönen, naturbelassenen, von Zauber durchwirkten Welt und Themen wie Romantik, Schönheit, Freigeistigkeit, Unspießigkeit. Themen, die mich mein ganzes Leben lenken. Bemerkenswert finde ich aber auch, dass diese Wunschwelt kein Paradies ist, sondern, dass die Charaktere auf ihre Art genau die elementaren Alltagsprobleme haben, wie wir auch. Hinzu kommt, dass ich mich einfach in die Charaktere verliebt habe, insbesondere in die weiblichen. George, Alice, Sylvie und die anderen werden immer unvergesslich für mich bleiben, ganz wie echte Menschen, die man sein Leben lang liebt. Bemerkenswert finde ich auch, dass ich mit jedem Lebensabschnitt eine andere persönliche Priorität für mich darin finde. Früher war es der Wunsch, in einer Familie wie den Drinkwaters zu leben; heute, wo ich sie habe, merke ich erst, wie wieviel Wahrhaftigkeit in diesem Buch steckt. Heute fühle ich wie George Mouse, der von Frauen umgeben ist und bis an sein Lebensende eigentlich nicht versteht, was sie wirklich lenkt. Da erkenne ich mich als Vater von zwei Töchtern sehr oft wieder. Dann natürlich noch Crowleys unglaublich phantasievoller und anspruchsvoller Schreibstil, der trotzdem sehr bodenständig und nicht kalkuliert hochgestochen ist. Ich glaube, ich finde kein Ende...

Da wären noch der verschmitzte Humor, der unglaubliche Erfindungsreichtum, und, um zum Schluss zu kommen, die unendliche Herzensgüte, die in diesem unglaublichen Buch steckt. Ich hatte eine jahrelange Phase, in der ich fast nichts anderes lesen konnte. Ich bin sämtlichen Empfehlungen von Crowley-Fans zu anderen guten Büchern gefolgt, aber es scheint wirklich kein Buch zu geben, das auch nur in die Nähe von Little Big rückt. Wirklich schade, dass Crowley der große Erfolg immer verwehrt geblieben ist. Obwohl prominente US-Kritiker wie Harold Bloom und Michael Dirda ihn immer wieder empfahlen, ist er nur ein Kultautor geblieben.





liest du die kritiken vor der lektüre eines neuen buches eines deiner lieblingsautoren?

Ja, unbedingt, sonst würde ich gar nicht auf die ganzen Geheimtipps kommen, die ich immer wieder irgendwo ausgrabe. Meistens lese ich nur Kritiken aus dem englischsprachigen Raum. Ich bemühe mich aber, die Kritiken nur zu überfliegen, und die Stellen, die zu tief in die Handlung gehen, nicht zu lesen. Will mir schließlich nicht die Lesefreude versauen.


welcher autor wäre dein wunsch-interviewpartner und wo sollte das gespräch stattfinden?

John Crowley bei sich zu Hause. Ich fürchte aber, ich wäre ihm intellektuell nicht annähernd gewachsen. Er ist halt ein Gelehrter. Ein menschlicher und unterhaltsamer Gelehrter. Außerdem würde ich bei ihm mit meinem Englisch gnadenlos scheitern, fürchte ich.


welches buch willst du nie lesen?

Quell der Einsamkeit von Radclyffe Hall. Ist zwar der lesbische Klassiker schlechthin, aber ich will nicht über diese Ausweglosigkeit inkl. Selbstmord lesen, obwohl es für mich, der intensiv über lesbische Literatur recherchiert, eigentlich ein Muss wäre.


wie reagierst du auf buchempfehlungen von freunden?

Kommt ganz drauf an, von wem sie kommen. Wenn mir jemand etwas empfiehlt, der literarisch in etwa so gestrickt ist wie ich, nehme ich solche Tipps mehr als dankbar entgegen. Ich kann mich aber tatsächlich spontan an keine solche Empfehlung erinnern, die für mich zum Erfolg geführt hat, schon allein deshalb, weil es offenbar nicht viele Leute mit meinem Literaturgeschmack gibt. Die besten Buchtipps beziehe ich normalerweise aus Recommended-Reading-Listen im Internet.


glaubst du, dass das internet der literatur das geheimnis nimmt?

Nein. Ich kann ja selbst entscheiden, was ich im Internet lese und was nicht. Es ist ein Segen, dass es jetzt so einfach ist, von zu Hause aus zu recherchieren. Ich erinnere mich noch gut an die alten Zeiten, als ich den weiten Weg nach Bochum in die Uni-Bibliothek gefahren bin, um mir Material zu besorgen. War zwar auch schön, in all diesen sonst nirgendwo zugänglichen Büchern zu stöbern, aber heute hätte ich einfach nicht mehr die Zeit dazu. Leider. Ich bin aber auch der Meinung, dass gerade bei der Sekundärliteratur, pauschal betrachtet, die Qualität der Online-Texte bei weitem nicht so hoch ist, wie die in gedruckter Form. Für richtig gute Literaturwissenschaft muss man halt doch noch in die Bibliothek.


wie groß ist deine bibliothek?

Sie ist gar nicht so besonders groß. Ich bemühe mich, nur die wirklich geliebten Bücher sichtbar zu halten, und das beschränkt sich auf ein einzelnes Regal, zweireihig gefüllt. Darin sind meine Herzensbücher und in zweiter Reihe, die Bücher, die möglicherweise irgendwann mal wieder interessant werden könnten. Dann habe ich noch im Keller ein großes Regal voll, aber allein die Tatsache, dass ich nur selten darin stöbere, zeigt mir, dass diese Bücher nicht so wichtig sind, obwohl sich viele Raritäten darunter befinden. Zusätzlich gibt’s noch etwa fünf Bananenkisten voll Bücher, die in der Garage stehen und inzwischen zur Hälfte von Mäusen angeknabbert sind. Nochmal dieselbe Menge habe ich über die Jahre bei Umzügen verloren.


was war deine wichtigste lesung, an der du teilgenommen hast?

Ein Poetry Slam mit meinem alten Freund Jaromir Konecny. War sehr unterhaltsam.


was sagt deine familie zu deiner leidenschaft zu büchern?

Nichts mehr. Da bei uns niemand außer mir liest, bin ich zu Hause schon ein Freak. Es kann niemand verstehen, dass Buch nicht gleich Buch ist. Für meine Familie gehöre ich wahrscheinlich in dieselbe Kategorie wie ein Modelleisenbahnschaffner. Sie tolerieren das, weil sie es nicht anders kennen, aber für ein bisschen balla halten sie mich schon.


welches buch siehst du sehr kritisch und doch lässt es dich nicht los?

Der Wolkenatlas von David Mitchell. Ein irres Buch voller unvergesslicher Szenen, an die ich immer wieder zurückdenken muss. Andererseits tut das Buch aber so weh, dass ich es, glaube ich, nicht noch einmal lesen kann.


welches buch war dein lieblingsbuch deiner jugend?

Die Elric von Melniboné-Saga von Michael Moorcock. Die ist so schön doomig. Ich habe sie als Teenie geliebt.


wann brichst du eine lektüre ab?

In letzter Zeit, sobald ich merke, dass das Buch mir nichts gibt. Früher habe ich „wichtige“ Bücher bis zum bitteren Ende gelesen, aber das tue ich heute nicht mehr. Für mich zählt nur noch der Spaß am Lesen. Jede Lektüre, die keinen Spaß macht, ist für mich Zeitverschwendung. Aber auch heute noch falle ich schon mal auf die Manipulation „Weltliteratur“ rein, zuletzt mit Wiedersehen mit Brideshead von Evelyn Waugh, das ich einfach öde und unsympathisch finde, auch wenn es so berühmt ist. Trotzdem habe ich ¾ des Buches gebraucht, um mir selbst einzugestehen, dass es nichts für mich ist.


wie sieht deine beschäftigung mit der deutschen literaturgeschichte aus?

Deutsche Literaturgeschichte habe ich bisher außen vor gelassen. Unter anderem, weil mir bisher der richtige Einstieg fehlte.


kaffee oder tee?

Ganz klar, Kaffee!


theateraufführung oder kunstausstellung?

Ist beides nicht mein Ding. Da wird mich niemand reinkriegen.


reise nach ägypten oder australien?

Interessiert mich auch beides nicht. Ägypten mit all diesem arabischen Fanatismus macht mir Angst, und Australien lässt mich als erstes an Ich bin ein Star! Holt mich hier raus denken. Eigentlich verreise ich überhaupt nicht gern. Und wenn überhaupt, würden mich die Landschaften von Wales, Irland, Schottland, England und der Bretagne reizen.


rolling stones oder beatles?

Beatles. Ich liebe Rockmusik, aber ich brauche unbedingt schöne Harmonien, wie sie die Beatles permanent aus dem Ärmel geschüttelt haben.


marilyn monroe oder jane russell?

Beide nicht. Ich mag nur natürliche Schönheiten.


füller oder kugelschreiber?

Eigentlich liebe ich seit Das Land des Lachens Füller, aber ich benutze trotzdem meistens Kullis, weil sie einfach praktischer sind.


marmorkuchen oder marzipantorte?

Marzipantorte. Je kalorienreicher desto besser.


rose oder hyazinthe?

Rose.


welches märchen mochtest du als kleiner frank?

„Aschenputtel“.


erzähl uns bitte deine schönste, traurigste und lustigste anekdote um autoren und ihre buch-kinder?

Die einzige Buch-Anekdote, die mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist, ist meine Begegnung mit Jonathan Carroll vor vielen Jahren. Er hatte mich sehr hilfsbereit bei den Recherchen für meinen Carroll-Materialienband unterstützt. Als ich ihn dann in Frankfurt auf der Buchmesse traf, hatte er ein Auftreten wie ein Hollywood-Star, sehr gönnerhaft und hochnäsig. Danach war ich von Carroll kuriert, konnte seine Bücher nicht mehr lesen, ohne diesen arroganten Menschen vor Augen zu haben. Heute, mit dem Abstand der Jahre, halte ich tatsächlich nur Das Land des Lachens für ein gutes Buch. Alles, was danach kam, ist nur noch der verzweifelte Kampf, der Leserschaft klarzumachen, dass man etwas Besonderes ist und nur noch in den besten Kreisen verkehrt. Muss ich nicht haben. Das absolute Gegenbeispiel ist für mich John Crowley, der sowohl in seinen Büchern als auch in Interviews niemals mit seinem Wissen du seiner Weisheit geprotzt hat.

Gelernt habe ich daraus, dass man besser geliebte Bücher Bücher sein lässt, ohne dem Schöpfer auf die Finger zu gucken. Deshalb ist es vielleicht nur gut so, dass die Chancen sehr gut stehen, dass ich John Crowley niemals interviewen werde.

dandelion | phantastische Literatur: http://dandelionliteratur.wordpress.com/

Jörg Wald hat zusammen mit seiner Frau und anderen die Prä-Internet-Zeitschriften Schublade, Charisma, Lichtzwang und Reizwort herausgegeben.




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