Mittwoch, 27. Mai 2020

Die Schauerliste Juni 2020

An dieser Stelle wollen wir regelmäßig beachtenswerte Werke des Genres Horror und unheimliche Phantastik präsentieren. Diese Schauerliste hat keine Vorgaben, es werden Neuerscheinungen ebenso wie Klassiker, aber auch Youngtimer, also Geschichten, die weder alt noch neu sind, berücksichtigt. 
Auch ist es völlig egal, ob es sich um lange oder kurze Romane oder Storysammlungen handelt. Renommierte Verlage, Autoren und Kritiker nennen uns ihre Favoriten, und wir geben ihnen hier eine Plattform.

Mittwoch, 13. Mai 2020

Die Mögliche Fortführung des Vincent Preis

...wird im PL Forum unter Teamverstärkung gesucht diskutiert. Interessierte können da gerne mitdiskutieren.

Die Horror Lesechallenge!

Die Horror Lesechallenge läuft bis Ende des Jahres und bietet attraktive Preise.
Der Gewinner / die Gewinnerin darf sich ein 2020 neu erschienenes Buch aussuchen! Zusätzlich verlose ich Bücher für alle anderen erfolgreichen Teilnehmer. Vincent Voss spendiert Infiltriert (Torsten Low), den Gewinner des Vincent Preis 2019Zusätzliche Buchpreise werden vom Festa Verlag und dem Blitz Verlag gestiftet. 

Samstag, 9. Mai 2020

Die Ergebnisse des Vincent Preis 2019


Die Verleihung des Vincent Preis auf dem Maburg Con 2020:
Vincent Preis 2019


Die Endergebnisse des Vincent Preis 2019

Beim Vincent Preis 2019 haben 62 Personen insgesamt 488 Stimmen abgegeben, das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr von 16%. Die meisten Stimmen wurden in der Kategorie Grafik vergeben, die wenigsten bei den Storysammlungen

Montag, 4. Mai 2020

Verleihung des Vincent Preis 2019

Die Verleihung des Vincent Preis 2019 erfolgt online auf dem Marburg Con.

Die Nominierungsliste findet sich hier.

Die Verleihung startet ab 15:00 Uhr und auf Marburg Con 2020 wird es eine Kommentarfunktion über Facebook geben.
Parallel läuft ein Chat im Phantastik-Literatur-Forum für all diejenigen, die entweder nicht bei Facebook sind oder sich anderweitig noch austauschen wollen.

Die Verleihung wird wie folgt durchgeführt:
Einführung zum Vincent Preis von Felix Woitkowski

Vorstellungen und Ergebnisse in den Kategorien (Reihenfolge kann sich ändern) durch die Laudatoren.

Schlusswort!

Freitag, 1. Mai 2020

Der Vincent Preis 2019 ist beendet!


Der diesjährige Vincent Preis ist beendet. Die Ergebnisse werden am 9.5 auf dem Marburg Con online verkündet.

Damit endet endet der Vincent Preis, der seit 2007 die besten Werk des Genres Horror und unheimliche Phantastik auszeichnet.


Leider sind die bisherigen Veranstalter nicht in der Lage den Preis weiterzuführen und aktuell hat sich auch keiner bereit erklärt, dies zu machen.


Sollte sich doch eine Gruppe finde, die den Vincent Preis am Leben erhalten wird, werden wir das an dieser Stelle verkünden.


Montag, 27. April 2020

Die Schauerliste Mai 2020

An dieser Stelle wollen wir regelmäßig beachtenswerte Werke des Genres Horror und unheimliche Phantastik präsentieren. Diese Schauerliste hat keine Vorgaben, es werden Neuerscheinungen ebenso wie Klassiker, aber auch Youngtimer, also Geschichten, die weder alt noch neu sind, berücksichtigt. 
Auch ist es völlig egal, ob es sich um lange oder kurze Romane oder Storysammlungen handelt. Renommierte Verlage, Autoren und Kritiker nennen uns ihre Favoriten, und wir geben ihnen hier eine Plattform. 

Sonntag, 26. April 2020

Anke und Wolfgang Brandt zu Gast beim Vincent Preis

Ein Interview von Vincent Voss
 
 
Stellt euch einen schlichten, schwarzen Raum vor, zwei sich gegenüberstehende blutrote Kanapees, einen schlichten, weiß lackierten Tisch, eine weiße Vase mit einer schwarzen Dahlie zum Inhalt. Im Hintergrund hören wir Placebo (Meds) : https://www.youtube.com/watch?v=x4D9plSro6U&list=PLIF0xQ52m3qZgkOjAgFAJvX2wmxS8BXbb&pbjreload=10

 

 

VV: Moin Anke und Wolfgang, herzlich Willkommen hier beim Vincent Preis. Schön, dass ihr da seid. Was möchtet ihr trinken?

WB: Einen kühlen, saftigen Kellerbier-Mix – Köstritzer Radler Limette; einfach lecker.

 AB: Ich nehme ein stilles Wasser. Es reicht, wenn ich rede 😉
 


 

VV: Tja, in meinem letzten Interview habe ich endlich mal zwei Partner, das macht es sehr spannend. Ihr seid für den Vincent-Sonderpreis für Euer langjähriges Engagement mit dem Geisterspiegel und die Anthologiereihe Dark End nominiert. Wie findet ihr das?

 

WB: Es ist schon ein irres Gefühl und irgendwie eine Art von Wertschätzung für ein langjähriges Wirken im Fandom; besonders in der Phantastikszene mit all ihren Facetten.

 

AB: War nicht schwer zu finden. Ich habe auf der Vincent-Preis-Homepage nachgesehen. Aber Spaß beiseite … Es macht mich irgendwie sehr stolz, dort unsere Namen zu lesen, denn ich kann dir sagen, auch ein Hobby macht richtig Arbeit.

 

VV: Ich frag mal gleich, wie es bei euch angefangen hat? Mit dem Geisterspiegel oder eurem Engagement?

WB: Bei mir hat alles im ehemaligen John-Sinclair-Forum angefangen, wo ich mich mit Gleichgesinnten über die Heftromanserie des Bastei Verlages austauschen konnte. Kurze Zeit später stellten wir fest, dass es im Fandom weitaus mehr gibt, und schauten über den Geisterjäger-Tellerrand hinaus. Dabei entwickelte sich eine Idee unter Federführung von Martin Palm, ein eigenes Forum oder eine eigene Webseite in puncto Phantastik aufzubauen. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie es losging. Es war der 5. Juni 2006, um 10.00 Uhr. Für diesen Tag war geplant, den Geisterspiegel nach einer vorangegangenen kurzen Online-Phase, mit Marc Burggraf als Webmaster, im neuen Design unter der technischen Leitung von Thomas Tommy Tohang ins Netz zu stellen. Für den Um- und Aufbau des neuen Geisterspiegels waren zwei Monate geplant, den wir aber in einer Zeit von nur drei Wochen realisieren konnten. Es ging im Mai 2006 los, als Tommy zu uns stieß. Unzählige Stunden hatte er in diesen 21 Tagen, manchmal bis weit nach Mitternacht, an seinem PC gesessen, gebastelt, was das Zeug hielt, und dabei so manches Päckchen Tabak konsumiert. Seitdem sind fast 14 Jahre ins Land gegangen.

 

AB: Bei mir hat es definitiv mit dem Geisterspiegel angefangen, das Engagement kam später. Ganz ehrlich? Ich wollte anfangs gar nicht mitmachen. Das bedurfte einiger Überredungskunst und ich staune heute selbst, wie sich da ein Eigenleben entwickelt hat.

 VV: Wie sieht denn die Arbeit an dem Portal aus, also habt ihr sowas wie Redaktionskonferenzen und so? Wie viel Zeit fließt in das tolle Projekt und wie macht ihr das?

 WB: In den Anfangsjahren gab es zwischen uns Herausgebern, dem Chefredakteur Gunter Arentzen und Tommy als Webmaster interne und inhaltliche Absprachen. Verantwortlichkeiten wurden abgesteckt, Wesentliches vom Unwesentlichen getrennt. Im Laufe der Zeit, vor allem durch Veränderungen privater Natur und Interessenverschiebungen, liegt die Hauptarbeit an der Webseite bei mir. Von Anbeginn vertrete ich die Meinung, dass Privates an erster Stelle stehen muss und akzeptiere den Wegfall einiger Mitarbeiter; auch wenn es manchmal schmerzt. Der Aspekt der Nachwuchsgewinnung tritt überall im realen Leben und im Fandom auf.

Ehrlich gesagt: Der Tag müsste viel länger sein, um die zahlreichen Ideen und Projekte umsetzen zu können. Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken, die Seite einfach abzuschalten. Doch in den fast 14 Jahren ist so viel Herzblut in den Geisterspiegel geflossen, sodass ich diesen Gedanken gleich wieder verwerfe. Dabei treten die Worte meines Großvaters zutage, der in schwierigen Situationen stets sagte: »Kopf hoch, auch wenn der Hals dreckig ist!«

In Bälde werde ich mich noch mehr dem Geisterspiegel widmen können, um Liegengebliebenes aufzuarbeiten, vielleicht die Webseite moderner zu gestalten und neue Projekte zu starten.

 AB: Für die Homepage selbst bleibt bei mir kaum noch Zeit. Ich arbeite im Hintergrund und bearbeite eingehende Texte, ansonsten konzentriere ich mich voll und  ganz auf die jeweils laufenden Dark-Ausschreibungen. Die liegen ja seit Band 3 Dark History komplett in meiner Hand.

 VV: Inhaltlich seid ihr breit aufgestellt. Von Western bis Fantasy. War das immer so gewollt oder wie hat sich das entwickelt?  

 WB: Wie bereits erwähnt, ist die Phantastik weit gefächert und abwechslungsreich. Und so soll es auch beim Geisterspiegel sein; eben ein Fanzine von Fans für Fans.

 AB: Ja, das war und ist so gewollt. Sonst wäre es ja langweilig.

VV: Was war euer tollstes Erlebnis mit dem Geisterspiegel?

 WB: Ich möchte gern zwei Erlebnisse von vielen, vielen tollen und interessanten Ereignissen besonders hervorheben:

- das Treffen mit den Lords Leo Lietz, Bernd Zamulo, Jupp Bauer und Charly Terstappen während der Leipziger Buchmesse 2009

- das Interview mit Geezer Butler, Bassist von Black Sabbath, am 8. Juni 2009 in Gießen und die damit verbundene Begegnung mit Tony Iommi, Ronnie James Dio und Bill Ward

 AB: Ja die Lords, das bleibt unvergesslich. Aber dennoch möchte ich auch hier wieder das Video-Interview mit Werner Kurt Giesa hervorheben. Unvergesslich! Unvergessen!

 

 

VV: Ihr seid auch viel auf Veranstaltungen unterwegs und wir begegnen uns da auch regelmäßig. Warum habt ihr euch dazu entschlossen?

WB: Buchmessen und Cons sind Begegnungsstätten mit Gleichgesinnten, die ich nicht missen möchte. Aus Zeit- und Entfernungsgründen kann ich nicht an jedem Con teilnehmen, obwohl ich auch mal die Cons des Nordens, des Ostens, des Westens und des Südens besuchen möchte. Da der Marburg-Con und der BuCon in Hessen stattfinden, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, mich dort anzutreffen, solange die Gesundheit mitspielt.

 
AB: Die Arbeit am Geisterspiegel und für die Anthologien findet meist im stillen Kämmerlein statt. Klar, es gibt regen Austausch über Telefon und E-Mail, aber die Cons und Messen sehe ich dann quasi als Belohnung. Dort tobt das Leben, dort lernt man Menschen kennen und im Lauf der Jahre haben sich dadurch Freundschaften entwickelt, die sonst nie zustande gekommen wären. Ich hoffe sehr, dass es in Zukunft wieder solche Veranstaltungen geben wird. Aber das ist aus heutiger Sicht wohl noch Zukunftsmusik.



 

VV: Ich habe zum Marburg-Con was zwitschern hören … helft ihr da in Zukunft mit? Warum?

 WB: Der erste Marburg-Con fand 1983 statt. Ich stieß erst 2007 dazu. Mein Faible für das Horror-Genre war das Ausschlaggebende, mich diesem kleinen, aber feinen Con etwas mehr als gewöhnlich zu widmen. Hinzu kam in jüngster Vergangenheit die Tatsache, dass das Orga-Team aus privaten Gründen personell stark dezimiert wurde und der Con durch Thomas Vaterroth und Thomas Will nicht mehr zu zweit gestemmt werden konnte. Das Aus stand vor der Tür. Aus diesem Grund bot ich beiden meine Mitarbeit im Orga-Team an, welche sofort dankend angenommen wurde. Es macht immer wieder großen Spaß, in zufriedene Gesichter der mitwirkenden Autor*innen, Verlage und Besucher blicken zu können, und sich in mir ein warmes Gefühl breit macht, dazu ein wenig beigetragen zu haben.

 AB: Als Thomas "Vati" Vaterroth bei einem Stammtisch die Horrorvision aussprach, dass der MarburgCon auf der Kippe steht, war sofort klar, dass das keine Option ist. Ich helfe ja schon seit ein paar Jahren mit, was kaum jemand mitbekommen hat (obwohl das Essen ja immer geschmeckt hat), nun ist es eben offiziell und ein wenig mehr als Kochen und Backen.

 VV: Wie ist es denn zur Geisterspiegel-Anthologie gekommen? Respekt! Die Ausschreibung für den schon 11ten Band läuft aktuell!

WB: Zu diesem Part gebe ich gern das Wort an Anke weiter, denn sie ist die Mutter der Dark-Reihe und kann dazu mehr sagen, als ich es kann.

 AB: Die Idee zur Dark Future, der 1. Geisterspiegel-Anthologie kam damals von Gunter Arentzen. Ich hatte zuerst die Aufgabe, einen Verlag dafür zu finden, und so begann damals die wundervolle Zusammenarbeit und Freundschaft mit Joachim Otto (Romantruhe). Es war uns von Anfang an ein Anliegen, nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern. Über unsere Ausschreibung wollten wir insbesondere Hobby-Autoren und -Autorinnen eine Chance für eine Veröffentlichung einräumen. Und so ein Geschichtenwettbewerb schien uns dafür gut geeignet. Nach Dark Future starteten wir dann eine Romanausschreibung, die der damals noch recht unbekannte Andreas Zwengel mit "Die Welt am Abgrund" gewann. Dann rafften wir uns irgendwie noch zu einer weiteren Ausschreibung auf, aber da wurde es schon eng, eine Jury zu bilden, denn das war der Zeitpunkt, wo wir nach und nach immer weniger Leute wurden. Aber Dark Vampire erblickte das Licht der Welt und danach sah es so aus, dass das Dark-Projekt wohl erst einmal beendet sei. Die Anzahl an Einsendungen war in der Kürze der Zeit kaum zu bewältigen, denn wir alle gingen und gehen ja einem Vollzeitjob nach. Woher dann die Idee kam, zu einer Anthologie einzuladen, weiß ich heute nicht mehr, jedenfalls schien mir das ein schlauer Plan und so entstanden Dark History und Dark Crime I und II. Das war Stress pur, denn mit einer Zusage waren alle schnell dabei, beim Abgabetermin wurde es dann schon spannend. Nach diesen drei Anthologien wusste ich dann nicht mehr, wen ich noch fragen und einladen sollte, daher begann ich dann als alleinige Herausgeberin der Dark-Anthologien wieder mit Ausschreibungen und mit Dark End erschien dieses Jahr dann der 10. Band.

 

 

VV: Habt ihr eigentlich zu namhaften Größen über euer Wirken Kontakt geknüpft?

 WB: In der Tat. Es liegt auf der Hand, dass aufgrund der vielen Besuche der Leipziger und Frankfurter Buchmessen zahlreiche Kontakte zu Bestsellerautoren, Verlagsmitarbeitern, Film- und Musikschaffenden … während geführter Interviews und persönlichen Begegnungen geknüpft werden können. Nennen möchte ich unter anderem Markus Heitz, Wolfgang Hohlbein, Iny und Elmar Lorentz …

 AB: Ah, ja, da sind so einige. Ich habe 3 Fotoalben voll mit Erinnerungsfotos. Unter dem Motto "Ich und …" sind da so Bilder und Widmungen von Ken Follett, Dr. Eckart von Hirschhausen, Wolfgang Hohlbein, Jussi Adler Olsen, Sky du Mont, The Lords, Jason Dark und natürlich fast allen deutschen Phantastik-Autoren drin. Die schaue ich mir immer wieder gern an und freue mich, dass es bei einigen nicht nur bei einem Erinnerungsfoto geblieben ist. Allerdings blieb mir dahingehend mein größter Wunsch immer verwehrt. Ich hätte so gern Bud Spencer und Leonard Nimoy mal die Hand geschüttelt.

 VV: Wie seid ihr denn zur dunklen Phantastik gekommen? Warum mögt ihr euch gruseln?

 WB: Begonnen hat bei mir alles mit dem Lesen von Heftromanen. Uwe Schnabel, ein ehemaliger Arbeitskollege, war dabei der Auslöser. Ob John Sinclair, Professor Zamorra, Macabros oder Gespenster-Krimi – ich kann mich gedanklich in die Welt der Dämonen, Ghouls, Zombies, Vampire und Werwölfe gut hineinkatapultieren und mich mit dieser auseinandersetzen. Ich mag die Werke von H.P. Lovecraft und Edgar Allan Poe, aber auch die Kurzgeschichten des Franconian Master Of Horror Markus K. Korb sowie die Storys von Tobias Bachmann und Jörg Kleudgen.

 AB: Ich mag mich gar nicht gruseln. Horror ist für mich der blanke Horror. Vielleicht habe ich darum ein recht brauchbares Händchen bei der Auswahl der Geschichten für die Dark-Reihe? Mir fehlen die Vergleiche … Nee, ich war damals für die Abteilung Fantasy unterwegs, bis ich irgendwann die Lust verlor, als ich das Gefühl bekam, dass einer vom anderen abschreibt. Jetzt mag ich gern Thriller und Mystery.

 VV: Und was gruselt euch? Habt ihr Beispiele?

 WB: Da ich für mich weiß, dass sich Horror im Kopf abspielt und fiktiv ist, grusele ich mich eigentlich nicht wirklich. Ich fürchte mich nicht im Dunklen, da ich in meiner nunmehr 30-jährigen Tätigkeit viel durch dunkle Räume und über dunkle Flure gegangen bin.

Doch ein Beispiel sei genannt, wo mir die Haare zu Berge standen und das Herz in die Buchse rutschte.
Es war kurz nach Mitternacht. Bei einem Rundgang durch das Gelände des Biologischen Gartens in Frankfurt am Main kontrollierte ich unter anderem ein Laborgebäude. Als ich die Ausgangstür von innen öffnete, stand ein kleiner Mann mit Rauschebart vor mir. Ich erschrak.

Er: »Keine Angst! Ich bin nur der Gärtner.«

Ich: »Und der Gärtner ist immer der Mörder.«

Der Mann hatte im besagten Gebäude im obersten Stockwerk seine Dienstwohnung. Das wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht.

 AB: Mich gruselt vieles. In den 90er Jahren war ich der Meinung, Horrorfilme schauen zu müssen. Nach "Poltergeist III" plagten mich Angst und Albträume, sodass ich eine Woche lang alle Spiegel verdeckt habe. Nie wieder Horrorfilme! Das ist nix für mich. Ich krieg das nicht verarbeitet, kann Realität und Fiktion da scheinbar nur schlecht trennen. Heute grusele ich mich tatsächlich im Dunkeln und allein im Wald. Ich liebe den Wald, aber nur, wenn es hell ist.

VV: Wer sind denn die Menschen hinter dem Geisterspiegel? Was macht ihr?

 WB: Ich bin im privaten Wach- und Sicherheitsgewerbe als Werkschutzfachkraft tätig; werde voller Freude auf den 1. März 2021 blicken, um danach euch als "Rentier" über den Weg laufen zu können.

 AB: Ich war mal Grundschullehrerin, ein Beruf, der mich das Gruseln lehrte 😊 Nein, im Ernst, das war die größte Fehlentscheidung meines Lebens. Danach war ich 21 Jahre im Buchhandel tätig, vor allem im Bereich Science-Fiction und Fantasy. Als die Branche immer mehr in die Brüche ging und ich am Ende verkauft wurde, startete ich mit 50 in einem Elektronikfachmarkt noch mal durch und bin heute Abteilungsverantwortliche für PC und Gaming. Geiler Job, der mir wahnsinnig viel Spaß macht und ich hoffe sehr, dass unsere Firma die derzeitige Krise überstehen kann. Daneben bin ich seit fast 34 Jahren Ehefrau, zweifache Mutter und dreifache Oma 😊

 VV: Was sind eure Zukunftswünsche für den Geisterspiegel? Für das Genre?

 WB: Live long! Viele User, vielleicht Mitarbeiterzuwachs und neue Impulse für unser Fanzine.

 AB: Für das Genre wünsche ich mir, dass der Buchhandel endlich aufwacht und sich mal was traut. Ich habe es in meinem letzten Jahr in der Branche vorgemacht und den Beweis erbracht, dass es funktionieren kann. Also, liebe Buchhändler, die ihr das lest, traut euch mal an kleinere Verlage dran. Da gibt es bemerkenswerte Bücher zu entdecken!

Für den Geisterspiegel wünsche ich mir, dass er noch viele Jahre Interesse wecken wird und Wolfgang die Zeit als Rentner dann sinnvoll nutzen kann.

VV: Okay, vielen Dank, dass ihr euch Zeit genommen habt. Hab ich noch was vergessen? Ein letztes Wort an die Lesenden?

 AB: Vielen lieben Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass unsere beiden Namen dieses Jahr auf der Liste für den Vincent Preis stehen. Das ist ein tolles Gefühl und eine Anerkennung, die wir sehr zu schätzen wissen. Und dir vielen Dank für die teilweise kniffligen Fragen.
 
VV: Abschließend möchte ich noch auf eine neue VÖ von Anke hinweisen:
 
 
 
 



Bullets (Wie aus der Pistole geschossen …





VV: Meer oder Berge?

WB: Meer

 AB: Meer!!! Mehr Meer! Und noch mehr Meer!

 
VV: Ein total unterschätzter Künstler, eine total unterschätzte Künstlerin?

 WB: Joachim Witt

 AB: Tommy Tallarico

 
VV: Warum?

WB: Er hat mehr Aufmerksamkeit verdient.

AB: In Gamerkreisen bekannt, aber die Musik ist soooo viel mehr. Sooo schön.


VV: Drei Bücher, die man gelesen haben muss?

WB: Antonia Hodgson: Das Teufelsloch, Droemer Knaur München

Grigori Borissowitsch Adamow: Das Geheimnis zweier Ozeane, Verlag Progress Moskau

Rudolf Kühnl: Sternpark, Verlag Peter Hopf

 AB: J. R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe

Andreas Eschbach, Das Jesus-Video

Dee Brown, Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses


VV: Bestes Zitat für das Leben derzeit?

WB: »Das Wertvollste, was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben, und er muss es so nützen, dass ihn sinnlos verbrachte Jahre nicht qualvoll gereuen …«

Aus: Nikolai Alexejewitsch Ostrowski. Wie der Stahl gehärtet wurde

 

AB: "Die Nacht verändert viele Gedanken." (J. R. R. Tolkien)


VV: Eine Zombieinvasion droht, alles beginnt aber gerade erst und viele wollen es noch nicht wahrhaben? Was macht ihr?

WB: Da ich mich dem Horrorgenre verschrieben habe, weiß ich mich zu wehren und habe sicherlich Gleichgesinnte an meiner Seite.

AB: Ich gehe in Quarantäne … Zombie, Virus … wir haben die Invasion doch schon und ich versuche, das Beste draus zu machen.

 
VV: Dracula oder Frankenstein oder Werwolf?

WB: Werwolf

AB: Dracula


VV: Und warum?

WB: Dies hängt mit meinem Vornamen zusammen; Wolf + Waffengang/Streit.

 AB: Ist eine Persönlichkeit.


VV: Wo wollt ihr unbedingt noch hinreisen?

WB: Nordpol

AB: Hiddensee

 
VV: Was ist deine ganz persönliche Superkraft?

WB: Babbeln

AB: Lächeln. Auch ich kann nicht alle töten 😉


VV: Frühstück oder Abendbrot?

 WB: Beides, und Hobbitmahlzeiten dazwischen

 AB: Frühstück

 
VV: Das wollte ich immer noch mal machen?

 WB: Eine Dampflok fahren

AB: Urlaub auf einer Yacht immer die Küste entlang …

 
VV: Buch auf deinem Nachttisch?

WB: Fantomas

 AB: Wulf Dorn, Dunkler Wahn

Donnerstag, 23. April 2020

Erik R.Andara hat Michael Marrak zu Gast beim Vincent Preis

Interview mit Michael Marrak anlässlich der Nominierung von „Quo Vadis, Armageddon?“ als beste Geschichtensammlung für den Vincent Preis 2019, Wien 10. April 2020, zu Zeiten der Corona-Pandemie:
Hallo Michael, ich freue mich, Dich heute begrüßen zu dürfen. Jetzt bist Du als Schriftsteller ja wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Du bist Seraph-Preisträger, ebenso wie Gewinner des renommierten Kurd-Laßwitz-Preises. Du hast bereits etliche Veröffentlichungen unter der Hutschnur – wovon ja auch nicht zuletzt das Buch, das wir gleich besprechen werden, Zeugnis ist –, darunter nicht wenige, die durchaus Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen wussten. Darum ist meine erste Frage an Dich: Wenn Du Dich anhand fünf wichtiger Ereignisse Deiner Laufbahn als Autor beschreiben müsstest, die Dich definieren, welche wären das dann und warum gerade diese?

Vor allem natürlich der Tag, an dem ich mich zum ersten Mal an eine Schreibmaschine gesetzt hatte, um eine Geschichte zu schreiben: der 29. März 1980. Ich hatte das Entstehungsdatum am Anfang des Manuskripts vermerkt, sonst wüsste ich es nicht mehr. Das Ergebnis war eine Horrorstory – oder zumindest das, was ich als Vierzehnjähriger dafür gehalten hatte. Meine ersten Geschichten fallen mehr oder weniger unter die Rubrik Horror. Die erste Science Fiction Erzählung entstand erst vier Jahre später.
Dann vielleicht der Tag, als zum erstem Mal eine Geschichte von mir veröffentlicht wurde: „Die Augen von Aasac“, von meiner heutigen grammatikalischen und stilistischen Anspruchswarte aus betrachtet nur mit Schmerzen lesbar. Geschrieben hatte ich sie 1989 für die Anthologie „Erzählungen der phantastischen Literatur“ (1990). Die Story hatte anschließend in 4-Jahres-Intervallen Metamorphosen durchlebt, da ich sie ständig erweitert und stilistisch verbessert hatte, zuerst in eine etwas seltsame Variation namens „Schweigender Gezeiten Geister“(1994), dann in das zu Novellenlänge ausgearbeitete Rework „Der Eistempel“ (1998), und schließlich, nachdem Frank Festa  mich damals gebeten hatte, aus der Novelle einen vollwertigen Roman für seine Lovecraft-Reihe zu machen, zu „Imagon“ (2002), womit der Prozess für mich abgeschlossen war. Der Romantitel bezieht sich indirekt auf diesen Entwicklungsverlauf. Eine Imago ist in der Zoologie die Bezeichnung für ein erwachsenes, fertig entwickeltes Insekt nach der Verpuppung oder der letzten Häutung.
Ein weiterer Fixpunkt ist sicher die erste prämierte Kurzgeschichte 1999, gefolgt vom ersten Literaturpreis in der Kategorie „Bester SF-Roman des Jahres“ im Jahr 2001 für „Lord Gamma“. Diese und spätere Würdigungen haben mir viel Selbstvertrauen und Motivation gegeben.
Last but not least der gesamte Entstehungsprozess von „Der Kanon mechanischer Seelen“, von den ersten beiden 8-seitigen Kurzgeschichten im Readers Digest Jugendbuch, in denen ich Cutter noch rausgekürzt hatte, über die vier Nova-Novellen bis zum fertigen Roman und letztlich dem überraschenden Gewinn des Seraph in der Kategorie „Bester Roman“ auf der Leipziger Buchmesse 2018. Ein verrücktes Jahrzehnt – und ein schönes Comeback.


Und fünf markante Wesenszüge, die Dich als Schriftsteller umreißen?

Bild von Ralf Steinberg, bei der Premierenlesung im Otherland
Ich bin nachtaktiver Clusterschreiber, lege viel Wert auf sprachliche Ästhetik und Ausgewogenheit und einen eigenen Stil, versuche keinem Autor nachzueifern, bin mit so etwas wie der „blühenden Fantasie“ gesegnet, recherchiere gerne, bemühe mich um den Sense of Wonder, kann mich mental zwischen recht seltsamen Welten bewegen und inspirativ daraus schöpfen – und muss gelegentlich auch den Preis dafür zahlen. Quid pro quo, auf metaphysischer Ebene.


Wie warst Du – falls überhaupt – in der Vergangenheit mit dem Vincent Preis verbandelt?

So gut wie gar nicht, obwohl ein Großteil meiner Texte dem Lovecraftian Horror und der Weird Fiction zugeordnet werden kann. Ich werde in der Szene jedoch in erster Line als SF-Autor wahrgenommen, weshalb ich für den Preis in der Vergangenheit oft unter dem Radar lief und nicht beachtet wurde. Als meine letzten Horror-Romane erschienen (IMAGON und MORPHOGENESIS), gab es den Vincent Preis noch nicht, und seit es ihn gibt, habe ich sehr wenig geschrieben, das der Spielart „Horror“ zugeordnet werden kann und somit preiswürdig ist/war.


Dann wenden wir uns einmal konkret dem nominierten Buch zu. Jetzt ist es ja der Band eins einer Werksschau Deiner Kurzgeschichten. Aber ich gehe davon aus, dass Du um Einiges mehr als diese Geschichten verfasst hast, auch wenn noch ein zweiter Band geplant ist. Wie bist Du an die Auswahl herangegangen? Also natürlich wurden prämierte Geschichten aufgenommen, wie etwa „Die Stille nach dem Ton“, die 1999 den Deutschen Science Fiction Preis gewonnen hat, ebenso wie „Wiedergänger“, die zusätzlich noch mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet wurde. Aber wie hast Du konkret Dein Oeuvre auf genau diese Geschichten eingegrenzt, und hattest Du dabei Hilfe?

Ehrlich gesagt hatte ich mich nur um eine ausgewogene Mischung aus SF, Horror und Weird Fiction bemüht. Und darum, nicht gleich alle prämierten Geschichten im ersten Band unterzubringen. Die Auswahl geschah auch nicht von heute auf morgen, sondern war ein langer Prozess, in dem immer wieder neues Material hinzu kam und älteres ersetzte. Die Pläne für einen neuen Kurzgeschichtensammelband nach „Die Stille nach dem Ton“ sind mindestens 15 Jahre alt. Ich hatte das Projekt jedoch immer weiter verschleppt und verbummelt, sah keinen besonderen Handlungsbedarf. Selbst als Hardy Kettlitz und ich die Sache bereits beschlossen hatten, hat es bis zum „Jetzt oder nie“ nochmal fast drei Jahre gedauert.


Steht die Auswahl für den zweiten Band schon fest?

Die meisten Geschichten sind fix, aber noch nicht alle. Bei zwei, drei Texten jongliere ich noch. Grund dafür ist eine mögliche und von meiner Seite aus sehr wünschenswerte Konzeptänderung.


Du bist ja jemand – so auch in vorliegenden Geschichten –, der in seiner eigenen Arbeit gerne literarische Strömungen amalgamiert. Wenn Du an das breite Genre Phantastik denkst, zu welchen Spielarten fühltest Du dich dann immer speziell hingezogen. Und gibt es trotzdem noch etwas Neues, das Du probieren möchtest?

Etwas Neues – oder vielleicht eher etwas sehr Altes im modernen Gewand – habe ich mit dem „Kanon mechanischer Seelen“ geschaffen. Mit „etwas sehr Altes“ meine ich „back tot he roots“ – zu den augenzwinkernden, ironischen Texten der 1990er-Jahre wie „Am Ende der Beißzeit“ oder „Dominion“. Nur ausgereifter und auf aktuellem stilistischen Niveau. State of the Art.
Ansonsten halte ich mich zumeist nicht sehr streng an Genregrenzen. Viele meiner Texte sind Hybriden. Ich sehe mich in der Phantastik zuhause. Ob ein Text nur SF, Horror, Groteske oder eine Mischung aus allem ist/wird, weiß ich vorher nie so genau. Das entwickelt sich – und überrascht mich am Ende oft selbst.


Aus Deinen Geschichten lassen sich – wenn man das will – ja auch mannigfaltige Denkansätze und philosophische Strömungen herauslesen. Ich weiß natürlich, dass das schwer ist, wenn eine Veröffentlichung so viele Jahre umfasst wie „Quo Vadis, Armageddon“, aber wenn Du wichtigsten Denkanstöße und Inspirationen für die vorliegenden Geschichten nennen müsstest, welche wären denn das?

In den meisten Fällen weiß ich nicht mehr, wie ich auf die Ideen zu den einzelnen Geschichten gekommen bin oder was mich inspiriert und geleitet hatte. Oft beginne ich Texte einfach aus dem hohlen Bauch heraus und sehe, was daraus wird und welche Eigendynamik sie entwickeln. „Lord Gamma“ ist da ein schönes Beispiel. Das sollte ursprünglich nur eine Bunker-Kurzgeschichte werden. Ein Mini-Roadtrip. Meist sind es lediglich zwei, drei Sätze, die gedanklich entstehen, oder kurze Dialoge, die ich notiere und weiterspinne. Bei „Lord Gamma“ beispielsweise ist der erste Satz, der mir einst während einer Autofahrt durch den Kopf schoss, tatsächlich auch der erste Satz des Romans: „Hier ist Radio Gamma. Ich komme euch entgegen, ich folge euch.“ Ebenso bei „Imagon“.
Die Ideen für meine Texte entspringen zu gleichen Teilen Musik, Film, Literatur und täglichem „Real Life“. Wie ich besagte Realität dann (Zitat eines Kollegen) „durch den Marrak-Fleischwolf drehe“, ist und bleibt ein rein intuitiver Prozess.
Die Erzählung “Die Stille nach dem Ton” etwa wurde vom Song „Dirty Epic“ der britischen Electronic-Band Underworld inspiriert, aus dem ich diverse Strophen in die Geschichte integriert habe. Es handelt sich um das geisterhaft-elegische Lied um den ominösen Channel 6, das der Protagonist im Verlauf der Handlung immer wieder hört. „Die Stille nach dem Ton“ ist der Versuch, aus Musik und dem damals teils skurrilen Nachtprogramm mancher TV-Sender eine Geschichte zu machen.
Der Anreiz für die Erzählung „Quo vadis, Armageddon?“ hingegen stammt aus der lange zurückliegenden Lektüre von Barbara Owens Geschichte „Die Türen“ (The Doors) und ist wahrscheinlich die deprimierendste Erzählung, die ich bis dato geschrieben habe. Zugleich ist sie eine Art „Die Stille nach dem Ton 2“.
“Epitaph” beruht auf einem seinerzeit nicht verwendeten, nur skizzenhaft notierten Höllenkreis-Kapitel für meinen 1997 erschienenen Romanerstling „Die Stadt der Klage“. Ich bin nicht sicher, ob ich den kleinen Querverweis ein paar Jahre später in das Rework „Morphogenesis“ eingebaut habe, aber gegen Ende des Romans gibt es ein Kapitel, in dem der Protagonist über die gigantische Höllenstadt geflogen wird und, so glaube ich mich zu erinnern, dabei auch die Sadek-Knochentürme weit entfernt im Dunst stehen sieht …
Die Idee für “Der Steinhafen” entstand bereits vor rund 25 Jahren, inspiriert durch die Lektüre von Iain Banks’ famosem Roman “Die Wespenfabrik” und der darin beschriebenen Orakelkonstruktion.


Hast Du eine oder vielleicht sogar mehrere Lieblingsgeschichten in der Sammlung? Falls ja, warum gerade diese?

 Fast alle sind in gewisser Weise Lieblingsgeschichten, daher fällt es mir schwer, speziell eine oder zwei davon hervorzuheben. Mir gefallen aber besonders die beiden letzten, sehr langen Texte im Band, „Der Steinhafen“ und „Epitaph“, weil ich hier die Möglichkeit hatte, die beiden Geschichten sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise entwickeln und zum Höhepunkt kommen zu lassen. Einmal sehr langsam, einfühlsam und fast schon im Stil einer klassischen Geistergeschichte, das andere Mal mit visueller Macht, laut, bizarr und drastisch.


Jetzt findet sich oft Glaube und Religion, oder eben die kritische, teils sogar verzweifelte Auseinandersetzung damit, als zentrale Motivation in Deinen Geschichten. Aber woran glaubt Michael Marrak? Hadert er selbst mit diesem Themenfeld ebenso sehr wie seine Figuren?

Wer weiß  … Ich möchte das allerdings nicht vertiefen. Es wäre nicht mehr mein Glaube, würde ich ihn mit allen teilen.


Würdest Du Dich selbst als Philosophen bezeichnen, also als jemand der danach strebt, auf grundlegende Sinnfragen Antworten zu finden? Denkst Du, dass die Literatur ein speziell geeignetes Werkzeug für derlei Suche sein kann?

Als Philosophen nie und nimmer, aber ich habe mir schon oft vorwerfen lassen müssen, gerne ins Philosophische abzugleiten, um Welt- und Glaubensmodelle von innen nach außen zu drehen. Es ist jedoch mehr eine Laien- und Gutdünken-Gedankenspinnerei, die ich da betreibe. Für bodenständige Philosophie bin ich weder belesen noch bewandert genug. Unterhaltungsphilosophie trifft es insofern ganz gut, um ein musikalisches Spielfeld zweckzuentfremden. U-Philosophie als Kontrast zur E-Philosophie.


Denkst Du, dass die Welt ein grausamer Ort ist, bestenfalls ein gleichgültiger? Oder denkst Du, dass die Menschheit das Potential besitzt, sich über solche Dinge aufzuschwingen? Liegt Dir die Utopie oder die Dystopie näher?

Zweifellos die Dystopie. Ich bin einfach kein Friede-Freude-Eierkuchen-Autor. Selbst „Der Kanon mechanischer Seelen“ ist bei allem Humor und Sprachwitz eine Dystopie. Eine lustige Dystopie, okay, aber von der menschlichen Zivilisation ist so gut wie nichts mehr übrig. „Lord Gamma“ spielt in einer Endzeit-Welt, die nur existiert, weil versucht wurde, einen anderen Weltuntergang zu verhindern. „Imagon“ erzählt eine Geschichte, die in die Dystopie führt. Und „Morphogenesis“ ist so etwas wie die Mutter aller Dystopien. Schlimmer geht’s eigentlich nimmer. „Aion“ spielt in der Endzeitwelt, in der das passiert ist, was in „Lord Gamma“ zu verhindern versucht wurde.
Und um ehrlich zu sein: Wann gab es in der Menschheitsgeschichte je eine Zeit, die man als „globalen utopischen Zustand“ bezeichnen könnte? Utopie ist und bleibt zu Lebzeiten Utopie. Wir sind dazu verdammt, das Beste aus der Dystopie zu machen. Der imaginäre Rest besteht aus Heilshoffnungen, Erlöserphantasien, Euphemismen und Wolkenkuckucksheimen.


Dann wenden wir uns dem geplanten zweiten Band zu. Gibt es geschichtliche Verbindungen zum ersten, oder wird er sich grundlegend anders präsentieren? Also rein chronologisch wird die Auswahl ja nicht gefallen sein, so ich das anhand der Veröffentlichungsdaten der einzelnen Geschichten feststellen konnte. Wird also etwas Spezielles diese beiden Bände voneinander unterscheiden?

Nein, eigentlich nicht. Es wird eine Story dabei sein, die eine Brücke zum ersten Band schlägt. Ansonsten wird – im Rahmen eines Reworks – einiges an bisher unveröffentlichtem Materialenthalten sein, sowie lange Vergriffenes und sehr Altes in neuen Gewändern. Unterm Strich also die gleiche bunte Genre-Mischung wie in Band 1.



Was wird die Zukunft für Dich bringen, welche Geschichten und Veröffentlichungen sind geplant?

Da sich der Memoranda-Verlag vom Golkonda-Verlag gelöst hat, könnte sich wie anfangs bereits erwähnt das Konzept ändern und aus der Duologie eine Trilogie werden. Ich habe Hardy die Idee eines dritten Kurzgeschichtenbandes vor einigen Wochen vorgeschlagen, und er zeigte sich nicht abgeneigt, sofern auch neue oder bisher unveröffentlichte Texte dabei wären. Material und Reworks für einen dritten oder sogar einen vierten Band gäbe es genug. Ich persönlich fände es toll, wenn es nicht nur bei zwei Bänden bliebe.
Einer der beiden kommenden Romane aus meiner Feder wird ein kurzer SF-Roman mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Insomnia“ sein. Er ist eine Kombination umfangreich erweiterter Reworks zweier älterer Kurzgeschichten mit Blade Runner Ambiente, einst inspiriert von den Bildern des vor wenigen Monaten verstorbenen Filmdesigners Syd Mead. Ich hatte auf Facebook vergangenes Jahr eine kleine Reminiszenz über die Entstehung der Ur-Geschichte „Wanderausgen“ geschrieben.
Davor oder danach kommt ein Horror-Roman, der bereits vor dem AION angekündigt worden war, damals unter dem Projektnamen „Rebecca“. Er ist – als klassisches Nebenprojekt – zuerst der Computerspielphase (2006 bis 2012) zum Opfer gefallen, und danach vom „Kanon“ und vom „Uroboros“ verdrängt worden. Inzwischen ist er jedoch so weit gediehen, dass ich seine Veröffentlichung für 2021 ankündigen kann. Illustriert wird er von Jens Maria Weber, den die meisten Leser für seine Arbeiten zu Kai Meyers Space-Fantasy-Trilogie „Die Krone der Sterne“ kennen dürften. Vom Genre her kann man den Roman als „Lovecraftian Horror“ klassifizieren, genauer gesagt als eine Hommage an „Der Flüsterer im Dunkeln“. Da Jens und ich derzeit noch mit anderen Projekten ausgelastet sind, gibt es vorerst nur eine kleine Collage von Jens‘ Skizzen zum ersten Romandrittel. In naher Zukunft werden wir auch die Projektseite freischalten, mit kleinen Leseproben, ersten fertigen Illus und mehr Infos zum Buch.
Darüber hinaus erscheinen im Laufe des Jahres mehrere Erzählungen, die erste namens „Krak Megalon“ bereits am 24. April, in Form eines 80-minütigen Hörbuchs, das als Teil einer Doppel-CD im Rahmen des neuen Albums der Medieval-Electro-Band Heimataerde veröffentlicht werden wird. Die restlichen Storys folgen als Beiträge diverser Anthologien soviel ich weiß erst im Herbst.




Dann bedanke ich mich sehr für das aufschlussreiche Gespräch, Michael. Ich wünsche Dir viel Glück in der Endrunde für den Vincent Preis 2019.

Ich habe zu danken.




Freitag, 17. April 2020

Marc Gore zu Gast beim Vincent Preis

Interview mit Vincent Voss


Stell dir einen schlichten, schwarzen Raum vor, zwei sich gegenüberstehende blutrote Kanapees, einen schlichten, weiß lackierten Tisch, eine weiße Vase mit einer schwarzen Dahlie zum Inhalt. Im Hintergrund hören wir Congreed : https://www.youtube.com/watch?v=laALQvDvDfk&pbjreload=10

 

VV: Moin Marc, herzlich Willkommen hier beim Vincent Preis. Schön, dass du da bist. Was möchtest du trinken?

MG: Howdy Man, what about an ORGASM-Cocktail?


VV: Deine Erzählungen aus „Cronology Part 1: 1998 - 2011“ aus dem Torsten Low Verlag  haben es bis in die Endrunde des Vincent Preis´ für die beste Storysammlung geschafft.  Wie fühlt sich das an?

MG: Ist das erste Mal, dass etwas von meinem Geschreibsel bis dorthin gekommen ist. Zu viele Leute machen ja lieber einen Bogen um mich.

 VV: Du hast, so wird ersichtlich eine derbe lange Schreibpause eingelegt. Warum? 

MG: Das Interesse am Schreiben hat sich ziemlich verflüchtigt. Hielt mehr Ausschau nach Möglichkeiten zum Gründen einer Death Metal-Band oder nach Mitwirkung in Horrorfilmen. Letzteres hat ja zumindest in den letzten Jahren geklappt.

VV: Ausnahmslos alle Geschichten spielen in den Staaten und dort vornehmlich im Süden. Zumindest lese ich das so. Warum eigentlich?

MG: Die meisten richtig krassen sleazy Filme kommen aus den Staaten. Staubige Highways, Serienkiller, großkalibrige Straßenkreuzer und abgesägte Schrotflinten passen am Besten in das Land der Sterne auf der Flagge. Was Europa betrifft, bereise ich viel Andalusien und weitere medierrane Gegenden. Ich bin generell für den Süden geboren. Lange heiße Sommer, manchmal von lauem Frühling unterbrochen, so stelle ich mir das perfekte Wohlfühlklima vor. Man darf nicht vergessen, dass unsere Mittelmeerländer richtig schön radikale Polizei-Gangster-und Splattermovie fanbriziert haben. Poliziottesco… Das Wort werde ich wohl nie richtig aussprechen können, nur schreiben... mit Stars wie Henry Silva oder Tomas Milian etwa, dann natürlich die Horrorsachen der ganzen Fuclis und D‘Amatos, aber auch raffinierte Gialli von Dario Argento. Wenn dieser abgefuckte Virus es wieder zulässt, stehen bei mir ein paar griechische Inseln zum Bereisen an.

VV: Ich finde die einleitenden Worte zu jeder Geschichte toll. Deine Geschichten verstehe ich alle als Reminiszenzen zu Slasher- und Splatterfilmen aus den 80/90ern, oder? 

MG: Yeah, wie eben auch schon genannt.

 VV: Warum wolltest du denn eine Visualisierung dieser Art in einen Text bannen? Ich frage das, weil ich weiß, wie das unsichtbare Grauen im Text gut bei mir wirkt, frage mich aber,  was der Effekt ist Splatter zu verschriftlichen und wie du da rangegangen bist?

 MG: In der Schule früher, als erste Stories im Deutschunterrricht entstanden, hatte ich immer die derbsten Horror-und Actionstreifen vor Augen. Weil mit die Möglichkeiten fehlten, auf einem Regiestuhl Platz zu nehmen, hab ich sozusagen die eigenen B-Movies am Reißbrett konstruiert.

VV: Ich habe nicht alle der genannten Filme gesehen, finde aber dennoch, dass du an das Thema sehr kreativ rangehst und es bisweilen bizarr erweiterst. Also, in einigen Geschichten humorig einen Tick drüber. Gerade, was die Rednecks angeht. Wie kommen dir da die Ideen für die Figuren? Wie zum Beispiel in deiner Geschichte „“The Terror of Alabama“? Die fand ich übrigens sehr geil …

MG: Kennst du den Charakter Trap Jaw von MASTERS OF THE UNIVERSE? Natürlich waren alle meine Buddies in den 80ern im totalen He Man-und Skeletor-Fieber. Und Trap Jaw war ja so einer mit einem mechanischem Kampfarm, wo man verschiedene Werkzeuge und Waffen drüber stuplen konnte. Dazu noch der künstliche Unterkiefer, und damit als Vorlage entstand halt der Tools in der Story. Der andere ist ja bloß ein mutierter Affenmensch, der zu blöd ist, die Alte in seinem Käfig auch richtig zu pimpern und sich dann lieber einen runter holt. Das ist schon ein Schenkelkopfer, der auch auf der Leinwand gut funktionieren könnte.

 

VV: Jepp, der Affenmensch war derbe geil. Ich finde bei einigen Geschichten wiederholen sich die stereotypen Figuren, d.h. starke Kerle, schwache Frauen. Ist das den Filmvorbildern geschuldet oder steckt da ne Aussage hinter?

 

MG: Hinter meinen Stories steckt keine tiefere Aussage. Just bloody Entertainment. Aber es gibt ja auch stärkere Frauen in der einen oder anderen Szene.

 


VV: Was fasziniert dich an dem Rape&Revenge-Setting ?

MG: Gehört nicht zu meinen Lieblingssubgenres. Der eine oder andere Film diente als Vorlage für NEVADA SLUT TORTURERS. Das beste Material aus der Richtung ist der gute alte „Muttertag“.

 VV: „Bloodsucking Whore“ war für mich meine herausragende Geschichte in diesem Band. Bemerkenswert sind deine Bandbeschreibungen, bzw. deine Einblicke in den Death-Metal. Kein Spruch, das hat Musik erlebbar werden lassen. Und auch Nancy kommt als starke Frau mit dunkler Vergangenheit sehr gut rüber. Beinahe auch ne Lovestory. Bist du viel in der Death-Metal-Szene unterwegs? Wie kam es zu der Geschichte?

 MG: Na, da ist ja schon mal ein Beispiel für eine Tough Lady, die ich schon mal in meinen Stories angesprochen hatte. Fuck, ich bewege mich ja in der Metalwelt ja nun schon seit 30 Jahren intensiv. Das fing ja mit Kreator und Sodom an und ging dann weiter mit den amerikanischen Death Metal Acts. Als das „Legion“-Album von Deicde heraus kam, hab ich es mir aufgrund eines Tipps einer meiner Schulhofkumpane zugelegt, und dann war es um mich geschehen. Zu „Bloodsucking Whores“ kam es halt, weil mich schon die 80er Jahre Streifen inspirierten, die das Thema Horror mit Metalmusik verbanden. Das waren ja überwiegend diese typischen Hairspraybands, also warum nicht mal das Genre mit dem fiesen Death Metal- Millieu verbinden?

 VV: „Creature in the cellar“ ist auch noch einmal ganz anders, finde ich. Fast wie ein modernes, trauriges Märchen. Interpretier ich da richtig, dass sie deshalb auch den Abschluss bildet?

 MG: Das war nur reiner Zufall. Ich musste ja irgendwann den Schlussstrich ziehen, ungefähr so in der Mitte der vorhandenen Stories, so dass die zweite Hälfte nun im Nachfolgeband verarbeitet werden kann.

VV: Wie viel von dir steckt in deinen Geschichten? Also, versteckte Aussagen, Haltung, etc. da ist ja doch immer, zumindest bei mir, was dabei …


 MG: In mir steckt viel von der Musik drin, die in den Stories erwähnt wird.

VV: Hast du mal daran gedacht, dich an einen Roman zu setzen?

MG: Eigentlich nicht. So weit reichen die Ideen auch nicht. Kurze knackige Stories, die schnell auf den Punkt kommen.

VV: Wie bist du eigentlich mit „Horror“ sozialisiert worden?

 


MG: Ein gleichaltriger Nachbarsjunge damals hat von seiner Mom oft die besten Videos vorgesetzt bekommen, und ich was Dauergast… Das war das kultige VHS-Boom, der Videothekenzeitalter der 80er. Und wir Kids voll drin.

 VV: Kenn ich! Du bist auch Schauspieler, richtig? Warte, lass mich raten? Horror mit viel Blut? Erzähl doch mal bitte davon …

 MG: Ja, das erste Mal stand ich für die Leute der Psycho Productions vor der Kamera für den spaßigen „König der Kannibalen“. Bisher ergab sich meistens tatsächlich Extremhorror, wie zuletzt „Nocta“ von den Psychos. Allerdings hatte ich auch Auftritte in reinen Monsterslapsticks wie „Moormonster 2“ und in einem Mysterythriller namens „Sonata del Corvo“, beide von den bayrischen Brandlgeschwistern.

VV: Braucht es das Übersinnliche für dich? Man könnte ja so auch in den Thriller-Bereich gehen, oder?

MG: Ich habe ja einige Serienkillerformate geschrieben. Da war ja schon keine Fantasy mehr drin. Abgesehen von Alpträumen wie etwa in ORGIASTIC, wo es dann auch wieder surreal zugehen konnte.


VV: Was war denn das Gruseligste, das dir selbst passiert ist?

MG: Ein Schulhof voller Schlagerfuzzis, whoaaaargh!

VV: Lach! Glaubst du, es gibt so etwas? Das Übersinnliche? Karma?

MG: Ich bin totaler Atheist.

VV: Marc, was steht denn für die Zukunft an? Auf was dürfen sich deine LeserInnen freuen?

 
MG: Einige weitere Stories in Anthologien. Die „Fleisch“-Reihe sei schon herzlich empfohlen.

VV: Yeah! Vielen Dank,  dass du da warst und viel Erfolg für die Endrunde!

MG: Thanks Man!




Bullets (Wie aus der Pistole geschossen …)

 



VV: Pizza oder Burger?

MG: Schwierig zu sagen. Beides Grundnahrungsmittel. Ich lebe generell für Schnitzel, Steaks, Burger und Burritos. Ich grille fast täglich oder suche den Mejicano meines Vertrauen auf. Hier in Delmenhorst das „El Mariachi“, der einzige Mexikaner hier, wenn man nicht extra nach Bremen zotteln will. Feinste Tex/Mex-Küche. Beste Burritos und Burger.

VV: Heftigster Horrorfilm für dich?

MG: Schwer zu sagen.

VV: Warum?

MG: Sorry, muss ich passen...

VV: Bestes Konzert und warum?

MG: Deicide mit Cannibal Corpse zusammen in Hamburg so 2000. Gleich beide am selben Abend auf einer Stage.

VV: Dracula oder Frankenstein?

MG: Dracula

VV: Deine Waffe bei einer Z-Invasion wäre …?

MG: Am Besten eine schöne Repetierflinte.

VV: Schreiben ist für mich …?

MG: Eine gute Gelegenheit zum Abreagieren.

VV: Katze oder Hund?

MG: Beides. Zu meinem Leben passt aber eher Katze, die kann sich auch mit sich selbst beschäftigen.

VV: Diese Frage nervt??

MG: So lang mir niemand mit Schwanzvergleich kommt oder so was, lässt sich ziemlich alles aushalten.

VV: Rob Zombie oder John Carpenter?

MG: Im Großen und Ganzen John Carpenter.

VV: Deine letzten Worte?

 
MG: Stay sick, Folks!

Die Schauerliste Juni 2020

An dieser Stelle wollen wir regelmäßig beachtenswerte Werke des Genres Horror und unheimliche Phantastik präsentieren. Diese Schauerliste h...