Montag, 8. Oktober 2012

Der ist nur tot ...« (ebook)




Ein kleiner Ort, auf dessen Friedhof irgendwer immer wieder Leichen ausgräbt. Eine Mutter, die die Chance bekommt, nach ihrem Tod ein Unrecht auszugleichen. Eine alternde Diva, die für ihre Schönheit einen fürchterlichen Preis zahlt. Ein inszenierter Übertritt ins Jenseits, der unerwartete Tücken birgt. Eine Frau, die ihren Mann aus seinem Grab befreit ...

In originellen und packenden Geschichten mit einer Bandbreite von Spannung über Mystisches und Philosophisches bis hin zu Splatter erzählen elf Autoren von jenen Kreaturen, die zwischen Leben und Tod gefangen sind: Zombies!

Der Erlös dieses E-Books geht an den Herzenswünsche e.V., der schwer kranken Kindern und Jugendlichen Wünsche erfüllt (www.herzenswuensche.de).




  Leseprobe »Der ist nur tot ...«


(aus der Geschichte »Lifting« von Fred Ink)


»Sie müssen noch einige Dokumente unterzeichnen.«


Dr. Baisley reichte Kathryn einen goldenen Kugelschreiber sowie eine Kladde, auf der mehrere Papiere befestigt waren. »Und zwar hier, hier und … ah, hier.«


Kathryn unterschrieb, während die Ärztin das Umblättern übernahm. Mit einem schiefen Lächeln fragte sie: »Habe ich jetzt meine Seele verkauft?«


Es fühlte sich ein wenig so an. Kathryn saß auf einem sterilen Stuhl aus mattem Metall, nach hinten geneigt, in halb liegender Position. Eine Manschette am linken Handgelenk maß ihren Puls, eine Reihe von Elektroden ruinierte ihre Frisur und leitete Hirnströme ab. Sie trug ein hässliches Krankenhaushemd ohne jeden Schnitt. Es fiel an ihrem Körper herab wie ein Jutesack.


»Selbstverständlich nicht«, lächelte Dr. Baisley. »Das waren Standardformulare, Haftungsausschluss, Verzicht auf Versicherungsanspruch, solche Dinge. Nun fehlt eigentlich nur noch eines.«


Ein weiteres Stück Papier wurde ihr hingehalten. Kathryn schluckte, als sie die Zahl der Nullen auf dem Scheck zählte.


»Schönheit hat leider ihren Preis«, seufzte Dr. Baisley in schlecht gespieltem Bedauern.


Es ist ein Vermögen, aber es wird dich wieder jung machen.


Mit energischen Schwüngen setzte Kathryn ihre Signatur aufs Papier.


»Vielen Dank.« Die Ärztin nahm ihr den Scheck ab und nickte zwei stämmigen Pflegern zu, die auf beiden Seiten des Stuhls Stellung bezogen hatten.


»Muss das denn wirklich sein?«, fragte Kathryn, als Riemen um ihre Hand- und Fußgelenke gelegt wurden, die sie an das kalte Metall fesselten.


»Tut mir leid, Mrs. Thorpe, aber die Behandlung ist ein für die Patienten zuweilen recht … unangenehmer Prozess. Wir wollen nur verhindern, dass Sie sich wehtun.«


Ein silbriger Kasten wurde in den Raum gerollt. Er war vielleicht einen Meter fünfzig hoch und verfügte über ein großes Bedienfeld sowie eine gähnende, schwarze Öffnung, die direkt vor der rechten Armlehne von Kathryns Stuhl zum Stehen kam.


Sie fühlte, wie einige Schweißperlen auf ihre Stirn traten. Das Botox ließ nach. Und außerdem hatte sie Angst.


»Fürchten Sie sich nicht«, sagte Dr. Baisley. »Es wird kurz unangenehm sein, dann verabreichen wir Ihnen ein Anästhetikum und Sie werden schlafen. Sie bekommen nicht einmal mit, wie wir das Gegenmittel applizieren. Und wenn Sie aufwachen, haben Sie das Schlimmste überstanden.«


»Und warum betäuben Sie mich nicht gleich?«


»Nun, das Verfahren ist erfolgversprechender, wenn Ihr Blut zum Zeitpunkt der Infektion rein ist.«


»W… wie unangenehm ist unangenehm?«, stotterte Kathryn. Sie starrte in die dunkle Öffnung des Kastens, konnte darin jedoch nichts erkennen.


»Das wird von Patient zu Patient unterschiedlich bewertet«, wich die Ärztin der Frage aus.


»Amanda sagte, es würde kurz höllisch weh tun.«


Kathryn hasste sich selbst dafür, dass sie eine solche Memme war. Aber verdammt, sie konnte Schmerzen nicht ausstehen. Sie hatte Angst vor ihnen.


»Für jemanden wie mich ist es offensichtlich, dass Sie schon einige plastische Operationen überstanden haben, Mrs. Thorpe. Ich hatte daher vermutet, Sie würden weniger zaghaft sein.«


»Werden Sie bloß nicht unverschämt! Die anderen Kliniken sahen im Gegensatz zu Ihrer auch nicht aus wie Frankensteins Labor!«


»Vielleicht sollten wir jetzt beginnen«, sagte die Ärztin in strengem Tonfall. »Je eher Sie es hinter sich bringen, desto einfacher ist es für Sie.«


»Nein, warten Sie! Was … was passiert mit meinem Arm, wenn er in diesem Ding steckt? Was machen Sie mit mir?«


»Tut mir leid, das ist ein Betriebsgeheimnis.«


Dr. Baisley gab einem der Pfleger ein Zeichen, worauf dieser den Kasten in Kathryns Richtung schob – und die schwarze Öffnung über ihren rechten Unterarm.


Kathryn wollte mit einem Mal nicht mehr jung werden. Sie zerrte an den Fesseln. »Nein, warten Sie! Ich habe es mir anders überlegt! Lassen Sie …«


»Sie haben unterschrieben«, sagte Dr. Baisley kalt. »Es gibt kein Zurück.«


Die dunkelhaarige Forscherin tippte auf dem Bedienfeld des Kastens herum. Und plötzlich riss etwas die Haut von Kathryns rechtem Arm.





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