Donnerstag, 7. März 2013

Die kommentierte Nominierungsliste 2012

Obwohl der angekündiget Chat heute abend leider ausfallen bzw. ohne unserer Beteiligung stattfinden muss, möchten wir euch unsere Kommentare und die "Eckdaten" zu den nominierten Werken nicht vorenthalten.



Beim diesjährigen Vincent Preis gab es eine Rekordbeteiligung während der Nominierungsrunde. 54 Teilnehmer stimmten mit ab und sorgten für eine spannende Wahl.

  
1.Bester deutschsprachiger Roman

Beim deutschsprachigen Roman erfassten wir eine Rekordzahl von 81 Werken. Das ist mit Sicherheit auch dem Trend zum Self Publishing geschuldet. Insgesamt setzten sich 6 Romane vom Rest ab. „Faulfleisch“ von Vincent Voss fiel aber aus der Wertung, da jeder Autor nur mit einem Werk auf die Nominierungsliste kommen kann. 105 Stimmen wurden hier abgegeben.

  • Kai Meyer - Das zweite Gesicht (Blitz Verlag)
Die überarbeitete Neuausgabe von Kai Meyers Roman aus der Stummfilmwelt der Zwanziger Jahre erschien als Hardcover im Blitz-Verlag. Damit ist erstmals eine überarbeitet Romanversion für den Vincent Preis nominiert.

  • Michael Dissieux - Graues Land - Die Schreie der Toten (Luzifer Verlag)
Schon letztes Jahr landete das Debüt von Michael Dissieux auf dem 3. Platz. Und auch der Nachfolgeband des Endzeitromans wurde wieder nominiert.

  • Michael Siefener- Der schwarze Atem Gottes (Atlantis Verlag)
Schon jahrelang im Geschäft sind die Qualitäten des Hamburgers Michael Siefeners unbestritten. Trotzdem landete er mit dieser Verknüpfung von historischem und phantastischem Roman zum ersten Mal auf der Nominierungsliste der Kategorie Roman.

  • Rona Walter - Kaltgeschminkt (Luzifer Verlag)
Eine abgedrehte Geschichte über einen Leichenbestatter, der in die Intrigenspiele dreier Todesherrscher gerät. Kaltgeschminkt ist das Debüt der Autorin Rona Walter und besticht durch einen ungewöhnlichen Stil und eine gehörige Portion schwarzen Humor.

  • Vincent Voss - 172,3 (Luzifer Verlag)
Vincent Voss debütierte mit zwei Romanen in diesem Jahr. Sein Erstlingswerk „Faulfleisch“ wäre auch auf die Nominierungsliste gekommen, fiel aber der 2-Werke Regel zum Opfer. Sein tatsächliches Debüt über einen fettleibigen Lehrer, dessen Diät in einem Horrortrip endete, bedeutete gleichzeitig die dritte Nominierung für den noch jungen Luzifer Verlag, der damit in zwei Jahren auf 4 Nominierungen kam.


2. Bestes internationales Literaturwerk
 
75 Stimmen bedeutet Rekord für die Kategorie International. 59 Werke sind erschienen, das zeigt, Horror in Deutschland lebt. Dabei finden sich die unterschiedlichsten Werke in großen und kleinen Verlagen. Eine Mischung aus Splatter und traditionellem oder modern interpretiertem Gruselroman sowie den angesagten Themen wie Zombies oder Superhelden.
Die Ergebnisse:
 
  • Adam Nevill - Apartment 16 (Heyne)
Eine moderne Interpretation der typischen Gespenstergeschichte. Der Engländer Adam Nevill ist einer der neuen Sterne am Horrorhimmel.

  • Edward Lee - Innswich Horror (Voodoo Press)
Edward Lee ist ein umstrittener Autor, der mit hartem und expliziten Horror die Leserschaft in Befürworter und Gegner spaltet. Außerdem ist Lee ein bekennender Lovecraft-Fan, dem er z.B. in „Der Besudler auf der Schwelle“ oder eben „Innswich Horror“ huldigt.

  • Jeffrey Thomas - Geschichten aus dem Cthulhu Mythos (Festa)
Jeffrey Thomas, bekannt durch seine Punktown Geschichten, zeigt mit der Sammlung an Cthulhugeschichten, wo seine literarischen Wurzeln liegen. Die Vorliebe der deutschen Leserschaft zu Lovecraft bleibt ungebrochen.

  • Ronald Malfi - Die Treppe im See (Voodoo Press)
Eine feinsinnige Geistergeschichte.

  • Stephen King - Wind (Heyne)
Der 8. Band der Saga vom Dunklen Turm. Stephen King ist immer noch Liebling der Massen.

  • Tim Curran - Verseucht (Festa)
Ein Endzeitroman der Sonderklasse, der auf der harten Horrorthriller-Schiene des Festa Verlags bestens aufgehoben ist..


3. Beste deutschsprachige Kurzgeschichte

86 Stimmen, 71 nominierte Kurzgeschichten, das war nicht sonderlich herausragend. Trotzdem kam eine sehr interessante Nominierungsliste zusammen. Insgesamt gibt es 7 Nominierungen.

  • Alisha Bionda - Die Moorleichen (Snakewoman)
Nach dem Gewinn des Sonderpreises ist Alisha Bionda diesmal mit der düster-romantischen Kurzgeschichte „Die Moorleichen“ nominiert. Die Kurzgeschichte ist auf literra verfügbar.

  • Jörg Kleugden - Traumweben (Der Fluch der Hexe)
Auch Jörg Kleudgen ist ein alter Bekannter auf den Nominierungslisten. Letztes Jahr gewann er mit „Totenmaar“ in der Kategorie Roman.

  • Markus K. Korb - C-M-B (Schock!)
Markus Korb erregte 2012 einiges Aufsehen mit seinem Buch „Schock!“, das in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Christian Krank entstand. Kein Wunder, dass eine seiner Geschichten nominiert wurde.

  • Michael Tillmann - Himmelreich der Autisten (Hunger)
Die Verbindung Zombies und Autisten katapultierte Michael Tillmann auf die Nominierungsliste

  • Tim Svart - Musik der Finsternis (Musik der Finsternis)
Self Publisher genießen generell einen eher zweifelhaften Ruf. Dass dies zu pauschal ist, zeigt Tim Svarts Interpretation eines Lovecraftstoffes.

  • Torsten Sträter - All Killers, no Fillers (Hunger)
Wenn Poetry Slam auf Horror trifft, hat Torsten Sträter die Finger im Spiel. Einfach zum Genießen.

  • Vincent Voss - 101112 (2012. T minus Null )
Vincent Voss dritte Nominierung erschien in einer SF Endzeit Anthologie. Umso beeindruckender ist die Nominierung.


 4. Beste Grafik aus dem deutschsprachigem Raum

122 Stimmen für den Bereich Grafik war absoluter Rekord. 34 Grafiken wurden genannt, das Rennen war denkbar knapp.

  • Björn Ian Craig – Dhormenghruul (Eloy Edictions)
Das letzte Buch aus dem Hause Eloy Edictions bietet ein grandioses Horrormotiv, von dem man noch einige Versionen mehr auf Malte S. Sembtens Homepage bewundern kann.

  • Christian Krank – Schock! (Atlantis Verlag)
Die kongeniale grafische Umsetzung von Korbs Geschichten – angelehnt an die „Horror“-Comics - brachte dem Zeichner Christian Krank die Nominierung ein.

  • Lars Maria Maly - Die Treppe im See (Voodoo Press)
Auch Lars Maria Maly ist ein alter Bekannter auf den Nominierungslisten. Hier mit einer sehr schönen grafischen Interpretation des Romans.

  • Mark Freier – Hunger (Blitz Verlag)
Seriengewinner Mark Freier mit einem sehr gruseligen Zombiecover zur Anthologie aus dem Blitz-Verlag.

  • Timo Kümmel - Lasst die Toten ruhen
Ebenfalls ein alter Bekannter ist Timo Kümmel mit dem stimmungsvollen Titelbild einer klassischen Vampiranthologie.


5. Beste deutschsprachige Anthologie/Kurzgeschichtensammlung/Magazin

Die Kategorie Anthologien/Kurzgeschichten/Magazin bekam 92 Stimmen. Es landeten zwei Storysammlungen und drei Anthologien auf der Nominierungsliste. 31 Bücher wurden vorgeschlagen

  • Alisha Bionda (Hg.) - Sherlock Holmes und das Druidengrab (Fabylon Verlag)
Sherlock Holmes ist nach wie vor beliebt, ebenso Alisha Biondas schön gestaltete Anthologien, die sich regelmäßig auf der Nominierungsliste finden.

  • David Grashoff und Pascal Kamp - Hunger (Scratch/Blitz Verlag)
Das Zombies auch im Jahr 2012 noch begeistern können, zeigt die Nominierung der hochkarätig besetzten Anthologie von David Grashoff und Pascal Kamp.

  • Malte S. Sembten - Dhormengruul (Eloy Edictions)
Storysammlungen haben es naturgemäß schwieriger. Aber Sembtens Sammlung gruseliger Geschichten landete trotz nur einer neuen Geschichte problemlos auf der Nominierungsliste.

  • Markus K. Korb - Schock! (Atlantis)
Zu erwähnen, dass Schock! und damit Markus Korb auch mit einer Storysammlung auf der Nominierungsliste erscheint, ist Eulen nach Athen tragen. Die Mischung aus Bild und Text ist einmalig.

  • Michael Schmidt - Zwielicht Classic 2 - Anthologie (ebook)
Zwielicht gewann zweimal den Vincent Preis. Das die Classic Reihe, die nur als ebook erschien, es ebenfalls schaffte, war dagegen nicht unbedingt vorauszusehen.


6. Bestes deutschsprachiges Hörspiel/Hörbuch

Die Kategorie Hörspiel/Hörbuch bekam 46 Stimmen bei 23 Vorschlägen.

  • Ernst Vlcek & Marco Göllner - Dorian Hunter 19: Richtfest (Zaubermond Audio / Folgenreich)
Die Dorian Hunter-Serie in der Bearbeitung von Marco Göllner ist inzwischen eine feste Einrichtung in den Nominierungslisten. Verantwortlich dafür dürfte die perfekte technische Umsetzung, die genialen SprecherInnen und der rabenschwarze Humor sein.

  • H. P. Lovecraft & Marc Gruppe: Gruselkabinett 66 & 67: Der Schatten über Innsmouth (Titania Medien)
Auch die Gruselkabinett-Reihe ist eine Institution auf den Nominierungslisten. Und wenn Titania und Lovecraft zusammen kommen, stehen die Chancen auf einen Preis gut, wie bereits „Der Tempel“ (Platz 2, 2009) und „Berge des Wahnsinns“ (Platz 1, 2010) zeigten.

  • Harald A. Weisen - Begegnung mit Skinner (Action-Verlag)
Die Hörbuchumsetzung des Vincent-Gewinners im umtriebigen Action-Verlag.

  • Kai Meyer & Marco Göllner - Loreley (Zaubermond Audio)
Marco Göllner die Zweite. Schon die beiden Hörspieladaptionen um die Gebrüder Grimm (nach Romanen von Kai Meyer) konnten 2009 und 2011 den Vincent Preis nach Hause tragen.

  • Kai Schwind - Das Lufer-Haus (Lauscherlounge)
Die Lauscherlounge griff 2012 den Found-Footage-Trend auf und produzierte mit „Das Lufer-Haus“ eine akustische Version von „Paranormal Activity“ und seiner zahlreichen Nachahmer.

  • Markus Heitz - Oneiros - Tödlicher Fluch (Audio Media Verlag)
Die Hörbuchversion von Markus Heitz Fluch-Thriller schaffte es ebenfalls auf die Nominierungsliste.

  • Michael Knoke & Jörg Kleudgen - Totenmaar (Action-Verlag)
Ein weiterer Vincent-Gewinner als Hörbuchadaption im Action-Verlag.


7. Sonderpreis 

Die Kategorie Sonderpreis bekam 110 Stimmen bei 35 Vorschlägen, beides war Rekord.

  • Eric Hantsch für Cthulhu Libria
Eric Hantschs Magazin mit den Schwerpunkt lovecraftsche Literatur bietet nicht nur einen Überblick über aktuelle Neuerscheinungen der Phantastik, sondern auch Rezensionen, Kurzgeschichten und exklusive Artikel, sowie oft grafische Bearbeitungen von Lovecraft-Geschichten aus der Feder von Johann Peterka.

  • Joachim Körber und Edition Phantasia
Die Edition Phantasia steht unter anderem für schön gestaltete Sammler- und Werkausgaben herausragender Werke der Phantastik.

  • Jörg Kleudgen für Goblin Press, Förderung junger Autoren und die Literaturseiten in den Musikmagazinen Gothic & Gothic grimoire. 
Die „neue“ Goblin Press, deren Veröffentlichungen in Handarbeit gefertigt werden, kann inzwischen bereits auf vier Veröffentlichungen zurückblicken. Darunter auch der Roman „Nachtmarkt Voodoo“, das Debüt von Andreas Ackermann. Wie bereits mit der klassischen Goblin Press bietet Jörg Kleudgen hier neuen, non-konformen Autoren und Texten eine Plattform, die in einem großen Verlag nur schwer eine Veröffentlichungschance hätten.

  • Markus K. Korb und Christian Krank mit Schock! für das schönste Buch 2012
Im Geiste der legendären „Horror“-Comics soll diese Storysammlung von Markus K. Korb stehen, weswegen er sich den Zeichner Christian Krank mit an Bord holte. Krank zeichnete zu jeder von Korbs Geschichten ein reißerisches Comictitelbild, das den Leser in die Geschichten einstimmt.
Der Atlantis-Verlger Guido Latz hat es möglich gemacht, dass „Schock!“ in Original-Comicgröße erscheint.

  • Uwe Voehl für über 30 Jahre Horrorliteratur
Vom Vampir-Horror-Roman bis Dorian Hunter und Coco Zamis. Von Lovecraft bis zum skurrilen Bastei Regionalkrimi. Schon seit 30 Jahren ist Uwe Voehl eine feste und verlässliche Größe in der deutschen Horrorlandschaft.

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