Mittwoch, 6. April 2011

Interview mit Michael Tillmann

Vincent Preis: Hallo Michael! Stell dich doch mal kurz vor.



Michael Tillmann: Hallo, hier spricht Michael Tillmann! Ich bringe Euch den Heavy Metal in die Literatur! Zwar bin ich schon länger als Autor in Anthologien, Magazinen etc. tätig, aber „Ein Gänsekiel aus Schwermetall“ ist trotzdem mein erstes richtiges Buch. Das liegt u.a. daran, dass ich zwei Liebschaften habe. Ich liebe die Naturwissenschaft genau so sehr wie ich auch die Kunst (die Literatur) liebe. Zwei Affären zu haben kostet jedoch Zeit. Zukünftig will ich aber verstärkt mit der Kunst ins Bett springen. Ihre blutroten Lippen sind so voll! Sie wird mir noch viele wilde Geschichten gebären.



Vincent Preis: Eigentlich ist Heinrich Kley für den Vincent Preis nominiert. Wer ist das und in welcher Verbindung steht er zu dir?



Michael Tillmann: Heinrich Kley (1863 – 1945) hatte auch mehrere Seiten. Er war u.a. realistischer Industriemaler, aber auch Phantast. „Die Krupp´schen Teufel“ (das Bild meines Buches) ist die perfekte Symbiose dieser beiden Stilrichtungen. Deshalb hat es mich sofort fasziniert. Es ist Metal. Erstaunlich ist, dass viele Leute, die den Hintergrund nicht kennen, zuerst glauben, dieses Bild wäre zeitgenössisch. Kley hat also quasi das typische Metal-Artwork, welches Leute wie Andreas Marschall (BLIND GUARDIAN, RUNNING WILD u.a.) in den 80ern prägten, schon um Jahrzehnte vorausgeahnt. Absolut bemerkenswert der Kerl!



Vincent Preis: So weit ich weiß, hat dich ein Bild von Kley zu einer Geschichte inspiriert. Erzähle doch mal!



Michael Tillmann: Ja, meine Geschichte „Stahlarbeit“ bringt auch etwas Dämonisches mit der Stahlindustrie in Verbindung. Viel mehr kann ich aber nicht verraten, sonst ließ ja keiner mehr die Geschichte zu den „Krupp´schen Teufeln“.



Vincent Preis: Was macht das Besondere der Bilder Heinrich Kleys aus?



Michael Tillmann: Wie schon gesagt: ich finde es toll, dass er in seiner Kunst ganz verschiedene Sachen gemacht hat. Da sehe ich eine Seelenverwandtschaft, denn meine Geschichten sind auch recht unterschiedlich.



Vincent Preis: „Eine Gänsekiel aus Schwermetall“ ist ja der eigentliche Anlass für dieses Interview. Wie würdest du die Geschichten dieser Storysammlung beschreiben? Was ist das Besondere an dieser Storysammlung?



Michael Tillmann: Alle Geschichten haben etwas mit Metall zu tun und/oder atmen den Geist von Metal-Lyrics. Auch hoffe ich, mit diesem Band meine Vielseitigkeit beweisen zu können. Es gibt hier Fantasy. Es gibt Horror. Es gibt eine Gespenstergeschichte. Es gibt Humoresken. Es gibt Surrealismus. Und es gibt eine Antwort auf die wichtige Frage: Was macht ein Black-Metal-Sänger bloß, wenn er von einem Mönch besessen ist?

Es gab ja immer schon Kontakte zwischen Metal und Phantastik. Beispielweise steht am Anfang von Stephen Kings „The Stand“ ein Auszug aus „Don´t fear the Reaper“ von BLUE ÖYSTER CULT. Umso überraschender ist es, dass Heavy-Metal-Phantastik nicht gängiger und noch nicht definiert ist. Habe mich daher schon sehr gefreut, dass kurz nach meinem Buch nun ein mir unbekannter Herr Scheib eine Ausschreibung zu einer Anthologie „Rock`n` Roll Children“ (eine Anspielung auf Ronnie James Dio, R.I.P.) gestartet hat, deren Texte alle von Metal-Lyrics beeinflusst sein sollen. Keine Ahnung welcher Verlag dahinter steckt und ob es was wird, aber ich wünsche von dieser Stelle viel Glück und hoffe, mein Buch wird im Vorwort freundlicherweise erwähnt.



Vincent Preis: Ist eine der in „Gänsekiel“ enthaltenen Geschichten dein besonderer Liebling?



Michael Tillmann: Es gibt eine Geschichte, die leider gerade aus traurigem Anlass sehr aktuell ist. „Stählernes Singen ohne Reflexion“ setzt sich u.a. mit der Meinung des Westens zur japanischen Mentalität auseinander. Man kommt wirklich manchmal das Gefühl, dass sich die Japaner hinter ihrer Tradition devot verstecken. Schau Dir an, was in Fukushima passiert: Das Leben von über 35 Millionen Menschen in Tokio steht auf dem Spiel, aber bei Demos dort kommen nur lächerliche 100 bis 200 Leute. Nur 200 Leute von 35 Millionen Menschen!!! Das „Schweigen der Lämmer“! Besser noch: das (asiatische) „Lächeln der Lämmer“! Immer schön höflich bleiben, selbst wenn man Dich umbringt!



Vincent Preis: Wie kam es dazu, dass die Anthologie gerade bei Medusenblut erschien?



Michael Tillmann: Es gab mit „Mein Fleisch wird brennen“ schon vor Jahren eine kleine Broschüre aus meiner Feder bei Medusenblut. Es ist also nicht die erste Zusammenarbeit. Ich mag Boris, weil er im Gegensatz zu vielen anderen Kleinverlegern nicht naiv ist. Insbesondere ist für Boris Medusenblut nicht nur Hobby, es ist vielmehr ein ernsthafter Teil seiner professionellen, künstlerischen Arbeit.



Vincent Preis: Gibt es weitere Werke aus deiner Feder?



Michael Tillmann: Die Liste meiner ganzen zerstreuten Veröffentlichungen findet sich unter www.michaeltillmann.de. Insbesondere arbeite ich gerne mit dem Science-Fiction-Magazin EXODUS zusammen.



Vincent Preis: Was gibt es als nächstes vom Autor Michael Tillmann zu lesen?



Michael Tillmann: Zum Beispiel wird meine Geschichte „Tibetanisches Windspiel“ in „Wicked“ (Voodoo Press Österreich) dabei sein. Außerdem habe ich einen ersten Beitrag im Satiremagazin „Eulenspiegel“ veröffentlicht und hoffe diese Zusammenarbeit auszubauen.



Vincent Preis: Vielleicht noch ein Wort an die Leser dort draußen?



Michael Tillmann: 4. Worte sogar! 1. Googelt die Bilder von Kley! 2. Auch möchte ich hier Kai Hansen zitieren: „Heavy Metal is the Law!“. 3. Bleibt intolerant: Gebt HipHop keine Chance! 4. Außerdem möchte ich Euch bitten, dass ihr alle auf Ökostrom umsteigt!



Vincent Preis: Vielen Dank für das aufhellende Interview. Wir wünschen dir noch viel Erfolg sowie weiterhin tolle Geschichten! Möge der Rock`N´Roll immer leben.

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