Donnerstag, 21. April 2011

Interview mit Ernst Wurdack

Vincent Preis: Lieber Ernst, zuerst herzlichen Glückwunsch zur Nominierung von Simon Clarks VAMPYRRHIC als bestes internationales Literaturwerk 2010. Wie kam es denn zur deutschen Veröffentlichung im Wurdack-Verlag? Du hattest Unterstützung aus dem Horror-Forum, oder?

Ernst Wurdack: Danke für die Glückwünsche!
Das Buch ist nicht nur mit Unterstützung des Horrorforums zustande gekommen, sondern sozusagen auf Anregung des Forums. Es gab einige Stimmen in verschiedenen Threads, die Simons Bücher gerne auf Deutsch gelesen hätten. Letztendlich war es Dirk Bützer, der den Kontakt zu Simon Clark hergestellt und so alles ins Rollen gebracht hat. Die Leute im Horrorforum sind sehr aktiv und gut vernetzt, und auch Steve Gerlachs RAGE, das Ende des Jahres erscheinen wird, ist auf Vermittlung eine Mitglieds aus dem Horrorforum, nämlich Werner Placho, bei mir im Verlag ‚gelandet’.

VP: Im Original ist VAMPYRRHIC bereits 1998 erschienen? Warum hat es – trotz Vampirhysterie - so lange gedauert, bis eine deutsche Übersetzung erschienen ist?

EW: Es waren schon einige Verlage an den Rechten interessiert, zumal VAMPYRRHIC ja bereits in 15 Sprachen übersetzt worden war. So weit ich es beurteilen kann, ist das immer an den Lizenzforderungen des lizenzgebenden Verlags gescheitert. Erst nach einigen Emails zwischen mir, dem Verlag und Simon haben sich Simon Clark und sein Agent intensiv dafür eingesetzt, dass der Vertrag doch noch zustande kam.
Inzwischen hat Simon seinen englischen Verlag gewechselt und wird von einer schweizer Agentur vertreten.

VP: Simon Clark mischt in VAMPYRRHIC wild verschiedenste phantastische Elemente. Was hältst du persönlich von dieser Verschmelzung verschiedener Phantastikgenres?

EW: Da ich Schubladen nicht mag, auch wenn sie den Lesern eine gewisse Orientierung im beinahe unübersichtlichen Buchmarkt geben können, finde ich so eine Vermischung höchst interessant. Erstaunlicherweise ist es so, dass sich angloamerikanische Autoren viel eher trauen, Genres ganz unbekümmert zu mixen, während deutschsprachige Autoren, und hier vor allem die Newcomer, die unbekannten Autoren, auf irgendeiner Schubladenwelle mitschwimmen möchten. Ausnahmen gibt es natürlich, und deshalb habe ich einen Autor auf dem DortCon angesprochen und ihn um ein Manuskript gebeten, das die eingefahrenen Pfade total verlässt. Der Autor wusste gar nicht, wie ihm geschieht, denn normalerweise muss ein Autor mit seinem Manuskript bei den Verlagen hausieren gehen. Für derart Ungewöhnliches bin ich immer offen, auch wenn mein Verlagsprogramm es eigentlich nicht zulässt, dass ich noch einen weiteren Titel ins Programm nehme.

VP: In deinem Verlag ist inzwischen die Fortsetzung WHITBY VAMPYRRHIC angekündigt. Kannst du uns schon verraten, wie die Geschichte weitergeführt wird?

EW: Die direkte Fortsetzung ist eigentlich VAMPYRRHIC RITES, aber die Thematik von WHYTBY VAMPYRRHIC hat mich mehr gereizt. Also kommt dieses Buch, das einige Zeit vor VAMPYRRHIC spielt, zuerst.

VP: Da du auch WHITBY VAMPYRRHIC herausbringst, wurde VAMPYRRHIC offenbar sehr gut angenommen. Wird es auch Teil 3 – VAMPYRRHIC RITES – im Wurdack-Verlag geben.
EW: Kann ich echt noch nicht sagen. Mal sehen, wie WHYTBY VAMPYRRHIC läuft.

VP: Was erwartet den Phantastikfan im Allgemeinen und den geneigten Horror-Leser im Besonderen sonst in absehbarer Zeit im Wurdack-Verlag?

EW: Im Herbst startet mit Steve Gerlachs Rage die CRIME-Reihe. Kein direkter Horror, bestimmt kein Lokalkrimi, sondern Romane mit etwas härterer Gangart. Danach folgt TOTE MÄDCHEN WEINEN NICHT, das Debüt eines deutschen Autors, den ich ebenfalls über das Horrorforum kennengelernt haben und von dem ich glaube, dass er großes Potenzial hat. Die Zusammenarbeit mit ihm, sei es bei der Konzeption des Buches oder im Lektorat ist so, wie man sich als Lektor und Verleger eine Zusammenarbeit wünscht.
Weiterhin wurde mir von einem Schweizer Autor eine Novelle angeboten, und das, was ich bisher davon gelesen habe, gefällt mir ausgezeichnet. Einen konkreten Veröffentlichungstermin kann ich aber erst nennen, wenn die Novelle komplett vorliegt.
Die DR. NIKOLA-Reihe (für alle Interessierten: Der DR. NIKOLA-Blog von Michael Böhnhardt) wird fortgeführt, vorerst mit je einem Roman von Michael Böhnhardt, dem Übersetzer, und einem von Petra Hartmann, die schon 3 Bücher in meinem Verlag veröffentlicht hat.

VP: Gibt es bereits Neuigkeiten zur Wiederbelebung der Anthologie-Reihe PANDAIMONION?

EW: Ja, die gibt es. Beim DortCon konnte ich mit zwei Leuten reden, die sowohl als Autoren als auch als Lektoren für PANDAIMONION tätig waren. Sie haben vorsichtiges Interesse signalisiert, und so wie es momentan aussieht, werden wir künftig ausschließlich Novellen und längere Erzählungen in dieser Reihe bringen, und zwar von Autoren, die ihre ersten Gehversuche in der phantastischen Literatur schon hinter haben. Vielleicht darf ich dieses Interview dazu nutzen, um Lektoren (vor allem die) und Autoren aufzufordern, mit mir Kontakt aufzunehmen, wenn sie sich angesprochen fühlen, PANDAIMONION wieder aufleben zu lassen. Als Autor sollte man schon das eine oder andere PANDAIMONION gelesen haben, um zu wissen, wohin die Reise geht. Und wenn die Texte spannend und gut geschrieben sind, nicht gerade von Zombies und Werwölfen erzählen, und etwa 120 000-150 000 Zeichen lang sind, dann besteht durchaus die Chance, dass sie irgendwann in einem Pandaimonion abgedruckt werden.

VP: Herzlichen Dank, Ernst, für dieses Interview.

EW: Ich habe zu danken.

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