Montag, 4. April 2011

Interview mit Cecille Ravencraft

Vincent Preis: Liebe Cecille. Zunächst natürlich unseren Glückwunsch zur Nominierung deines Romans für den Vincent Preis 2010.
Würdest du uns zunächst etwas über dich verraten? Wer steckt hinter diesem mystischen Pseudonym?

Cecille Ravencraft: Vielen Dank! Ich freue mich wirklich sehr über die Nominierung! Hinter dem Pseudonym steckt ein ganz normaler Mensch mit schrägem Humor. Eher unauffällig und auch schüchtern. Es verblüfft mich, dass mich manche aufgrund meines Romans für pervers oder krank halten. Schließlich verarbeite ich im Endeffekt nur, was ich auch in den Nachrichten sehe (wie zum Beispiel den Kannibalen von Rotenburg), und das ist leider alles echt.


VP: Den Namen Cecille Ravencraft soll dir Alice Cooper persönlich gegeben haben. Wie kamst du zu diesem prominenten Paten?

CR: Alice hat ja eine Radioshow (Nights With Alice Cooper), die auch im Internet übertragen wird. Man kann ihm E-Mails schicken, die lustigsten oder verrücktesten haben gute Chancen, verlesen zu werden. Als ich mein Buch fertig hatte, brauchte ich ein Pseudonym. Meine Freundin meinte, benutz doch deinen richtigen Namen, aber ich wollte doch etwas anderes... tja, und ich dachte, ich schicke Alice einfach eine E-Mail und schildere ihm das Problem. Er las die Mail vor und sagte dann: Cecille Ravencraft. Ernst wird er das nicht so unbedingt gemeint haben, aber ich dachte mir, warum nicht. Man kann das übrigens noch bei Youtube hören.

VP: War es immer schon dein Wunsch, Autorin zu werden?

CR: Ja, das könnte man so sagen. Ich habe schon als Kind Geschichten erfunden. Aber ans Aufschreiben dachte ich erst sehr viel später.

VP: Hat dich etwas besonders zu deinem Roman inspiriert?

CR: Das ist schwierig. Ich wollte einfach zeigen, dass hinter der Fassade etwas ganz anderes stecken kann, alle Menschen tragen ja irgendwie Masken. Manchmal steckt hinter so einer Maske etwas wirklich Entsetzliches... und wie ich schon am Anfang sagte, der Kannibale von Rotenburg hat mich zum Beispiel sehr erschreckt. Auch das waren ganz normale Leute, jedenfalls nach außen hin, und der eine bittet den anderen, ihn zu töten und zu essen... das macht mich sprachlos. Und dann die Unterschiede, die manche religiöse Gruppen anderen Menschen gegenüber machen, sich über andere stellen und es für normal halten, diese einfach umbringen zu können. Für die Erhabenen ist das ganz selbstverständlich und im echten Leben hat es das ja mehr als oft genug gegeben. Und gibt es leider immer noch.

VP: THE CENTER OF THE SPIRAL erschien zunächst auf englisch (ist übrigens noch zu erwerben), obwohl du Deutsche bist. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Entwicklung?

CR: Ich wollte damals einfach eine Kurzgeschichte für meinen Blog schreiben - auf deutsch. Dann fing ich den ersten Satz aber auf englisch an und blieb einfach dabei. Die Geschichte wurde dann immer länger und ich war dann doch etwas besorgt, als ich das ganze veröffentlichen wollte. Wenn man kein Muttersprachler ist, kann man sich ganz schön blamieren. Ich habe aber zwei Muttersprachler gebeten, sich das Buch vorher durchzulesen, sicher ist sicher.

VP: In IM ZENTRUM DER SPIRALE gibt es keine ausschließlichen Sympathieträger. Alle Figuren haben gute und weniger gute Seiten. Hast du das bewusst so geplant?

CR: Ja. Das war zwar ein Risiko aber ich fand, die Geschichte funktioniert trotzdem. Jeder Mensch hat ja gute und schlechte Seiten und ich wollte, dass man ein gewisses Verständnis oder auch Mitleid aufbringt, aber nicht unbedingt Sympathie.

VP: Kannst du dich mit einer Figur aus deinem Roman identifizieren?

CR: Hm, nicht wirklich. Auch ich bringe Verständnis auf und Mitgefühl für z.B. Chris, aber identifizieren kann ich mich mit ihm nicht. Er tut mir nur unendlich leid. Und seine Grausamkeit ist abstoßend, aber auch nachvollziehbar – bei diesen Stiefeltern.

VP: Zumindest in der deutschen Version deines Romans trittst du selbst auf und kommst dabei nicht gerade gut weg. Nachträgliche Rechtfertigung oder dein Sinn für Humor?

CR: Das ist mein Sinn für Humor, ich habe beim Schreiben ganz schön grinsen müssen. In der englischen Version komme ich auch vor.

VP: Mit der weltumspannenden Kannibalenvereinigung, die du beschreibst, hast du ein Universum (wie es so schön heißt), das du beliebig ausbauen kannst. Gibt es Pläne in diese Richtung?

CR: Ja, um ehrlich zu sein schon. Ich würde auch gerne die Vorgeschichte der Moerfields schreiben und habe schon einige Ideen dafür.

VP: Die Fortsetzung zu IM ZENTRUM DER SPIRALE ist bereits in Arbeit. Kannst du schon verraten, in welche Richtung der Roman geht?

CR: Ja, gern. Chris wird wieder auftauchen. Alma braucht ihn, hat sehr spezielle Pläne mit ihm und ihr Hexenzirkel erhebt Anspruch auf die Spirale in Sharpurbie... was die Kannibalen nicht hinnehmen wollen.

VP: Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Vincent Preis 2010.

CR: Vielen Dank! 


IM ZEMTRUM DER SPRALE ist erhältlich beim Verlag Torsten Low.
Die Facebook-Seite von Cecille Ravencraft.

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