Montag, 8. April 2019

Ralf Kor im Interview


Michael Schmidt: Lieber Ralf, herzlichen Glückwunsch zur Nominierung zum Vincent Preis!

Ralf Kor: Vielen Dank! Ich war selbst überrascht. Zwar wusste ich, dass die Geschichte dem einen oder anderen gefallen hat, aber dass sie bei der riesigen Konkurrenz in der Endrunde landen würde, hat mich echt umgehauen!

Michael Schmidt: Ich weiß nicht ob dich die Vincent Preis Gemeinde kennt. Stell dich doch mal vor!

Ralf Kor: Ich bin 35, geboren und aufgewachsen im Ruhrpott. Seit sechs Jahren lebe mit Frau und Kind im wunderschönen Münster. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich als Betriebswirt bei einem sozialen Träger. In meiner Freizeit spiele ich Bass in einer Punk, als auch in einer Hardcoreband. Seit ich als zartes Pflänzchen meinen ersten John Sinclair in den Händen gehalten habe, fasziniert mich die Phantastik. Genau wie ich es mit der Musik halte, mag ich die Abwechslung. So geben sich bei mir Bücher von Lovecraft mit denen von Lee die Klinke in die Hand. 2017 habe ich angefangen, meine eigene Fantasie, in Geschichten zu formulieren. Also echt ein Frischling unter euch alten Hasen. Ich experimentierte mit den Stilen und kopierte Autoren, die ich gerne lese. Inzwischen kristallisiert sich meine eigene Stimme aus den Texten, was der Leser hoffentlich ebenso empfindet. Meinen Stil, wenn ich ihn definieren würde, ist trashig. Ich mag schwarzen Humor und derbe Szenen, vor allem, wenn sie sich von hinten an dich heranschleichen.

Michael Schmidt: Du bist mit Papa ist daheim für den Vincent Preis nominiert. Worum geht es in der Geschichte?

Ralf Kor: Es ist eine schwarzhumorige, Splattergeschichte, die zwar Klischees bedient, aber zum Ende noch einen (hoffentlich) unerwarteten Twist bietet. Du denkst, du weißt, was kommt und es kommt noch weitaus schlimmer, als du gedacht hast.
Die Weihnachtszeit naht und Samiras Exmann, der sie am Weihnachtsabend besuchen wollte, lässt sie und ihren gemeinsamen Sohn erneut hängen. Samira erträgt die Enttäuschung ihres Sohnes nicht und fährt zu ihrem Ex, um ihn zu überreden, den vorgeschobenen Termin abzusagen. Als sein dringender Termin in Nachtwäsche die Tür öffnet, brennen bei Samira die Sicherungen durch. Schafft es Samira, das Weihnachtsfest zu retten und ihren Ex von einem besinnlichen Weihnachten mit ihr und ihrem Sohn zu überzeugen?



Michael Schmidt:  Wie findest du BadassFiction und warum würdest du die Anthologie einem Leser empfehlen?

Ralf Kor: Weil sie Abwechslung bietet. Von Dämonen, über Splatter, Torture bis Zombies ist für viele Geschmäcker etwas dabei. Zudem muss erwähnt werden, dass die Anthologie das Ergebnis eines Schreibwettbewerbs vom Redrum Verlag ist. Die Geschichten konnten von den Autoren auf eine Onlineplattform hochgeladen werden und wurden von den Lesern und Verlagsmitarbeitern bewertet. Anschließend wertete man die Lesermeinungen aus und die Gewinnergeschichten fanden Platz in Badass Fiction. Neulich habe ich gelesen, dass vier der vertretenen Autoren in Folge der Anthologie einen Verlagsvertrag erhalten haben. Es ist eine tolle Plattform, über die neue deutschsprachige Autoren entdeckt und gefördert werden. Der nächste Fiction Award steht übrigens in den Startlöchern.

Michael Schmidt: Hast du noch mehr Kurzgeschichten geschrieben und wo sind die erschienen?

Ralf Kor: Obwohl ich erst seit zwei Jahren schreibe, war ich fleißig. Bislang wurden, beziehungsweise werden, ein dutzend Kurzgeschichten von mir veröffentlicht. Meine ersten Gehversuche finden sich im Twilight-Line Verlag und bei Sarturia. In den Zwielichtausgaben 12 und 13 durfte ich vertreten sein, sowie in der Meerjungfrauen Anthologie aus dem Eldur Verlag. Auch in der neuen Blutgrütze Ausgabe, die Markus Kastenholz herausbringt, werde ich einen Beitrag leisten. Nicht zu vergessen mein SciFi Abstecher in der Scherben Anthologie, die ja in zwei Kategorien für den Vincent Preis an den Start geht. Demnächst erscheint die Kurzgeschichte Sticky Fingers bei Redrum, die einen Vorgeschmack auf meinen Debutroman gibt, da sie im selben Universum spielt. Obwohl jede veröffentlichte Geschichte einen kleinen Erfolg darstellt, bin ich doch sehr stolz auf meinen Beitrag in der neusten Geisterspiegel Anthologie: Dark Islands, die im März erschienen ist. Anke Brandt leistet eine tolle Arbeit und bringt jährlich eine herausragende Sammlung an Geschichten heraus.



Michael Schmidt: Woran arbeitest du gerade?

Ralf Kor: Interessanterweise an meinem zweiten Roman, obwohl der erste noch gar nicht erschienen ist. Während ich an dem Manuskript für Monsterhunter arbeitete, wie der Name sagt, ein Monsterhorror, meldete sich eine Idee, die mich nicht in Ruhe lies. Ich beschloss, das Manuskript für einen Abend ruhen zu lassen und setzte mich an die Idee mit dem Arbeitstitel Cannibal Love. Innerhalb eines langen Nachmittags hatte ich die Idee runtergeschrieben, etwas korrigiert und an Redrum geschickt. Und siehe da: Michael fand die Idee klasse und will Cannibal Love noch vor Monsterhunter veröffentlichen.
Es ist eine romantische Hardcorekomödie mit, na, wer hätte es gedacht? Kannibalen. Beim Schreiben hatte ich die Idee von einer Art Deadpool mit Tarantino. Brutal, überzogen und immer mit einem Augenzwinkern. Es ist definitiv ganz anders, als das, was ich zuvor geschrieben habe. Und es macht Laune!

Michael Schmidt: Was wird 2019 oder danach von dir erscheinen?

Ralf Kor: Cannibal Love und Monsterhunter sollen 2019 erscheinen. Ich hoffe, dass das auch so zu realisieren ist. Darüber hinaus werde ich weiterhin die ein oder andere Kurzgeschichte schreiben und hoffentlich veröffentlichen. Die Ideen werden mir so schnell nicht ausgehen. Ich habe bereits zwei Plots für kommende Romane fertiggestellt und die Liste mit Ideen wächst stetig.

Michael Schmidt: Ein letztes Wort an die Vincent Preis Gemeinde!

Ralf Kor: Ich freue, und bedanke mich, dass es diese Plattform gibt. Horror, insbesondere deutschsprachiger Horror, wird leider eher belächelt. Daher ist es wichtig, dass es Menschen gibt, die das Genre zu würdigen wissen. Es steckt mehr Potential in der Community, als man ihr nachsagt. Dabei finde ich es wichtig, Toleranz und Akzeptanz für die Subgenres zu zeigen. Wenn jemand die Augen verdreht, weil ein anderer Bighead von Edward Lee gut findet, dann finde ich das schade. Geschmäcker sind verschieden und Bücher dürfen auch unterhalten. Genau diese Person hat vielleicht reges Interesse daran, über die Rassenthematik in Lovecraft Country von Ruff zu diskutieren.
Ich wünsche dem Vincent Preis lange Tage und angenehme Nächte!




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