Mittwoch, 17. April 2019

Interview mit Björn Ian Craig


Stell dir einen schlichten, schwarzen Raum vor, zwei sich gegenüberstehende blutrote Kanapees, einen schlichten, weiß lackierten Tisch, eine weiße Vase mit einer schwarzen Dahlie. Im Hintergrund hören wir Javiere Navarrete:









VV: Moin Björn, schön, dass du den langen Weg aus der Schweiz zu uns gefunden hast.  Was möchtest du trinken?


B.I.C.: Jetzt kommt es natürlich drauf an, wann unser Treffen stattfindet ;-) Von morgen früh bis Mittag wär’s ziemlich sicher ein großer Kaffee; am späteren Nachmittag darf es gern ein kühles Bier sein und wenn wir uns spät abends zum Interview treffen dann könntest du mir auch gern einen Gin-Tonic ausgeben! ;-)

VV: Du bist mit deinem Cover für das Horrormagazin Zwielicht 12 in der Endrunde für den Vincent Preis! Herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet dir das?



B.I.C.: Ganz ehrlich? Ich freu mich riesig. Man bekommt sonst ja nur spärlich Feedback auf das, was man kreiert. Klar, findet ein Austausch mit den Herausgebern statt. Michael und Achim sagen mir schon, was ihnen gefällt und was nicht; und man selbst kriegt auch ein Gefühl, ob das, was man macht, funktioniert oder eher nicht. Aber wenn man dann für den Vincent Preis nominiert ist, dann freut mich das umso mehr. Schließlich bedeutet dies ja auch, dass mein Cover ein paar mehr Menschen gefallen haben muss, als nur dem inneren Kreis.



 VV: Ich finde deine Arbeit mal wieder genial! Wie bist du auf das Motiv „Treppenhaus“ gekommen?  


B.I.C.: Danke für die Blumen. Seit ich für Zwielicht arbeite versuche ich immer das Phantastische im Alltäglichen zu finden. Also stelle ich immer alltägliche Situationen dar – nur halt immer monströs überhöht oder dämonisch überspitzt. Seien das übergroße Motten, die vom Leuchtturm angezogen werden oder ein Schattenwurf, der so gar nicht seinem Verursacher entspricht. Beim aktuellen Cover ließ ich mich von einem Treppenhaus-Foto inspirieren, bei deren erster Betrachtung meine Phantasie mir die Zähne in den Geländeelementen bereits vorgegaukelt hatte und ich erst bei einer zweiten, genaueren Betrachtung sah, dass diese gar nicht vorhanden waren. So war die geboren…

VV: Seit der dritten Ausgabe der Zwielicht bist du vor das Artwork verantwortlich und ich finde, du hast dem Magazin dadurch eine ganz eigene Note verpasst, die den Inhalt gut wiedergibt. Immer Grusel, immer etwas Beklemmung, mit viel Liebe zum Detail. Wie ist deine Herangehensweise und wie kam es zu der Zusammenarbeit?


B.I.C.: Als Michael gerade die dritte Ausgabe von Zwielicht vorbereitete kam er auf mich zu und fragte, ob ich nicht Lust hätte für sein Magazin die Cover zu entwerfen. Er kannte meine Arbeiten, da sie auch schon für den Vincent Preis nominiert wurden sind und ich ihn in dieser Kategorie auch bereits einmal gewinnen konnte. Auch für das Motiv der zweiten Vincent Preis-Urkunde hatte er mich schon angefragt. Und für Zwielicht 3 hatte ich auch bereits eine Skizze in Petto, die für meinen Geschmack perfekt zur Buchreihe zu passen schien (Motten mit Leuchtturm). Von diesem Moment an arbeite ich regelmäßig für die Reihe und habe auch schon ein paar schriftliche Beiträge und eine kleinere Übersetzung beigesteuert, da mir die Mischung aus Geschichten und Hintergrundberichten sehr ansprechen.





VV: Du zeichnest per Hand vor, ehe es an den Rechner geht, richtig? Warum?



B.I.C.: Gewisse Coverillustrationen beginnen mit einer Handskizze aber es ist nicht so, dass sie am Ende immer komplett handgezeichnet sind. Ich arbeite auch viel mit Texturen und eigenen oder lizenzfreien Fotografien. Was mir aber wichtig ist, ist die Idee. Die Bildidee steht bei mir IMMER an erster Stelle. Ohne sie setze ich mich gar nicht erst an den Schreibtisch oder an den Rechner; sie muss vorher schon existieren. Und diese Bildidee entsteht immer zuerst im Kopf, meistens dann, wenn ich gar nicht an das Projekt denke. Das kann während der Arbeit passieren, auf dem Nachhauseweg, während dem Einkauf etc. Plötzlich springt mich im wahrsten Sinne des Wortes so eine Idee an und beißt sich in meinen Hirnwindungen fest. Wenn sie was taugt, skizziere ich sie schnell auf bevor sie vergessen geht.


VV: Hast du schon einmal überlegt, zu schreiben? Weil dann zum Bild eine Geschichte kam?


B.I.C.:  Hab ich mal… in meiner Jugendzeit. Es existiert sogar ein ganzes Notizbuch voll mit Storyansätzen und -ideen aus dieser Zeit. Aber wirklich ausformuliert hab ich nur etwa eine Handvoll; und mehr wie zehn Seiten pro Geschichte hab ich auch nicht zusammenbekommen. Ich denke, meine Stärke liegt eindeutig im Visuellen und nicht im Textlichen. Obwohl es mich immer mal wieder überkommt, einen sekundärliterarischen Text zu verfassen, kombiniert mit einer ausgiebigen Recherche. So geschehen für Zwielicht 3, wo ich mich mit dem Schriftsteller Karl Edward Wagner auseinander gesetzt habe oder dann vier Ausgaben später, wo ich dem Phantastik-Interessierten die wunderbare englische Schriftstellerin Sheila Hodgson und ihre Geistergeschichten in M.R. James Manier versucht habe näherzubringen.


VV: Liefert dir eher immer der Alltag die Bilder, die Ideen dazu oder sind es die Inhalte, die du vorher liest?



B.I.C.: Bei Zwielicht sind es meist Situationen aus dem Alltag, die mir die Bildideen liefern. Für andere Arbeiten – etwa Kurzgeschichtenbände oder Anthologien beispielsweise von Markus. K. Korb (Phantasma Goriana) oder Malte S. Sembten (Dhormenghruul) – waren tatsächlich die Stories das Entscheidende, um das Cover zu kreieren. Bei diesen zwei Autoren hat auch immer ein äußerst reger Austausch stattgefunden, wo wir Ideen hin und her jongliert und so das Cover gewissermaßen zusammen entwickelt haben.


VV: Gibt es Bilder, die dich geprägt haben? Ich frage immer aus der Haltung eines Autors, da gibt es nämlich auch oft immer Bücher, die einen bewegt haben.

B.I.C.: Es gibt es eine Vielzahl an Kunstwerken, die mir gefallen. Ob sie mich auch geprägt haben, ist wohl schwierig zu sagen. Aber einen bleibenden Eindruck haben sie sehr wohl bei mir hinterlassen. H.R. Gigers Oevre hat mich schon als Jugendlicher stark beindruckt, aber auch klassische Künstler wie Edvard Munch, Max Ernst oder Hans Bellmer gefallen mir sehr. Und es gäbe so viele weitere zu nennen… Arnold Böcklin beispielsweise, dessen Toteninsel bei uns im Basler Kunstmuseum ausgestellt ist.



VV: Kannst du von deiner Kunst leben?


B.I.C.: Leider nicht. Die Buchcover, die ich kreiere, sehe ich als Ausgleich und auch als Ergänzung zu meiner Arbeit als Werbegrafiker, da ich hier vieles ausprobieren kann, was mir im Alltag verwehrt ist. Ich mache hierbei auch nur wenige Zugeständnisse und Kompromisse.

VV: Ich habe gelesen, dass du auch Giger-Museum warst. Ich fand das Museum auch einfach nur den Hammer. War Aliens dein Erstkontakt zum Horror, zur Sci-Fi? Oder wie fing das bei dir an?

B.I.C.: Ja, das ist allerdings auch schon ein paar Jahre her. Aber ich kann nur sagen: es ist der Wahnsinn – im wahrsten Sinne des Wortes. Das Giger Museum in Gruyères ist wahrlich eine Reise wert. Das Faible zum Unheimlichen hatte ich schon von klein auf und die ersten Horrorfilme, mit denen in Kontakt gekommen bin waren zunächst die Klassiker des Genres, wie „Psycho“, „Der Weiße Hai“, „Poltergeist“. Dann kamen die Stephen King Verfilmungen „Es“ und „Brennen muss Salem“. Und dann stellte ein Privatsender in einer Horrorreihe die Werke John Carpenters vor. Egal ob „Halloween“, „Das Ding“ oder „Fürsten der Dunkelheit“… seine Filme finde ich bis heute genial und kann sie mir immer wieder anschauen.

VV: Warum dann Horror? Was macht da für dich die Faszination aus?


B.I.C.:  Keine Ahnung. Es ist aber wohl das Gefühl des Sich- Gruselns, das es für mich ausgemacht hat und nach wie vor ausmacht. Dabei bin ich auch eher der Anhänger des klassischen Grusels – huschende Schatten, merkwürdige Geräusche und natürlich eine Geschichte, die einen packt… Von Blutfontänen und reinem Splatter halte  ich mich fern. Das ist nicht mein Ding.


VV: Im Horror geht es ja immer irgendwie um das Böse … in welcher Gestalt auch immer? Was ist das Böse für dich? Was lässt dich gruseln?  

B.I.C.: Das Böse für mich ist das, was man nicht sieht, nur erahnen kann. Etwas nicht Greifbares, was der Verstand nicht zu fassen vermag, löst Ohnmacht und Furcht aus.


VV: Hattest du übersinnliche Erfahrungen gesammelt in deinem Leben?  


B.I.C.: Bis jetzt leider nicht… wobei halt, … doch,… sofern man das so nennen kann: In meiner Jugend ist mir ab und an ein Gefühl des Deja-Vus überkommen: Momente, in denen ich das Gefühl hatte genau diesen Augenblick schon mal erlebt zu haben. Aber damit hat es sich leider auch schon mit meinen übersinnlichen Erfahrungen.

VV:  Was sind deine Zukunftspläne?

B.I.C.: Ich würde gerne weiter unheimliche Visionen kreieren können und Büchern zu einer unnachahmlichen Erscheinung verhelfen. Leider ist das nicht immer so einfach. Der zeitliche Rahmen muss passen … schließlich mach ich diese Dinge in meiner spärlichen Freizeit. Aber nicht nur. Gerade auf diesem Gebiet ist es wichtig, dass mir der Auftrag auch Spaß macht.

VV: Björn, vielen Dank, dass du hier warst. Und ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Abstimmung zum Vincent Preis! 

B.I.C.: Dankeschön. Hat Spaß gemacht, mit dir zu plaudern. Bin egal, wie die Abstimmung auch ausgehen wird, schon mega stolz darauf, überhaupt nominiert worden zu sein.





Und hier kommen die 11 ...
Bullets (Wie aus der Pistole geschossen …)


VV: Horror oder SciFi?

B.I.C.: Beides. Nur Fantasy schneidet bei mir schlecht ab.

VV: Ein Buch, das du gerne illustriert hättest?

B.I.C.: Michael Siefeners SCHÄCHTE.


VV: Worüber kannst du dich aufregen?

B.I.C.: Über mangelnde Kommunikation


VV: Wein oder Bier?

B.I.C.: Beides. Der Rahmen dafür ist entscheidend. Aber wenn ich mich tatsächlich für eines entscheiden müsste, dann: Bier.


VV: Vampir oder Werwolf?


B.I.C.: Vampir. Mit Werwölfen kann ich nur sehr wenig anfangen.



VV: Du kannst dir ein Horrorsetting zum Probeleben mit Überlebensgarantie aussuchen. Welches wäre das?




B.I.C.: Eine Nacht alleine in einem heimgesuchten Schloss verbringen.

VV: Lieblingsessen?

B.I.C.: Ein guter Cheese-Burger mit Bacon.




VV: Poe oder Lovecraft?

B.I.C.: Mhhh… schwierig. Aber ich denke, da muss ich Lovecraft den Zuschlag geben.




VV: Warum?

B.I.C.: Lovecraft begleitet mich einfach schon länger.




VV: Film oder Comic?

B.I.C.: Film




VV: Ich will unbedingt einmal …?

B.I.C.: …nach Island. Dieses Land fasziniert mich.


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