Samstag, 6. April 2019

Detlef Klewer im Interview



Detlef Klewer: Vielen Dank! Ich fühle mich sehr geehrt durch diese Nominierungen.

Michael Schmidt: Ich weiß nicht ob dich die Vincent Preis Gemeinde kennt. Stell dich doch mal vor!

Detlef Klewer: Gerne. Ich bin ein Silver Ager, lebe am Niederrhein und bin mit der wundervollsten Frau der Welt verheiratet. Regiert werden wir von drei Katzen. 2004 habe ich meine eigentliche Passion zum Beruf gemacht und bin seitdem als freiberuflicher Illustrator, Designer und Comiczeichner tätig. In der Freizeit arbeite ich zudem als Autor und Herausgeber. Dem Horrorgenre bin ich seit meiner frühen Jugend und der Entdeckung von Dan Shockers Gruselkrimis zugetan. Ab den 80er Jahren war ich dann nebenberuflich als freier Filmjournalist für Magazine wie „Vampir“, „Film-Illustrierte“ und „Moviestar“ tätig. Das mündete Mitte der 90er mit dem Verfassen von dann insgesamt fünf Horrorfilm-Fachbüchern. Das letzte davon – „Die Kinder der Nacht – Vampire in Film und Literatur „ – erhielt 2007 als bestes Fachbuch des Jahres den „Virus-Award“ des Horrormagazins „Virus“.


Michael Schmidt: Du bist mit dem Titelbild Scherben für den Vincent Preis  und den Kurd Laßwitz Preis nominiert. Wie kam es zu der Idee des Bildes und was ist seine Bedeutung?

Detlef Klewer: „Bedeutung“ klingt so inhaltsschwer, als habe der Künstler eine Botschaft an die Welt. Meine Botschaft an die Leser ist denkbar einfach: Dies ist eine großartige Anthologie, die sich zu lesen lohnt. Aber natürlich hat das Bild eine Entstehungsgeschichte. Die beginnt mit der Aufgabe ein Cover zu kreieren, dass die Vielfalt der in der Anthologie enthaltenen Geschichten widerspiegelt und dem Titel „Scherben“ gerecht wird. Wie der Zufall es wollte, las ich zu diesem Zeitpunkt gerade Lewis Carrolls „Alice hinter den Spiegeln“ und  fragte mich, wie es wäre, wenn Alice hinter dem Spiegel gefangen bleiben würde. Also schaut sie nun mit einem Auge durch einen halbzerstörten Spiegel. Und die „Grinsekatze“ mutierte in meiner Vorstellung zu einem Mensch-Roboter-Hybriden, der ihr bei den Bemühungen zu entkommen zuschaut. So hoffte ich die Crossover-Anthologie in einem Bild zu visualisieren. Und da ich nun sowohl für einen Horror-Preis, als auch für einen SF-Preis nominiert wurde, freut es mich,  dass mir das offenbar überzeugend gelungen ist.

Michael Schmidt: Du bist auch Autor und mit der humorvollen Parodie Herofluenza vertreten? Erzähl mal worum es geht und was das besondere an der Geschichte ist?

Detlef Klewer: Es geht um einen Dieb, der in einer Fantasywelt dazu verdonnert wird, eine Prinzessin vor einem möglichen Attentat zu verstecken. Die beiden können sich zunächst nicht leiden und finden am Ende doch zueinander. Was sich jetzt erst mal wie eine kitschige Fantasyromanze anhört, lebt von einem Humor, der ganz sicher von einem meiner Lieblingsautoren Terry Pratchett inspiriert ist. Und das ist auch das Besondere an der Geschichte: Sie ist humoristisch-ironisch und das ist in meinem Gesamtwerk eine  Ausnahme. Von den etwa 70 bisher veröffentlichten Kurzgeschichten besitzen nur eine Handvoll einen ironischen Unterton. Ich bin eben ein ernster Mensch …;-)

Michael Schmidt: Deine Seite heißt nicht umsonst http://www.kritzelkunst.de/. Wo erscheinen deine Bilder und hast du welche, die dir persönlich besonders gut gefallen haben?

Detlef Klewer:  Meine Illustrationen erscheinen in Büchern diverser Verlage oder manchmal auch in Veröffentlichungen von Selfpublishern. Ebenso die Coverdesigns. Und wie das bei den meisten Künstlern so ist, gefällt mir immer meine letzte Arbeit am Besten. Kurzfristig, denn in älteren Werken entdecke ich immer wieder Dinge, die ich hätte besser machen können. Besonders stolz bin ich aber auf den Comic „Auf den Spuren H.P. Lovecrafts Band 3“, der 2017 im Torsten Low-Verlag erschienen ist. Da konnte ich meine eigene Geschichte zeichnerisch umsetzen und mit Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser zusammenarbeiten, die ja für die Vincent-Preis-Gemeinde auch keine Unbekannten sind. Und nicht nur, dass ich hier nach langer Zeit wieder einmal einen Horrorcomic zeichnen durfte, er erhielt auch die Publikumspreise „Goldener Stephan“ und den „RPC-Award“ auf der Roleplay-Convention in Köln.


Michael Schmidt: Entstehen deine Bilder am Computer oder arbeitest du auch noch ganz klassisch? Wie gehst du bei der Erschaffung eines neuen Kunstwerkes vor?

Detlef Klewer: Das ist unterschiedlich. Meine Cover sind nahezu ausnahmslos Collagen, die am Computer entstehen. Die Illustrationen und Comics hingegen sind Handarbeit. Ganz klassisch mit Bleistift, Tusche und/oder Aquarell. Auch meine Herangehensweise ist sehr klassisch. Bei neuen Werken versuche ich zunächst die Essenz des Abzubildenden herauszufiltern, dann entstehen Ideen dazu und erste Skizzen, die ich dann entsprechend umsetze. Dabei ist die besondere Herausforderung immer den Inhalt auf den Punkt zu bringen, ohne zu viel davon zu verraten.



Michael Schmidt: Du bist auch als Herausgeber tätig. Berichte doch mal und vielleicht kannst du uns das ein oder andere Buch anpreisen?

Detlef Klewer: Ja, seit 2015 bin ich auch als Herausgeber tätig. Bevorzugt im Horrorgenre. Im Sommer wird meine zehnte Anthologie erscheinen. Begonnen hat alles bei einem Verlag, dessen Namen ich hier nicht nennen will, da er sich in eine  Richtung entwickelt hat, für die ich nicht werben möchte. Hier übernahm ich eine bereits von Daniel Schenkel vorbereitete „Tribute to Lovecraft“-Anthologie. Es folgten die „bösen Clowns“, eine Anthologie die übrigens jene Clowns-Geschichte von Thomas Williams enthält, die hier 2016 beim Vincent-Preis den 2.Platz belegen konnte. Und im Laufe der Arbeit daran merkte ich dann, dass es mir großen Spaß bereitet Themenanthologien zu entwickeln, die eingesandten Geschichten zu lesen, die meiner Meinung nach besten auszuwählen, und dann mit den Autoren daran zu arbeiten, damit es ein tolles Projekt für alle wird. Dazu gehört auch, dass ich alle meine Anthologien illustriere. Jede Story bekommt ihre eigene Illustration. Besonders hervorheben möchte ich zwei Anthologien, auf die ich besonders stolz bin. Das ist zum einen die im Burgenwelt-Verlag publizierte Mittelalter-Horror-Sammlung „Auf düsteren Wegen“ und die jüngst beim Eridanus-Verlag herausgebrachte, außergewöhnliche SF-Anthologie „AlienEroticon“, die auch für Horror-Freunde sehr interessant sein dürfte. Und dann wartet da ja auch noch das „Biomechanomicon“, eine „Lovecraft-in-space“-Sammlung, die im Laufe des Jahres erscheinen und farbige Illustrationen enthalten wird.



Michael Schmidt: Wie würdest du dich als Autor charakterisieren und welche Geschichten sollte ein interessierter Leser sich zu Gemüte führen?

Detlef Klewer: Ich bin ein sehr experimentierfreudiger Autor. Daher habe ich mich auch schon in vielen verschiedenen Phantastikgenres versucht und veröffentlicht. Besonders wichtig ist mir dabei die Originalität des Werks. Nichts ist schlimmer, als die Leser mit Altbekanntem zu langweilen. Meine Geschichten zu lesen ist sofern schwierig, da es sie bisher nur einzeln in Anthologien diverser Verlage gibt. Eine Übersicht gibt es aber auf meiner Internetseite. Allerdings liegt in meiner Schublade seit Jahren ein fertiges Manuskript mit dem Titel „Wer ist Cthulhu, Mr. Lovecraft?“, dass ich von Zeit zu Zeit heraushole, um es zu überarbeiten. In diesem Jahr will ich es aber endlich loslassen und entsprechenden Verlagen anbieten.

Michael Schmidt: Illustrator, Autor, Herausgeber. Welche deiner Inkarnationen ist dir am wichtigsten?

Detlef Klewer: Am wichtigsten ist mir sicher die des Illustrators. Das war schon immer meine Leidenschaft und mein ursprünglicher Plan war ein Kunststudium aufzunehmen. Widrigen Lebensumständen geschuldet wurde daraus nichts, aber es gab einen Plan B und ich war dann auch beruflich kreativ tätig. Wenn auch eingeschränkt. Als sich 2004 die unverhoffte Chance bot, meinen Traum zu verwirklichen und mich als Illustrator und Designer selbstständig zu machen, habe ich die mit Unterstützung meiner Frau ergriffen.

Michael Schmidt: SF, Horror, Fantasy oder etwas ganz anderes. Welches sind deine liebsten Genres?

Detlef Klewer: Die große Liebe ist eindeutig der Horror. Sowohl literarisch, als auch filmisch. Dicht gefolgt von der SF, die selbstverständlich durch Perry Rhodan initiiert wurde. Man sieht, dass meine Wurzeln sehr trivial sind … ;-) … und durch die damals so genannten „Groschenromane“ geprägt wurden … Erst danach kam Tolkien und die Fantasy. Und inzwischen ist auch noch der Steampunk hinzugekommen.

Michael Schmidt: Ein letztes Wort an die Vincent Preis Gemeinde!

Detlef Klewer: Zuerst einmal finde ich es großartig, dass es so etwas wie den Vincent-Preis gibt. Denn da wird einem ansonsten immer noch gern übel beleumdeten Genre der gebührende Platz eingeräumt. Ich freue mich daher besonders, mit meiner Nominierung nun Teil dieser Gemeinde zu sein. Vielen Dank dafür!


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Fehlende Werke!

Da erfahrungsgemäß die meisten Stimmen für den  Vincent Preis 2019  ab Januar eintrudeln, sollten fehlende Werke zügig gemeldet werden.