Donnerstag, 17. Januar 2013

Interview mit Tim Svart

Vincent Preis: Hallo Tim Svart. Stell dich den Lesern doch mal kurz vor!

Tim Svart: Ich bin 36 Jahre alt, verheiratet und Vater einer kleinen Tochter. Das Schreiben muss sich in meinem Leben leider hinter meinem tatsächlichen Beruf einreihen, hat durch die neuen Möglichkeiten des Selfpublishing aber erheblich an Bedeutung gewonnen.

Vincent Preis: Das Schloss ist ein Psycho-Thriller mit Horrorelementen und war auf Platz 1 der Amazon Horror Besteller Charts. Überrascht über den Erfolg?

Tim Svart: Klar bin ich überrascht. Mit jedem Text, den du veröffentlichst, hoffst du natürlich auf einen „Volltreffer“. Und selbstverständlich tust du immer wieder dein Möglichstes, ein Werk nach vorne zu bringen, es auf den Radar des Lesers zu befördern. Nur ist das in der Masse der Neuerscheinungen, und da meine ich sowohl die Welt der Indie-Writer als auch die der Verlagswerke, zunehmend schwieriger.

Um aber auf deine eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Natürlich habe ich wie jeder Autor auf einen Erfolg meines Buches gehofft. Dass er so schnell und so gewaltig kam, dass das Buch über 2 Monate lang die Horror-Charts bei Amazon anführt und es sogar in die KINDLE-Top-10 schafft, hat mich dann allerdings doch ziemlich umgehauen. Aber ich freue mich noch immer wahnsinnig darüber.

Vincent Preis: Worum geht es in dem Buch?

Tim Svart: Wie der Name des Buches ja vermuten lässt, steht ein Schloss im Mittelpunkt der Handlung. Es handelt sich um ein verlassenes Gemäuer, das auf eine unheimliche Vergangenheit zurückblickt und zahlreiche blutige Geheimnisse birgt. Der eigentliche Plot konzentriert sich allerdings auf die Gegenwart. Insgesamt gibt es drei Handlungsstränge, die im Laufe der Geschichte in eben jenem Schloss zusammenlaufen.

Kid und sein Bruder Adam sind die eigentlichen Hauptakteure des Buches, auch wenn sie nicht unbedingt den größten Szenenanteil haben. Jeder von beiden ist auf seine Weise äußerst psychopathisch veranlagt, auch wenn sie beide in ihrer Art aber vollkommen verschieden sind.

In jedem Fall geht es im Schloss recht blutig zu und nicht jeder der Beteiligten wird die Nacht hinter seinen Mauern überleben.



Vincent Preis: Das Buch ist als ebook erhältlich. Wann erscheint die gedruckte Version?

Tim Svart: Es gibt bereits eine Taschenbuchausgabe. Sie ist über Amazons Plattform „createspace“ und natürlich über Amazon direkt beziehbar.

Vincent Preis: Das Buch erscheint in einem Selbstverlag. Warum?

Tim Svart: Um ehrlich zu sein, habe ich mich bisher noch nicht darum bemüht, einen Verlag für einen meiner Texte zu finden. Ausnahmen sind ein paar Kurzgeschichten, die ich in der Vergangenheit zu der einen oder anderen Anthologie-Ausschreibung eingereicht habe. Zwar hatte ich schon immer ein Faible fürs Schreiben unheimlicher Geschichten, aber meistens leider viel zu wenig Zeit, meine Ideen umzusetzen. Und die wenige Zeit wollte ich nicht damit verbringen, mich in einen Verlagsmarathon mit äußerst ungewissem Ausgang zu stürzen. Also habe ich zunächst einfach nur der Geschichten wegen geschrieben. Im Endeffekt für die Schublade, was der Motivation allerdings nicht unbedingt zuträglich ist. Als Amazon KDP ins Leben rief, war das eine Chance, meine Texte auch anderen zugänglich zu machen. Die vielen positiven Rückmeldungen haben meinen Spaß am Schreiben dann weiter gesteigert.

Vincent Preis: Die vorherrschende Meinung lautet, ebooks der Selfpublisher sind es nicht einmal Wert, umsonst heruntergeladen zu werden. Was würdest du dem entgegnen und liest du ebooks deiner Self Publisher Kollegen?

Tim Svart: Dieser Aussage würde ich die zahlreichen positiven Rezensionen zu Büchern der Selfpublisher entgegenhalten. Ganz zu schweigen von den TOP-Platzierungen in den KINDLE-Bestseller Listen. Indie-Autoren haben schon sehr vielen Menschen tolle Lesestunden beschert. Ohne einen Verlag im Rücken. Ich war regelrecht überwältigt von der Menge guten und hilfreichen Feedbacks zu meinen Texten. Viele Leser haben sich sogar signierte Exemplare der Printversionen gewünscht. Für derartige Erfahrungen bin ich meinen Lesern sehr dankbar.

Die Leser entscheiden selbständig und beantworten diese Frage mit dem Kauf der Bücher. Übrigens bin ich überzeugt davon, dass sich viele Bücher von Selfpublishern besser verkaufen, als so manches Verlagswerk. Lange Zeit haben die Verlage über die Indie-Szene geschmunzelt, aber seitdem ein Autor nicht mehr hunderte seiner Bücher im Keller einlagern muss, hat sich das Blatt deutlich zu unseren Gunsten gewendet. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir im deutschsprachigen Raum noch immer am Anfang dieser Entwicklung stehen.

Vincent Preis: Wer macht bei einem selbstverlegtem Buch eigentlich Lektorat, Korrektorat, Titelbild, Layout und Werbung?

Tim Svart: Ich glaube nicht, dass man diese Frage allgemeingültig beantworten kann. Grundsätzlich muss ich mich als Autor um all diese Dinge kümmern. Was jeder Einzelne im konkreten Fall letztlich selber macht, hängt natürlich von den persönlichen Neigungen und Fähigkeiten ab. Ich zum Beispiel gestalte meine Cover selbst, greife dabei aber auf Fotomaterial professioneller Datenbanken zurück, da die riesige Auswahl ganz andere Möglichkeiten bietet, als das eigene Fotoarchiv.

Lektorat und Korrektorat sind ein anderes Thema. Gerade am Anfang sind es in erster Linie Freunde und Bekannte, die man auf Fehlersuche schickt. Abgesehen davon gehe ich jeden Text unzählige Male selbst durch. Allerdings besteht bei einem Korrektorat in ausschließlicher Eigenregie immer die Gefahr, „betriebsblind“ zu werden und das eine oder andere doch zu übersehen. Außerdem freue ich mich, Kontakte zu Lesern, Bloggern und anderen Indie-Autoren zu haben, deren Feedback mir wichtig ist.

Werbung ist ein Thema, das ich während meiner ersten Gehversuche völlig vernachlässigt habe. Ich habe meine Texte einfach hochgeladen und abgewartet, was passiert. Je mehr Kontakte ich allerdings mit anderen Autoren geknüpft habe, desto mehr habe ich eingesehen, dass man an einigen Medien bzw. Netzwerken nicht vorbeikommt. Gerade Facebook bietet nach meiner persönlichen Erfahrung unglaubliche Möglichkeiten, Kontakte zu Lesern, Bloggern und anderen Autoren zu knüpfen.

Zu Büchern anderer Indies: Wenn es meine Zeit zulässt, lese ich sehr gerne die Werke anderer Indie-Autoren. In erster Linie, wenn sie mich aus einem bestimmten Grund interessieren. Das muss nicht immer die Geschichte selbst sein, sondern es kann auch das Interesse am Werdegang des Autors oder an seinen Marketingstrategien sein.

Vincent Preis: Welchem weiteren Werke gibt es aus deiner Feder?

Tim Svart: Neben dem „Schloss“ gibt es derzeit eine Reihe von Kurzgeschichten, die teilweise auch einzeln erhältlich sind. Sieben davon sind in der Kurzgeschichtensammlung „Tödliche Nächte – Wenn der Tag geht, kommt der Tod“ (0,99 EUR) zusammengefasst, die übrigens immerhin kurzzeitig auf Platz 1 der KINDLE-Kurzgeschichten-Charts stand. Außerdem gibt es die Kurzgeschichte „Musik der Finsternis (A tribute to H. P. Lovecraft)“. Sie basiert auf der Geschichte „Die Musik des Erich Zann“, ist aber weitgehend eigenständig. Die Idee war, diese klassische Lovecraft-Geschichte neu zu erzählen und ihr auf diese Weise neues Leben einzuhauchen. Mehr über diese Idee habe ich in dem der Geschichte beigefügten Interview erzählt.

Vincent Preis: Und was ist in Zukunft geplant?

Tim Svart: Pläne gibt es viele. Kreative Schaffenspausen sind also nicht auf mangelnde Ideen, sondern – wie schon erwähnt – auf den Faktor Zeit zurückzuführen. Trotzdem glaube ich, dass 2013 ein spannendes Jahr werden könnte. Einerseits gibt es durchaus die eine oder andere Idee für eine längere Erzählung. Außerdem würde ich in diesem Jahr gerne eine neue Kurzgeschichtensammlung veröffentlichen. Das dürfte vermutlich aber eher gegen Jahresende realistisch sein. Zudem bin ich derzeit mit zwei Anthologie-Projekten in Kontakt, in denen möglicherweise eine Kurzgeschichte von mir auftauchen wird. Außerdem könnte es noch eine Überraschung aus dem Hörspielbereich geben, zu der ich allerdings noch nichts sagen kann, da noch keine Verträge unterzeichnet sind. Du siehst, es gibt noch wenig Definitives (das Jahr ist ja auch noch jung), aber es könnte einiges passieren.

Vincent Preis: Was liest du selbst für Geschichten? Welche Autoren schätzt du?

Tim Svart: Selbstverständlich lese ich am liebsten Bücher aus den Bereichen Horror und Thriller. Meine ersten Berührungspunkte mit dem Horror-Genre verdanke ich Jason Dark und seinem berühmten John Sinclair. Dann stieß ich auf Stephen King. Für mich persönlich schwebt er als Autor und Geschichtenerzähler über allem. Auch wenn man einzelne seiner Werke vielleicht nicht mag oder dem einen oder anderen sein Stil zu langatmig ist: Er ist ein brillanter Erzähler und sein ausschweifender Stil verleiht den Erzählungen unglaubliche Tiefe. Ich verfolge aber zum Beispiel auch die Pendergast-Reihe von Preston und Child oder die Thriller um Harry Hole von Jo Nesbo. Richard Laymon ist im Horrorbereich sicherlich ganz weit vorne und ich würde sagen, von den hier genannten kommt „Das Schloss“ seinem Stil am nächsten. Unter den Klassikern mag ich vor allem Lovecraft. Seine Texte sind manchmal etwas anstrengend, aber man muss sie im Kontext der Zeit sehen, in der sie entstanden sind. Und da waren sie meiner Meinung nach absolut wegweisend. Es gibt noch eine Reihe anderer Autoren, deren Erzählkünste ich in hohem Maße schätze, aber ich denke, die hier genannten repräsentieren meinen Geschmack recht gut.

Vincent Preis: Wie beurteilst du die deutsche Horrorszene?

Tim Svart: Ich glaube, dass die deutsche Horrorszene unterschätzt wird. Es gibt eine Reihe vielversprechender Autoren, die – mit den richtigen Mitteln unterstützt – den angelsächsischen Autoren nicht nachstehen müssten und auch ähnlich erfolgreich sein könnten. Leider verstehen es insbesondere die Amerikaner noch immer erheblich besser, uns ihre Werke zu verkaufen, als umgekehrt. Warum sollte eine Geschichte per Definition besser sein, nur weil sie im Original von einem englischsprachigen Autor verfasst wurde? Ich finde diese Einstellung schade und kann sie nicht wirklich nachvollziehen. Aber ich denke, auch hier leistet die Indie-Szene einen wertvollen Beitrag. Denn viele der Geschichten, die von den Lesern begeistert aufgenommen wurden, hätten ohne die neuen Möglichkeiten des Selfpublishing nie das Zimmer verlassen, in dem sie geschrieben wurden.

Vincent Preis: Was fehlt der deutschen Horrorszene?

Tim Svart: Menschen, die aufgrund ihrer Stellung in der Szene die Möglichkeiten haben, gute Geschichten zu fördern und vielleicht auch ins Ausland zu vermarkten. Es gibt diese Einzelkämpfer, aber es sind nicht genug. Ich denke, der Stoff, den die deutsche Szene hervorbringt, ist besser als sein Ruf. Vielen Dank an alle Leser, die sich vorbehaltlos auf unsere Texte einlassen.



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