Montag, 13. September 2010

Interview mit Torsten Low

Vincent-Preis: Lieber Torsten, würdest du dich und deinen Verlag mal kurz vorstellen?

Torsten Low: Gerne.
Der Verlag Torsten Low wurde von mir und meiner Frau als Verlag mit dem Schwerpunkt Phantastik gegründet. Ursprünglich als reiner Selbstverlag gedacht, wandelte sich der Verlag in den letzten Jahren.
Während der Fantasy-Zyklus »Dunkel über Daingistan« noch als Kleinstauflage in Handarbeit konzipiert war, geht der Verlag seit der Veröffentlichung der Anthologie »Lichtbringer« neue Wege.
»Fair verlegen« ist unser Motto – auch wenn diese Entscheidung anfangs nicht leicht fiel.
2007 war für uns der Scheideweg. Wir hatten tatsächlich einen Moment lang darüber nachgedacht, ob wir einen Teil der Druckkosten über die Autoren finanzieren und unser Risiko dadurch minimieren wollen. Aber wir haben uns dagegen entschieden. Und wir sind stolz auf diese Entscheidung. Der andere Weg wäre wahrscheinlich der leichtere gewesen, aber unseren Weg finde ich befriedigender und erfüllender. Ich stehe hinter jedem Projekt, welches in meinem Verlag erscheint.


Vincent-Preis: Die Anthologie »Metamorphosen« wurde dreimal für den Vincent-Preis nominiert. Man kann sagen, das erste Horrorbuch aus deinem Verlag hat voll eingeschlagen. Was bedeuten dir diese Nominierungen?

Torsten Low: Nun, die Nominierung für den Vincent Preis und auch jene für den Deutschen Phantastik Preis macht mich sehr glücklich. Es zeigt mir, dass unsere »Metamorphosen« eine interessierte Leserschaft gefunden hat – und es würde mich freuen, wenn noch mehr sich von den Verwandlungen faszinieren lassen.
Die Nominierung zeigt mir auch, dass ich endgültig das Image des Selbstverlegers abgelegt habe und in die Riege der ernsthaften Klein- und Kleinstverleger aufgestiegen bin.
Man könnte fast sagen, auch der Verlag hat eine Metamorphose hinter sich.

Vincent-Preis: Wie kam es zu dem Buch Metamorphosen?

Torsten Low: Das ist eigentlich eine recht lustige Geschichte. Du gestattest doch, dass ich etwas länger aushole.
Die Wende 1989/1990 brachte für mich die Möglichkeit an Literatur zu kommen, die ich vorher nicht gekannt habe. Horror & Fantasy.
Ich stolperte recht schnell über Wolfgang Hohlbeins »Hexer von Salem« und stellte fest, dass es hinter diesen Heftchen noch mehr gab. So kam ich irgendwann zu Lovecraft. Und ich liebte es. Ich liebte den Mythos, liebte Cthulhu und die Großen Alten und ihre Dienerkreaturen, liebte seine Art, Grauen zu erzeugen ohne den Schrecken bis ins Detail zu beschreiben. Seitdem habe ich fast alles in Buchform erstanden, worauf Cthulhu oder H.P. draufgedruckt ist.
Jahre später bekam ich eine Mail von Nina Horvath, die mir ein Projekt vorschlug. Das eigentlich fertige Geschichtenweber-Projekt Metamorphosen, dem nur noch der Verlag fehlte.
Sie konnte nicht wissen, dass sie bei mir offene Türen einrannte.
Natürlich wollte ich das Projekt sehen. Und die Geschichten begeisterten mich. Vor allem die Vielfalt der Ideen und die unterschiedlichen Stile.
Ich konnte eigentlich nur zusagen.
Vincent-Preis: Nächstes Jahr soll ein Nachfolgeband erscheinen. Was hat es damit auf sich und was erhoffst du dir?

Torsten Low: Natürlich haben die Geschichtenweber mit den Metamorphosen noch nicht alle Aspekte des Cthulhu-Mythos beleuchtet. Das Herausgeberteam und ich glauben, es gibt noch so viele Ideen, die tief in uns begraben sind und darauf warten, erweckt zu werden. »Sie finden das Grauen« ist der Arbeitstitel dieser neuen Ausschreibung – und ich glaube, die Autoren werden den Leser ins Grauen entführen.
Was ich mir davon erhoffe? Ein weiteres Buch aus meinem Verlag, das man gerne liest und über das man gerne spricht. Ein Buch, von dem die Leser sagen: »Das hat mir gut gefallen.«
Wenn ich solche Reaktionen auf Conventions sehe und im Internet lese, dann sage ich mir, ich habe meine Arbeit gut gemacht.
Natürlich erhoffe ich mir, dass das Buch auch finanziell ein Erfolg wird. Denn ich würde gerne auch weiterhin gute Geschichten auf den Spuren H. P. Lovecrafts lesen – und natürlich auch selber herausbringen.

Vincent-Preis: Was denkst du, was macht den speziellen Reiz von Lovecraftgeschichten aus?

Torsten Low: Ich weiß nicht, wie es den anderen Lesern geht. Bei mir ist es der ganze Mythos an sich. Diese vielen Details, die alle ineinandergreifen und die manchen Leser vielleicht sogar daran glauben lassen könnten, dass manches davon vielleicht existiert. R’lyeh, Y’ha-nthlei, das Necronomicon, die Großen Alten, die Shoggothen und was es da nicht alles gibt.
Und was mich an Lovecrafts Geschichten selbst fasziniert hat, ist seine Art zu schreiben. Grauen ist nicht das, was man sieht oder was man lesen kann. Das wahre Grauen spielt sich im Kopf ab.

Vincent-Preis: Angekündigt ist auch ein Roman. »Im Zentrum der Spirale« von Cecille Ravencraft. Kannst du uns was über die Autorin sagen?

Torsten Low: Cecille Ravencraft ist das Pseudonym einer deutschen Autorin aus Bielefeld und wurde ihr quasi von Schock-Rocker Alice Cooper in dessen Radiosendung verliehen.
Der Roman wurde bereits auf englisch veröffentlicht. Als ich die Leseprobe auf meinem Schreibtisch hatte, wusste ich: »Das Buch musst du veröffentlichen. Unbedingt!«
Vincent-Preis: Worin geht es in dem Roman und wann erscheint er?

Torsten Low: Jeder von uns kennt doch das Märchen von Hänsel und Gretel. Ihr müsst zugeben, die Hexe war eine Kannibalin. Sie mästete Hänsel, um ihn zu fressen.
Nun – »Im Zentrum der Spirale« geht es ebenfalls um Kannibalen. Allerdings haben die ihr »Knusperhäuschen« mitten unter den normalen Menschen der heutigen Zeit aufgebaut – und sie sind hungrig.
Erscheinen wird das Buch noch im September – genauer gesagt kann es erstmalig auf der Elf Fantasy Fair in Arcen am 18. und 19. September erworben werden. Und ab dem 20. September beginnt die Auslieferung in Deutschland.

Vincent-Preis: Sind noch weitere Neuerscheinungen für dieses und nächstes Jahr geplant?

Torsten Low: Nun, eigentlich würde ich dieses Jahr noch gerne zwei Romane herausbringen. Beides Vampirromane. Der eine Roman wird wohl eher für die Freunde der »Biss«-Romane interessant sein. Der andere erlaubt den Lesern einen sehr interessanten Blick in die Gesellschaftsstruktur der Vampire – und Rüschenhemden sind out.
Aber die Verwirklichung beider Projekte hängt natürlich sowohl an der Zeit, als auch am Geld.
Und mit unserem »Story-To-Go«-Projekt, welches quasi in den Startlöchern steckt, werden wir Phantastik für den kleinen Geldbeutel herausbringen. In Arcen starten wir damit einen Testlauf. Dann wird es in den nächsten Wochen einen kleinen Videoclip und ein paar mehr Informationen darüber geben und schon auf dem BuCon wird die »Story-To-Go« hoffentlich dauerhaft mit zu unserem Programm gehören.
Auch für nächstes Jahr ist schon wieder einiges geplant. Ich könnte mir vorstellen, dass der »Metamorphosen«-Nachfolger bis Oktober 2011 fertig wird. Ein weiteres phantastisches Kurzgeschichten-Projekt mit Fabienne Siegmund ist in Vorbereitung und ich habe natürlich auch noch den einen oder anderen erfolgversprechenden Roman auf meinem Tisch herumliegen. Da möchte ich jetzt aus verständlichen Gründen noch nicht so genau ins Detail gehen.
Ich kann Euch aber versichern – es bleibt interessant.


Vielen Dank für das Interview.
Jetzt beschäftige ich mich aber erst einmal wieder mit den Manuskripten. Gibt hoffentlich heut keine Störung mehr.
Was ist das für ein Geräusch?
Hat sich der Schrank gerade bewegt?
Ist das ein Tentakel?
Oh mein Go...

Iä! Iä! Cthulhu fhtagn!

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