Montag, 16. April 2012

Interview mit Erik Hauser

Vincent Preis: Lieber Erik, Glückwunsch zunächst zur Nominierung deiner Geschichte ODEM DES TODES in der Kategorie Beste Horror-Kurzgeschichte 2011. Würdest du dich den Lesern bitte zunächst einmal vorstellen?

Erik Hauser: Ich bin der nette Typ von nebenan, der heimlich unheimliche Geschichten schreibt. Wenn das herauskommt und die Nachbarn es erfahren – nicht auszudenken!

VP: ODEM DES TODES erschien in der gleichnamigen Edgar Allan Poe-inspirierten Anthologie von Alisha Bionda. Dort werden nicht nur Poesche Themen geboten, sondern Edgar Allan Poe tritt auch in persona in den Geschichten auf. Was hat dich an diesem Konzept gereizt?

EH: Das ist eine merkwürdige Geschichte. Zunächst einmal ist Alisha Bionda mit der Idee an mich herangetreten, einen Beitrag zu einer Anthologie zu liefern, in dem Poe als Held einer Poesken Geschichte auftreten sollte. Der Titel der Antho stand schon fest: ODEM DES TODES. Es gab aber keine Geschichte mit dem Titel in dem Band. Also hab ich mich hingesetzt und überlegt – und der Titel ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Am Ende habe ich dann einen viel zu langen Beitrag abgeliefert und verschämt angefragt, ob man den auch noch „Odem des Todes“ betiteln könnte, weil das am besten passe. Alisha hat mir dieses Unterschieben einer Titelstory verziehen und die Geschichte genau so gebracht. Geplant war das aber anfangs nicht ...

VP: Inwieweit hast du dich für diese Geschichte mit dem Leben und Werk Edgar Allan Poes beschäftigt und warum hast du speziell den Tod seines Bruders William Henry Leonard thematisiert (wie übrigens einige andere Kollegen auch)?


EH: Ich war ja lange Jahre Lehrbeauftragter am Anglistischen Seminar der Universität Heidelberg und habe als solcher Poe und die Phantastik in etlichen Seminaren behandelt. Von daher war mir Leben und Werk Poes schon lange vertraut. Die Beziehung zwischen den beiden ungleichen und doch so ähnlichen Brüdern ist offensichtlich nicht nur für mich faszinierend: es liegt ein Hauch des Geheimnisvollen darüber, was das Schicksal des älteren Bruders angeht, und in diese Leerstelle hinein kann man als Autor wunderbar fabulieren.

VP: In ODEM DES TODES erzählst du eigentlich zwei Geschichten. War das von Anfang an deine Absicht?

EH: Ja, nicht alles, was ich tue, ist so völlig das Ergebnis eines Zufalls, wie die Mutation eines einfachen Anthologiebeitrags zur Titelstory. Von Anfang an wollte ich in „Odem des Todes“ zwei Wirklichkeiten haben – die von Edgar Allan und die erdichtete des älteren Bruders Henry -; und beide sollten sich gegenseitig ergänzen bzw. in Frage stellen. Das Spiel mit der Wirklichkeit und die Täuschung war mir eines der Hauptanliegen der Story.

VP: Noch immer gilt Edgar Allan Poe neben Lovecraft als der einflussreichste Horrorautor, dessen Geschichten auch heute noch Bestand haben. Was macht in deinen Augen die Faszination an Poes Werk aus?

EH: Poe war ein unglaublich erfindungsreicher Kopf. Er hat nicht nur die Phantastik von ihren schauerromantischen Anfängen befreit und psychologisiert, er hat auch die moderne Detektivgeschichte erfunden und sogar frühe Science Fiction geschrieben. Eines seiner Markenzeichen war zweifellos die Verbindung von Rationalität und Irrationalität, die in seinen Werken eine prekäre Balance eingehen. Dass er es geschafft hat, zwei an sich widersprüchliche Bereiche so zu vereinigen – das finde ich unglaublich spannend.

VP: Du bist nicht nur Autor, sondern auch Übersetzer (TERRA INFERNALIS, Waldgut-Verlag) und selbst Herausgeber vor allem klassischer Phantastik für Liebhaber (BERÜHRUNGEN DES TODES, Festa-Verlag, ALS ICH TOT WAR 1 und 2, Blitz-Verlag). Sind weitere Anthologien dieser Art zu erwarten?

EH: Zur Zeit arbeiten Frank Rainer Scheck und ich an der Fertigstellung des Pendants zu ALS ICH TOT WAR; AUT DIABOLUS AUT NIHIL soll Ende dieses oder Anfang nächsten Jahres erscheinen und bringt amerikanische ‚dekadente’ Horrorgeschichten aus der Zeit um die Jahrhundertwende. Eigentlich hätte der Doppelband schon vor Jahren erscheinen sollen, aber die (finanziellen und anderen) Unabwägbarkeiten des Kleinverlaggeschäfts haben das bislang verhindert.

VP: Du bist Lehrer in Mannheim und Lehrbeauftragter in Heidelberg. Wissen deine Schüler/Studenten von deiner Tätigkeit als Autor und wie sind denn die Reaktionen?

EH: Ich sitze oft in Freistunden und Pausen in der Schulmensa und tippe meine Geschichten auf meinen Laptop. Auch „Odem des Todes“ ist so entstanden. Die Schüler haben schon mitgekriegt, dass ich irgend so ein Zeug schreibe. Die meisten halten mich aber für einen harmlosen Spinner.

VP: Was dürfen wir als nächstes von dir lesen?

EH: Für Alisha Biondas demnächst erscheinende Steampunk-Erotik-Anthologie (Anm. VP: STEAMPUNK EROTICS, Fabylon-Verlag, Jun 2012) habe ich einen Beitrag geschrieben, „Der Ritt auf der Maschine“. Ich persönlich finde die Geschichte – in der auf den letzten zwanzig Seiten der Orgasmus einer Frau geschildert wird (eine echte tour de force) – nicht schlechter als „Odem des Todes“, auf jeden Fall aber genauso lang.

VP: Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg beim VINCENT 2011.

EH: Ich bedanke mich – für das Interview und die Nominierung zum Vincent-Preis 2011.

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