Dienstag, 22. Juni 2010

Interview mit Sebastian Fitzek

Vincent-Preis: Lieber Sebastian Fitzek. Zunächst herzlichen Glückwunsch zur Nominierung zum Vincent-Preis 2009, und herzlichen Dank für die Bereitschaft zu diesem kleinen Interview..
Den Namen Sebastian Fitzek kennen wohl die meisten aus dem Bestsellerregal, doch wer verbirgt sich hinter dem Namen Sebastian Fitzek?
SF: Ein Typ, der auf den ersten Blick ganz harmlos wirkt, wie ein Blick in meine Bildergalerie unter www.sebastianfitzek.de verrät. Auf jeden Fall sehe ich nicht wie ein typischer Psychothriller-Autor aus, wie mir viele Journalisten und Leser bislang bestätigt haben – aber das nehme ich als Kompliment, denn wer will schon wie ein Psychothriller-Autor aussehen? ;)
VP: Kannst du uns in eigenen Worten schildern, worum es in SPLITTER geht?
SF: Marc Lucas hat bei einem selbstverschuldeten Unfall seine schwangere Frau verloren. Völlig am Boden zerstört erfährt er von einem psychiatrischen Experiment, bei dem es darum geht, Menschen, mit besonders traumatischen Erfahrungen, ihre negativen Erinnerungen zu nehmen. Marc Lucas meldet sich an, doch schon nach den ersten Probeuntersuchungen zersplittert sein Leben – sein Name steht nicht mehr auf dem Klingelschild seiner Wohnungstür, sein Schlüssel passt nicht mehr und als sich die Tür öffnet schaut er seinem größten Albtraum ins Gesicht.
VP: SPLITTER ist als bester Horror-Roman 2009 nominiert und doch ist SPLITTER nicht gerade klassische Gruselkost. Ein schönes Beispiel, dass Genregrenzen fließend sind. Kann man SPLITTER aus deiner Sicht klassifizieren?
SF: Nein, vermutlich nicht und das ist ja auch ganz schön, dass mein Buch auf den Nachttisch aber in keine Schublade passt. ;) „Realer Psycho-Horror“ würde es vielleicht treffen.
VP: Auf deine Webseite gibst du als Inspiration wissenschaftliche Erkenntnisse der Hirnforschung an. Beim der Lektüre musste ich stellenweise an Hitchcock, Kafka und die Philip K. Dick-Verfilmung TOTAL RECALL denken. Was hat dich inspiriert, den Roman so aufzuziehen, wie er nun ist?
SF: Die meisten Amnesie-Romane handeln ja davon, dass ein Held krampfhaft seine Erinnerung wiederfinden will. Mich hat der umgekehrte Gedanke fasziniert, also dass jemand absichtlich sein Gedächtnis verlieren möchte – und die Tatsache, dass auf diesem Gebiet der künstlich erzeugten Amnesie tatsächlich intensiv geforscht wird.
VP: Gibt es Vorbilder für Marc Lucas (die Hauptfigur aus SPLITTER)?
SF: Nein, das ist eine fiktive Figur, obwohl mein Unterbewusstsein natürlich bei allen meinen Büchern als Co-Autor mitschreibt. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind daher vielleicht nicht zufällig, aber keinesfalls absichtlich.
VP: Du hast in SPLITTER einige Verweise auf weitere deiner Bücher eingebaut (DER SEELENBRECHER, DER AUGENSAMMLER). Wirst du diese Verzahnung weiter ausbauen oder bleibt das ein netter Insider-Spaß?
SF: Ich habe da keinen bestimmten Plan sondern das entwickelt sich beim Schreiben. Figuren, die mir besonders ans Herz gewachsen sind lasse ich in anderen Büchern gerne in Nebenrollen wieder aufleben. Aber nur, wenn es passt und nicht krampfhaft erzwungen.
VP: Dein neuer Roman DER AUGENSAMMLER ist jüngst erschienen. Worum geht es in dem Buch?
SF: DER AUGENSAMMLER spielt das älteste Kinderspiel der Welt – Verstecken, aber das auf eine Art, die gesamte Familien zerstört. Zuerst tötet er die Mutter, dann entführt er das Kind und gibt dem Vater 45 Stunden Zeit, es zu finden. Nach Ablauf des Ultimatums stirbt das Opfer automatisch in seinem Versteck. Bislang tappt die Polizei im Dunkeln und die einzige Zeugin ist blind …
VP: Kannst du uns etwas über zukünftige Projekte verraten?
SF: Die Recherche für die blinde Hauptfigur, Alina Gregoriev, hat mir so viele faszinierende Einblicke in die Welt der Blinden gegeben, dass ich mir gut vorstellen kann, eine Fortsetzung des Augensammlers zu schreiben, eventuell sogar eine Trilogie.
VP: Du bewegst dich bisher auf dem Terrain des Thrillers im weitesten Sinne. Reizt es dich, ein anderes Genre auszuprobieren?
SF: Wie oben schon angesprochen lote ich die Grenzen des Psychothriller-Genres ja mächtig aus – ich taste mich also schon in andere Bereiche (zum Beispiel den des Horrors) hinein. Sollte mir aber mal eine lustige Idee einfallen könnte ich mir gut und gerne auch eine Komödie vorstellen. Derzeit aber fasziniert mich die düstere Seite der Seele am meisten. Wieso auch immer …
VP: Herzlichen Dank für das Interview und viel Glück beim Vincent 2009.
SF: Ich habe zu danken!

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