Sonntag, 8. März 2020

Gard Spirlin (Interview)



Michael Schmidt: Hallo Gard, du bist mit Dann singe ich ein Lied für dich aus Zwielicht 13 für den Vincent Preis 2019 nominiert. Herzlichen Glückwunsch!


Gard Spirlin: Vielen Dank, es kam auch für mich überraschend und ich freue mich wahnsinnig darüber!



Michael Schmidt: Die meisten gestern bei der Verkündung kannten dich nicht. Stell dich doch mal vor!

Gard Spirlin: Ich bin Jahrgang 65, in Wien geboren, wo ich auch heute lebe und arbeite. 2013 habe ich begonnen, Geschichten zu schreiben, unter anderem auch, weil ich damit meinen Sohn zum Lesen animieren wollte. Aber natürlich keine Gruselgeschichten! Dann singe ich ein Lied für dich ist überhaupt die allererste Horror-Geschichte, die ich geschrieben habe.


Michael Schmidt: Worum geht es in Dann singe ich ein Lied für dich und was macht das Besondere dieser Geschichte aus?

Gard Spirlin: Die Geschichte handelt hier und jetzt, in einer beliebigen Stadt, alles passiert am helllichten Tag, mitten unter uns. Ein junger Mann stellt sich in einer Schlange an, um das neueste Smartphone gleich am groß angekündigten Erscheinungstag zu ergattern, weil er damit am Abend sein Date beeindrucken will. Doch da ist eine Bettlerin, die ihn um Geld bittet. Vergeblich, denn Tobias hat nichts übrig für die Verlierer der Gesellschaft. Ein schwerer Fehler von ihm, wie sich noch zeigen wird!


Die Story ist weniger der blanke Horror als eher in der Tradition der Geschichten von Roald Dahl. Oder auch der Gespenster-Comics aus den Siebzigern. Wer kennt noch den Satz „Seltsam? Aber so steht es geschrieben …“?


Michael Schmidt: Dann singe ich ein Lied für dich ist bestimmt nicht deine erste veröffentlichte Geschichte. Erzähl doch mal, was es von dir noch so zu lesen gibt!

Gard Spirlin: Begonnen hat alles mit einer Tech-SF-Story, RoboWrite, die in der Computerzeitschrift c't erschienen ist und sogar für den KurdLaßwitz Preis 2016 nominiert war. Seitdem konnte ich schon einige Kurzgeschichten in Anthologien verschiedener Verlage veröffentlichen. Außerdem habe ich mich auch als Sachbuchautor betätigt und Die Drei-Schritte-Methode veröffentlicht, einen Ratgeber, wie man sich mithilfe der E-Zigarette das Rauchen abgewöhnen kann. Das war mir ein Bedürfnis, weil ich dadurch seit über fünf Jahren endlich weg vom Glimmstängel und in weiterer Folge auch weg von der E-Zigarette bin. Das Büchlein habe ich allerdings unter meinem richtigen Namen, Gerhard Schneider, herausgegeben.


Alle Veröffentlichungen von mir finden sich natürlich auf meiner Website www.gard-spirlin.com oder auch auf Facebook.


Michael Schmidt: Hast du bisher nur Kurzgeschichten veröffentlicht und wie stehst du zum Roman?

Gard Spirlin: Nein, es gibt tatsächlich auch schon einen Roman von mir. Dazu muss ich vorausschicken, dass ich bekennender Doku-Junkie bin und dadurch eines Tages über eine Dokumentation stolperte, in der es um die archäologische Entdeckung einer kleinwüchsigen Urmenschenart auf einer indonesischen Insel ging. Manche der Einheimischen dort erzählen, dass es diese „Hobbits“ noch immer gäbe. Das faszinierte mich so sehr, dass ich Ebu Gogo schrieb, die spannende Geschichte einer Expedition in die Urwälder Sumatras.

Michael Schmidt: Wie viele Kurzgeschichten gibt es von dir und hast du persönliche Lieblinge und wenn ja, stell sie uns doch mal vor!


Gard Spirlin: Bisher sind etwa vierzehn Kurzgeschichten erschienen und als Autor hat man natürlich zu allen eine besondere Beziehung. Einer meiner persönlichen Favoriten ist aber sicher Juvenil Forte aus der SF-Anthologie Hauptsache gesund! herausgegeben von Ralf Boldt. Vor allem, weil sie eine sehr humorige Note hat. Auch meine zweite Horrorstory Die Ehre des Piraten aus Biomechanomicon mag ich sehr.

Michael Schmidt: Du schreibst nicht nur Horror. Hast du ein Lieblingsgenre?

Gard Spirlin: Ich versuche, mich nicht auf ein Genre einzuschränken. Neben Horror habe ich auch schon Kurzkrimis verfasst und ein größerer Anteil entfällt sicher auf Science-Fiction.

Michael Schmidt: Woran arbeitest du gerade?

Gard Spirlin: Derzeit arbeite ich an der Plotentwicklung für einen Tech-Thriller, der in der nahen Zukunft spielt. Es ist allerdings noch ungewiss, ob daraus tatsächlich ein Projekt wird. Na, mal sehen …


Michael Schmidt: Wie viele der Werke auf der Nominierungsliste des Vincent Preis 2019 kennst du?

Gard Spirlin: Ehrlich gesagt, außer Zwielicht 13 leider kein einziges. Ich komme aber auch nicht viel zum Lesen, weil ich lieber schreibe …

Michael Schmidt: Wie würdest du ganz allgemein die deutschsprachige Horrorszene beschreiben und gibt es AutorInnen, die du besonders schätzt?

Gard Spirlin: Aus dem vorher genanntem Grund muss ich leider bei dieser Frage passen.

Michael Schmidt: Was liest du selbst so?

Gard Spirlin: Wie gesagt, derzeit sehr wenig. Ich habe aber seit frühester Jugend unzählige Bücher verschlungen, Schwerpunkt auf Fantastik, also SF, Fantasy, Horror, aber auch gerne historische Romane oder auch geschichtliche Abhandlungen.

Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!

Gard Spirlin: Lest, Leute, lest! Bringt eure Partner, Freunde und Verwandten, vor allem aber eure Kinder und Enkel zum Lesen. Es kann ja nicht sein, dass wir demnächst nur mehr Icons und Emojis verstehen können – oder nur mehr Videos schauen. Wo bleibt denn da die Fantasie?

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