Mittwoch, 28. März 2012

Interview mit Bettina Ferbus

Vincent Preis: Liebe Bettina. Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zur Nominierung deiner Geschichte DAS DING als Beste Horror-Kurzgeschichte 2011. Einige werden deinen Namen nicht kennen. Würdest du dich bitte einmal kurz vorstellen?

Bettina Ferbus: Ich bin Jahrgang 1969 und habe nach dem Abschluss der Handelsakademie zweieinhalb Jahr im Büro gearbeitet. Oder sagen wir lieber, ich habe jeden Tag acht Stunden lang darauf gewartet, endlich zu den Pferden zu dürfen. Schließlich habe ich zum Entsetzen meiner Eltern den gut bezahlten Job hingeschmissen und bin in den Reitsport gewechselt. Als positiver Nebeneffekt wurde dadurch meine Kreativität angekurbelt und aus meinen gelegentlichen Ausflügen in die Schreiberei wurde eine regelmäßige Beschäftigung für den Feierabend.

VP: Deine Kurzvita verrät, dass du Reitlehrerin bist, der Protagonist deiner Geschichte DAS DING ist Wracktaucher. Das klingt, als wärst du selbst sehr abenteuerlustig.

BF: Ich treibe gerne Sport, bin aber nicht übermäßig risikofreudig. Besonders seit ich meine beiden Pferde im eigenen Stall halte bin ich vorsichtiger geworden. Es ist immer der Gedanke im Hinterkopf: Wer kümmert sich um meine Pferde, wenn mir was passiert.



VP: DAS DING handelt von einer Frau, die zur Gewissheit gelangt, dass ihr ungeborenes Baby etwas abgrundtief Böses und Unmenschliches ist. Was hat dich dazu inspiriert?

BF: Das ist so ziemlich die schwerste Frage für einen Autor. Ich persönlich sehe mir das Thema einer Ausschreibung an und lasse es dann erstmal gären. Das heißt, ich beschäftige mich mit etwas ganz anderem. Besonders bei körperlichen Tätigkeiten, die mich geistig nicht fordern – Ausmisten regt zum Beispiel meine Fantasie immer ungemein an – kommen Ideen an die Oberfläche, der Ursprung ich mir oft gar nicht erklären kann. Möglicherweise weil die eigentliche Inspiration Jahre oder sogar Jahrzehnte zurück liegt und die Idee sich unauffällig wie ein Samenkorn eingenistet hat – ganz wie DAS DING.

VP: Weiterhin lässt du im Unklaren, ob die rätselhaften Ereignisse nur das Produkt überstrapazierter Nerven sind oder ob das alles tatsächlich passiert. War das von Anfang an deine Absicht?

BF: Ja, ich muss gestehen, es war mir ein boshaftes Vergnügen, die Geschichte genau so zu gestalten, dass sie nicht nur im Lovecraftschen Universum funktioniert, sondern, wenn man von Wahnvorstellungen der Protagonistin ausgeht, auch in unserem.

VP: DAS DING erschien in der Lovecraft-inspirierten Anthologie DIE KLABAUTERKATZE (Verlag Torsten Low). Wie erklärst du dir die anhaltende Popularität von H. P. Lovecrafts Geschichten?

BF: Das Grauen fasziniert uns Menschen seit Urzeiten und H.P. Lovecraft mit seinem Universum eine unglaublich viele Möglichkeiten bietende Spielwiese für unsere Fantasien geschaffen.

VP: Sieht man sich deine bisherigen Veröffentlichungen an, überwiegt deutlich der phantastische Anteil. Kannst du dir vorstellen, auch in einem anderen Genre zu veröffentlichen?

BF: Möglich ist alles, aber die Phantastik wird immer mein bevorzugtes Genre bleiben.

VP: Was machen den Reiz des phantastischen für dich aus?

BF: Kein anderes Genre bietet so viele Möglichkeiten mit dem Was-wäre-wenn zu spielen.

VP: Hast du eine bevorzugte Tages-/Nachtzeit zum Schreiben (oder zum Lesen)?

BF: Meistens in der Mittagspause oder abends, da ich Frühaufsteher bin und der Morgen den Pferden gehört.

VP: Was sind deine neusten/zukünftigen Projekte/Veröffentlichungen?

BF: Nach meiner Horrorgeschichte ‚Findling’ (Kreaturen der Nacht; XUN) wird es zum ersten Mal was Romantisches von mir geben und zwar in den Kaffeepausengeschichten des Textlustverlages und danach ein Märchen in ‚Wenn das die Grimms wüssten’. Derzeit arbeite ich an zwei Horrorgeschichten gleichzeitig, über die ich aber noch nichts Näheres verraten möchte, da sie für laufende Ausschreibungen gedacht sind.

VP: Gibt es noch etwas, das du der Horrorgemeinde mitteilen möchtest?

BF: Nicht nur meine Geschichte, sondern auch die Anthologie in der sie erschienen ist ‚Die Klabauterkatze und andere Fundstücke des Grauens’ ist für den VINCENT PREIS nominiert, ebenso wie das geniale Cover von Chris Schlicht.

Wie ich finde, hat Torsten Low es wieder einmal geschafft, eine Sammlung wirklich toller Geschichten herauszugeben. Aber lest selbst und bildet euch eine eigene Meinung!

VP: Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg beim VINCENT PREIS 2011.

BF: Vielen Dank!

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Links:
Homepage von Bettina Ferbus

Bettina Ferbus Romane:
  • Die vergessene Kolonie (bei der Autorin erhältlich)
  • Die Tigerkönigin (bei der Autorin erhältlich)
  • Der lange Weg nach Maira Mar (Novum Publishing)
    Teil 2 als Gratis-Download über die Homepage von Bettina Ferbus

Anthologien mit Geschichten von Bettina Ferbus:
  • Der Fuch des Colorado River (Verlag Torsten Low)
  • Die Klabauterkatze (Verlag Torsten Low)
  • Die Seelentrinkerin II (p.machinery)
  • Das Buch der lebenden Toten (Evolver Books)
  • Saftvampire: feiern Halloween (Verlag Pia Bächtold)
  • Ley Lines: und weitere mystische Momente (Ulrich Burger Verlag)
  • Silvermoon - Wolf der Taiga (Verlag Pia Bächtold)
  • Verborgene Rituale (Verlag Pia Bächtold)
  • Verlockende Schätze (Verlag Pia Bächtold)
  • Im Jahr des Saturn (Wunderwaldverlag)
  • Mystische Helden - Wald ohne Wiederkehr (Wunderwaldverlag)
  • Rastlose Seelen (Schreiblust Verlag)
  • Geschichten unter dem Weltenbaum (Verlag Torsten Low)
  • Karfunkelfeuer und andere mystische Momente (Ulrich Burger Verlag)
  • Die Saftvampire (Verlag Pia Bächtold)
  • Ganz schön bissig ... (Schreiblust Verlag)
  • Drachenstarker Feenzauber
  • Im Land der Schirmlinge (Verlag Pia Bächtold)

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