Sonntag, 25. Dezember 2011

Nautilus 93


Editorial
Das moderne Bild das Romantasy-Vampirs zeigt einen sexy Nackenbeißer, einen kuscheligen Sauger, den keine Frau von der Bettkante schubsen würde, oder zumindest einen keusch-coolen Glitzerschönling, den man gefahrlos anschwärmen kann, denn er ist ja ein Vegetarier, sprich: er trinkt nur das Blut von Pflanzenfressern und nicht mehr das von Menschen. Das ist weit weg von den garstigen, häßlichen Ghoulen, Aufhockern, Nachzehrern und Nosferatus aus den alten Sagen und Legenden. Das waren echte und absolut tödliche Monster, für die Frauen wie Männer nur Beute und Menschenblut unverzichtbare Nahrung waren.

Ein anderes Bild des Blutsaugers zeigt den edlen, hochgebildeten und unsterblichen Vampir aristokratischer Prägung, der schrecklich unter dem Judasfluch leidet, eigentlich tot zu sein, aber durch pulsierendes Blut, das er aus dem sterblichen Opfer saugt, weiterhin sein bleiches und kaltes Dasein ohne Herzschlag, Liebe oder Hoffnung verlängern kann.
Und der Endzeit-Vampir des Horrors und der SF ist ein gnadenloser Killer, der nur noch von niedersten Instinkten und der Gier nach Blut getrieben wird, sich hordenweise in alten Bunkern vor der Sonne verkriecht und keinerlei menschlichen Verstand, Gefühle oder gar eine Seele besitzt.
Und dann gibt es da noch den Halbvampir, den Dhampir, der aus der Verbindung zwischen Vampir und Mensch von einer lebenden Frau geboren wird. Er erbt die Vorteile beider Wesenheiten, ist quasi unsterblich, hat übermenschliche Fähigkeiten, ist aber nicht untot, sondern lebendig. In den alten Mythen ist der Dhampir stets ein rachsüchtiger, gnadenloser und ebenbürtiger Jäger des Vampirs. In der modernen Phantastik wie in der Twilight-Saga von Stephenie Meyer oder in der Trilogie Der Übergang von Justin Cronin sind Halbvampire wie Renesmée oder Amy dagegen Erlöserfiguren, die quasi als höhere Stufe der Evolution gelten können und damit den uralten Konflikt zwischen Menschen, Vampiren und auch Werwölfen überwinden helfen.
Die Dezember-Ausgabe NAUTILUS widmet sich all diesen Themen in ausführlichen Sachartikeln. Dazu gibt es Features und Interviews zu Breaking Dawn: Biss zum Ende der Nacht und Let Me In, eine Werkschau sehenswerter Vampir-Filme von 1922 bis heute sowie Interviews mit den Vampir-Romanautoren Markus Heitz, Lynn Raven und Bianka Minte-König.



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