Stefan Hensch (Interview)

 

Stefan Hensch - Circus Obscura (Professor Zamorra 1331)

Alexander Weisheit: Hallo Stefan. Erst mal herzlichen Dank, dass du für ein kleines Interview zur Verfügung stehst.


Stefan Hensch: Hallo lieber Alexander, aber mit Vergnügen. Als Autoren sind wir ja eher unsichtbar (was auch gut ist), da ergreife ich doch gerne Dein Angebot.


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Alexander Weisheit: Stell dich doch einmal kurz vor und erzähl uns etwas über dich. 


Stefan Hensch: Ich bin 47 Jahre alt und wohne im Rhein-Sieg-Kreis. Wie das „früher“ völlig normal war, fing ich mit 10 Jahren an, John Sinclair zu lesen. Das war dann der Startschuss für einen bislang kaum stillbaren Lesehunger, der sich auf viele weitere Heftromanserien ausweitete. Aus dieser frühen Lesesozialisation hat sich eine echte Liebe zum Heftroman entwickelt, aus der dann auch früh der Wunsch erwuchs, selbst mal sowas zu schreiben. Das hat dann zwar etwas länger gedauert, bis 2019 als dann das erste Heft aus meiner Feder erschienen ist.


Alexander Weisheit: Herzlichen Glückwunsch übrigens zur Nominierung in der Kategorie Heftromane. Wenn ich mich nicht täusche ist das deine erste Teilnahme an der Endrunde. Oder warst du schon mal mit dabei? Vielleicht in einer anderen Kategorie?


Stefan Hensch: Vielen Dank für die Blumen! Diese Nominierung ist tatsächlich meine erste, und die hat mich sehr überrascht. Nicht etwa, weil ich den ausgewählten Professor Zamorra Band „Circus Obscura“ selbst nicht mögen würde, sondern weil dieser aufgrund seines bewusst polarisierenden Aufbaus durchaus nicht nur auf Gegenliebe bei den Lesern gestoßen ist.


Alexander Weisheit: Was sagt dir der Vincent Preis? Was verbindest du damit? Und was bedeutet es für dich jetzt nominiert zu sein?


Stefan Hensch:  Selbstverständlich kenne ich den Vincent Preis und verfolge die Verleihung aufmerksam. Ich bin den Organisatoren sehr dankbar, dass diese der Horrorliteratur in Deutschland auch in Zeiten beistehen, in denen dieses Genre so marginalisiert wird, wie es vielleicht in den Fünfzigern der Fall war - zumindest was inländische Autoren angeht.

Selbst nominiert zu sein, freut mich ungemein. Mit der eigenen Leidenschaft wahrgenommen zu werden, ist toll!


Alexander Weisheit: Du stehst mit einem Professor Zamorra auf der Liste. Circus Obscura heißt er. Worum geht es in diesem Roman? Mach uns mal etwas neugierig.


Stefan Hensch: Durch ein drastisches Ereignis ausgelöst, findet sich der gute Professor in einem ziemlich skurrilen Zirkus wieder, in dem so einiges faul ist. Unverblümt eröffnet man ihm, dass er ab sofort Teil des Ensembles ist und künftig das Publikum mit immer gefährlicheren Tricks unterhalten muss …


Alexander Weisheit: Ist das deine erster Zamorra gewesen oder wieviele hast du schon geschrieben?


Stefan Hensch: Nein, ich bin Serientäter. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt der vierzehnte veröffentlichte Zamorra aus meiner Produktion.


Alexander Weisheit: Aber Zamorra ist nicht deine einzige Heftromanserie, an der du mitschreibst. Was schreibst du noch so?


Stefan Hensch: Das ist jetzt komplizierter. Professor Zamorra ist momentan die einzige Heftromanserie, an der ich aktiv mitarbeite. Anfang 2020 erschien bei Maddrax ein Roman von mir, der eigentlich nur als Gastroman gedacht war. Ich mochte die Serie immer, und so wurden dann hier ganze acht „Gastbände“ daraus.

Professor Zamorra ist meine Heimat, und ich kann dort zahlreiche Ideen wie die „Transferdimension“ verwirklichen. Dafür bin ich Uwe Vöhl sehr dankbar, und ich fühle mich in der Serie sehr wohl.


Alexander Weisheit: Schreibst du neben den Heftromanen auch noch etwas anderes literarisches? Wenn ja, was?





Stefan Hensch: Hier kommen wir zu einem von zwei Aspekten, weshalb ich prinzipiell nicht noch mehr Heftromane schreibe (das andere ist der Brotberuf): Ich habe gemerkt, dass da noch was anderes raus will. Im letzten Jahr wurde ein Coming-of-Age-Roman mit dem Titel „Einzelspieler“ aus meiner Feder veröffentlicht. Da sind wir im Bereich „Gegenwartsliteratur“, nicht mehr im klassischen Genre. Der Roman ist an keiner Stelle autofiktional, hat also keinesfalls mich als Protagonisten. Die dort verhandelten Themen wie die Frage „Wann ist man denn wirklich erwachsen?“ haben aber natürlich einen Bezug zu mir.

„Einzelspieler“ musste aus mir raus, wird aber so bald keinen direkten Nachfolger bekommen. Zumindest weiß ich jetzt noch nichts davon …


Alexander Weisheit: Seit wann schreibst du? Und wie bist du zum Schreiben gekommen?


Stefan Hensch: In mir war schon immer der Drang, Geschichten zu erzählen. Anfänglich habe ich das mittels des Kassettenrecorders meiner Oma getan. Mit etwa 10 Jahren habe ich dann angefangen: zuerst handschriftlich in Hefte, später auf einer alten Reiseschreibmaschine. Es ist einfach eine Art, meine Gedanken zum Leben zu erwecken. Fast immer gibt es Personen, Ideen oder Geschehnisse, die ich in Geschichten aufgreife.


Alexander Weisheit: Bewegst du dich mit der Schreiberei hauptsächlich im phantastischen Genre? Oder treibst du dich schriftstellerisch auch ganz irgendwo anders herum?


Stefan Hensch: Nein, ich bin da nicht auf die Phantastik festgelegt, wobei ich sie aber als perfekte Spielwiese betrachte. „Einzelspieler“ ist ein Beispiel, zahlreiche meiner Kurzgeschichten ebenfalls. Manche Themen möchte ich direkt und unmittelbar adressieren können. Zudem probiere ich gerne Genres aus. Ironischerweise ist ein Arztroman sogar sehr gut aufgenommen worden. Im Grunde akzeptiere ich jede Literaturart - selbst mit Romantasy habe ich meinen Frieden gemacht. Aber um es ganz ehrlich zu sagen: Ich fühle mich in dunkleren und roheren Metiers wohler. Oder eben im klassischen Männerbereich, in dem es noch richtig zur Sache geht.


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Alexander Weisheit: Kannst du uns kurz erzählen, wie es bei dir aussieht, wenn du eine Geschichte schreibst? Woher kommt die Idee? Wie bereitest du dich auf das Schreiben vor? Wann und wie schreibst du hauptsächlich? Gibt es irgendwelche Rituale die du beim Schreiben hast (Musik, Fernsehen, Stille)?


Stefan Hensch: „Es kommt ganz darauf an.“ Die Ideen sind einfach da und im Grunde absolut Legion. Trotzdem sammle ich diese oft, schreibe sie nieder und komme (manchmal) darauf zurück. Oftmals steht bei mir die Frage: „Was wäre wenn?“ – und dann geht es los.

Ich plane meine Manuskripte relativ genau, was ich vor allem bei Maddrax von Mike Schönenbröcher gelernt habe und wofür ich dankbar bin. Ich bin der Überzeugung, dass es eigentlich nicht anders geht - zumindest, wenn man es mit engen Deadlines und klaren Umfangsvorgaben zu tun hat. Vielleicht kann ein Stephen King auf eine genaue Planung verzichten, ich möchte das nicht. Auf diese Weise kann ich praktisch schreiben, wann ich will, und auch aufhören, wann ich will.

Durch meine freiberufliche Tätigkeit kann ich am Tag zu zwei Zeiten schreiben: nachmittags und nachts. Und ganz ehrlich: Ich tue es fast jeden verdammten Tag, denn sonst werde ich noch zynischer, als ich es ohnehin schon bin. Schreiben erfüllt definitiv eine Ventilfunktion für mich.

Stille ist normalerweise meine Wahl, da meine Gedanken sonst nicht frei fließen können. Müdigkeit ist ein Thema, das laute Rockmusik oder Industrial nötig machen kann.

Und ganz praktisch: Ich schreibe tatsächlich per Hand und dann mit unterschiedlichen Füllern. Das lässt den Text aus meiner Hand rausfließen, was ich sehr angenehm finde. Im zweiten Schritt wird der handschriftliche Text abgetippt, was dann auch schon mit einer Überarbeitung einhergeht. Zuletzt wird dann nochmals in Ruhe Korrekturgelesen.


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Alexander Weisheit: Wie sieht es bei dir lesetechnisch aus? Was liest du gerne in deiner Freizeit?


Stefan Hensch: Das Problem ist, dass ich viel zu gerne lese. Ich mag schwere und leichte Kost. Literatur muss etwas in mir auslösen. „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald kann mich genauso in seinen Bann ziehen wie Bret Easton Ellis mit „The Shards“, Matthew Reilly in „Ice Station“ oder Dan Abnett mit seinen „Gaunts Geistern“ im Warhammer-40K-Universum.


Alexander Weisheit: Was sind sonst so deine Hobbys, wenn du die Zeit dafür findest?


Stefan Hensch: Mich verbindet eine Hassliebe mit der Formel 1, was ich abwechselnd als absolute Zeitverschwendung oder pures Lebenselixier verkläre. Ansonsten ist da noch die Familie und der Spaß an Brettspielen aller Art.


Alexander Weisheit: Was stehen bei dir zur Zeit für Projekte an? Woran arbeitest du gerade? Und was kannst du uns davon schon erzählen und was nicht?


Stefan Hensch: Ich arbeite gerade am nächsten Manuskript für Professor Zamorra, in dem ich … nun ja … die „Herkunft“ einer wichtigen Figur kläre. Praktisch sind es sogar zwei Figuren, egal.


Alexander Weisheit: Was möchtest du sonst noch sagen oder anmerken? 


Stefan Hensch: Ich finde, es ist Zeit für einen Kaffee. Denn dafür ist immer die richtige Zeit ;)


Alexander Weisheit: Dann bedanke ich mich recht herzlich bei dir und drücke dir die Daumen für die Platzierung auf dem Marburg-Con.


Stefan Hensch: Vielen Dank für das Interview.




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