Mara Schwarzfels (Interview)
Michael Schmidt: Hallo Mara,
stell dich doch der Horrorgemeinde vor.
Mara Schwarzfels: Grüß dich Michael, danke für das Interview.
Liebe Horrorgemeinde, ich bin
Mara, in meiner Freizeit leidenschaftliche Horrorautorin und von Kindesbeinen
an ein begeistertes Gruselherz. Vormittags verbringe ich meine Zeit im Büro und
kümmere mich um die Verwaltung von Immobilien, nachmittags steht Familienzeit
an und abends kriecht für gewöhnlich der Horror zu Papier. Geschrieben habe ich
immer gern, kam allerdings erst vor ein paar Jahren dazu, schaurige Kurzgeschichten
und Novellen zu verfassen. Seitdem der Geist aus der Flasche ist, häufen sich die
Ideen in meinem Kopf und sind nicht selten von alltäglichen Gegebenheiten
inspiriert. Eines meiner größeren Projekte ist derzeit die Cold Creeps-Reihe,
die mit ihren zwölf Autor:innen und deren unheimlichen Geschichten den Horror
in seinen Facetten feiert und zeigen soll, was das Genre kann und wie
individuell es ist.
Michael Schmidt: Du bist mit
der Besten Kurzgeschichte, der Besten Storysammlung und für den Sonderpreis des
Vincent
Preis 2025 nominiert. Das nenne ich doch mal einen furiosen
Auftritt. Herzlichen Glückwunsch!
Mara Schwarzfels: Vielen lieben Dank! Echt irre, ich bin noch ganz beseelt von den Neuigkeiten und kann es kaum fassen. Es ist mir eine große Ehre, gemeinsam mit so vielen großartigen Kolleg:innen auf den Nominierungslisten zu stehen.
Michael Schmidt: Du bist die
Herausgeberin der Cold-Creeps Reihe, von der ebenfalls ein Band nominiert ist.
Die Reihe erscheint bei Dark Empire. Dark Empire schließt seine Pforten. Das
klingt nach einer vielleicht nicht märchenhaften, aber spannenden Story. Erzähl
mal!
Mara Schwarzfels: Das ist korrekt. Bedauerlicherweise schließt der Dark Empire seine Pforten Ende März. Für uns alle war es ein Schock, da die Entscheidung seitens des Verlags spontan getroffen werden musste und das Projekt plötzlich in der Luft hing. Für die Cold Creeps-Reihe hätte es ein jähes Ende bedeutet, allerdings hat Lillith Korn vom Dark Empire sich um Übernahme durch einen anderen Verlag bemüht. Glücklicherweise trägt dieser Versuch nun Früchte und ich stehe in engem Kontakt mit Mario Weiß von Yellow King Productions, der die Reihe übernehmen wird. Danke an dieser Stelle allen Beteiligten, die es ermöglichen das Projekt weiterzuführen.
Ein Happy End. Also doch
märchenhaft, oder?
Michael Schmidt: Du schreibst
Horror und unheimliche Phantastik, interessierst dich für dunkle Legenden und
Folklore. Was erwartet einen Leser bei deinen Geschichten?
Mara Schwarzfels: Mein Ziel ist es, die Gruselherzen in atmosphärische Erzählungen zu ziehen, sie in eine Welt zu begleiten, die sich anfühlt, als wären sie direkt dabei. Meine Geschichten sollen nicht nur unterhalten, sondern gruseln, überraschen, einen angenehmen Schauer hinterlassen und im Kopf nachhallen. Das ist es, was meine Leser:innen erwarten soll. Und natürlich ein gewisses Creature Feature, das auf Legenden basiert, Elemente der Folklore, Natur, psychologische Aspekte, Survival und Suspense.
Michael Schmidt: Deine
Kurzgeschichte Julia ist für den Vincent
Preis 2025 nominiert. Was ist das Besondere an der Story, wo ist sie
erschienen und wie kam es zu der Idee?
Mara Schwarzfels: Julia ist
für die Anthologie-Ausschreibung von Elysion Books entstanden und in der
Anthologie Selbst nach dem Tod erschienen. Es wurden schaurige
Geschichten über Liebe gesucht, die, wie der Titel schon erahnen lässt, auch
über den Tod hinausgehen. Julia erzählt ihre eigene, düstere Version von
„Liebe“.
Mara Schwarzfels: EiskaltesGrabgeflüster versammelt einen Teil meiner bisherigen Kurzgeschichten. Sie erzählen sowohl vom übernatürlichen Schrecken als auch von menschlichen Abgründen. Ein Querschnitt meines Schaffens — das fasst es gut zusammen.
Michael Schmidt: Ich bin ehrlich, vor dem diesjährigen Vincent Preis war mir dein Name, und auch der Name des Dark Empire Verlags kein Begriff. Die Phantastik Szene besteht ja bekannterweise aus diversen Blasen. Wo steht eure bzw. deine Blase und wo findet man Informationen über dich und dein Wirken?
Mara Schwarzfels: Wer mich sucht, wird zuerst bei schwarzfels.horror auf Instagram fündig. Darüber hinaus spuken meine Geschichten in den Podcasts Dr. Zargota Creepypasta und Stimmen im Kopf herum. Leseproben zu den Cold Creeps und meiner Novelle Nachtblick gibt es in Claudine Adams Podcast 1000 Zeichen. Und mehr. Und auf Lovelybooks veranstalte ich hin und wieder Leserunden — und pflege mehr schlecht als recht einen TikTok-Account.
Michael Schmidt: Woran arbeitest du im Moment?
Mara Schwarzfels: Mein aktuelles Projekt ist ein Horror-Thriller, zu dessen Inhalt ich gar nicht viel verraten möchte, nur so viel: Es wird düster, stellenweise eklig und lässt die Frage im Raum, was man für den Menschen, den man liebt, bereit ist zu opfern.
Daneben entsteht ein weiteres
Buch — zumindest gedanklich. Ich gehöre mehr zu den Pantsern und plotte nicht
vorab, sondern sammle die groben Bausteine, die sich in meine Gedanken schleichen,
setze sie beim Schreiben zusammen und entdecke erst im Prozess alle Details
einer Geschichte. Genau das liebe ich am Schreiben. Und deshalb wird es wohl
noch ein Weilchen dauern, bis das nächste Buch fertig ist.
Michael Schmidt: Was liest du selbst?
Mara Schwarzfels: Am liebsten
lese ich Folk-, paranormalen und psychologischen Horror, bin aber auch offen
für andere Subgenres. Wichtig sind mir Atmosphäre, interessante wie auch
authentische Charaktere, ein spannender Plot und ein Ende, das im Kopf bleibt.
Eigentlich die gleichen Punkte, auf die ich bei meinen eigenen Geschichten Wert
lege.
Manchmal wandere ich auch in
andere Genres ab oder versenke meine Nase in Sach-und Fachbücher.
Michael Schmidt: Und welche
anderen Autoren würdest du der Horrorgemeinde ans Herz legen?
Mara Schwarzfels: Lesegeschmack ist bekanntlich sehr individuell, aber Brom ist einer meiner liebsten Autoren. Mit Slewfoot hat er sich direkt in mein Herz katapultiert und seine Illustrationen sind unglaublich! Die anderen Bücher habe ich teils auf deutsch, teils auf englisch gelesen und kann sie wärmstens empfehlen. Mary Downing-Hahn mag ich ebenfalls, ihr Schreibstil und das Flair drücken den Nostalgie-Knopf in mir. Jeff Strand konnte mich mit ein paar Titeln überzeugen und ich liebe seinen schwarzen Humor. Bei deutschsprachigen Autor:innen kann ich neben meinen Creeps und vielen anderen großartigen Autor:innen G.S. Foster mit seiner Penny Archer-Reihe und J.S. Mancapello mit ihren unheimlichen Der-Mann-dessen-Namen-man-nicht-nennt-Geschichten empfehlen.
Michael Schmidt: Noch ein Wort an die Meute dort draußen!
Mara Schwarzfels: The Horrors persist and so do we! Lest, schreibt und genießt vor allem die Vielfalt dieses gewaltigen Genres!








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