Michael Breuer (Interview)

 


Alexander Weisheit: Hallo Michael. Ich freue mich, ein kleines Interview mit dir zu führen und bedanke mich dafür recht herzlich.

Michael Breuer: Hallo Alexander, sehr gerne – ich freue mich über die Einladung und danke dir fürs Interesse.

Alexander Weisheit: Sag uns doch zuerst einmal etwas über dich.

Michael Breuer: Ich bin 1969 in Köln geboren und schreibe schon seit vielen Jahren phantastische Geschichten mit einer besonderen Vorliebe für Horror, Mystery und alles, was ein bisschen düster, seltsam oder unheimlich ist. Schon früh haben mich Stoffe fasziniert, in denen der Alltag Risse bekommt und plötzlich etwas anderes hindurchscheint. Neben meinen eigenen Projekten habe ich im Laufe der Jahre zahlreiche Beiträge für Heftromanserien wie Professor Zamorra oder Geisterjäger John Sinclair geliefert. Trotz der unterschiedlichen Formate ist die Grundbegeisterung dabei immer dieselbe geblieben: Ich erzähle einfach gern spannende Geschichten und liebe Figuren, die sich im Grenzbereich zwischen Normalität und Abgrund bewegen.

 

Alexander Weisheit: Herzlichen Glückwunsch, dass du es mit deinem Roman Eine Krone aus Knochen in die Endrunde des Vincent Preis in der Kategorie Romane national geschafft hast. Wie fühlt sich das für dich an?



Michael Breuer: Vielen Dank! Das freut mich wirklich sehr. Natürlich hofft man immer, dass ein Buch Leser findet und wahrgenommen wird, aber wenn es dann tatsächlich mal auf einer solchen Liste landet, ist das nochmal ein ganz eigener Moment. Für mich ist das vor allem eine schöne Bestätigung, dass sich die viele Arbeit gelohnt hat. Tatsächlich war ich 2022 schon einmal in der Rubrik „Bester Horror-Heftroman“ nominiert und habe dort mit meinem Zamorra-Roman „Bluthund des ERHABENEN“ den zweiten Platz ergattert.

 


Alexander Weisheit: Gib uns doch mal einen kurzen Einblick in deinen Roman. Worum geht es da genau?

Michael Breuer: Eine Krone aus Knochen ist ein düsterer Horrorroman mit Noir-Einschlag. Im Mittelpunkt steht der okkulte Ermittler Jeroen Bronk, der in Köln in einen Fall hineingezogen wird, der ihn zu einer mächtigen Ghulfamilie führt und so zwischen die Fronten eines Konflikts verschiedener übernatürlicher Fraktionen gerät. Dabei geht es nicht nur um Monster im klassischen Sinn, sondern auch um Macht, Verfall, Begehren und die Frage, wie viel Menschlichkeit in einer unmenschlichen Welt noch übrig bleibt. Der Roman spielt mit morbider Atmosphäre, schwarzem Humor und einer eigenwilligen Figurenkonstellation.

 

Alexander Weisheit: Wenn ich das richtig gesehen habe, ist dieser Roman ein erster Teil. Das heißt, weitere werden folgen. Ist das so? Und wie weit hast du für diese Geschichten bereits im Voraus geplant?


Michael Breuer: Ja, Eine Krone aus Knochen ist als Auftakt einer Reihe gedacht. Die Story rund um Bronk ist bewusst so angelegt, dass sie noch weitere Geschichten hergibt. Die Hauptfigur birgt noch diverse Geheimnisse. Gleichzeitig habe ich die Entwicklung im Hintergrund im Blick – bei den Figuren, den übernatürlichen Fraktionen und den Konflikten, die sich nach und nach zuspitzen werden. Der zweite Band ist mittlerweile fertig und befindet sich in der Bearbeitungsphase. Allzu lange wird es also nicht mehr dauern, bis er das Licht der Welt erblickt.

 

Alexander Weisheit: Vor ein paar Jahren gab es schon einmal eine Romanserie von dir. Der Para-Bulle hieß sie. Ist diese abgeschlossen oder können wir da noch etwas von dir erwarten?



Michael Breuer: Der Para-Bulle war eine fünfbändige Miniserie, rund um einen gebeutelten Kölner Kriminalkommissar und seine Zusammenstöße mit der Welt des Übernatürlichen. Im Moment ist das Thema abgeschlossen und ich widme mich anderen Projekten. Das heißt freilich nicht, dass ich den Stoff nicht irgendwann wieder aufgreife. Ideen habe ich noch ein paar auf Lager.



Alexander Weisheit: Neben deinen Romanen im Selbstverlag schreibst du aber auch immer wieder andere Sachen. Ich denke da an Heftromane. Was gab es da schon alles von dir?

Michael Breuer: Ich habe, wie eingangs erwähnt, seit 2004 für verschiedene Heftromanreihen geschrieben, unter anderem für Professor Zamorra und John Sinclair. Das sind natürlich Marken, mit denen Phantastik-Fans groß geworden sind, und es ist immer reizvoll, sich in diese etablierten Welten hineinzudenken und dort eigene Geschichten zu erzählen. Heftromane haben ihren ganz speziellen Rhythmus: Sie sind kompakter und direkter. Das macht immer wieder großen Spaß.

Alexander Weisheit: Wie ist es dazu gekommen, dass die Phantastik zu deinem Steckenpferd wurde? Wann hattest du die ersten Berührungen und mit welchen Geschichten? Was ist daran so interessant für dich?



Michael Breuer: Die Faszination begann schon in der Jugend, als in den frühen 80ern die ersten Horror-Heftromane meinen Weg kreuzten. Damals gab es ja eine erstaunliche Auswahl an Phantastik-Serien, sodass man aus dem Vollen schöpfen konnte. Jedenfalls, so lange das Taschengeld reichte. Horror und Mystery-Romane haben diesen wunderbaren Effekt, dass sie vertraute Wirklichkeit kippen lassen. Plötzlich ist da nicht mehr nur ein altes Haus oder ein Friedhof, sondern Möglichkeiten und Geheimnisse. Genau das finde ich bis heute spannend. Phantastik erlaubt einem, menschliche Ängste und Abgründe in Bilder zu fassen.


Alexander Weisheit: Wenn du hauptsächlich Grusel schreibst, liest du das auch gerne in deiner Freizeit? Oder ist da auch mal was aus anderen Genres dazwischen? Und wenn ja, was genau?

Michael Breuer: Ich lese tatsächlich nicht ausschließlich Horror, auch wenn mich das Genre ständig begleitet. Ich greife aber auch immer wieder zu Thrillern, Western, Comics oder allgemein spannender Unterhaltung. Mich interessiert vor allem eine gute Geschichte mit Atmosphäre, starken Figuren und einem eigenen Ton. Das Genre ist dabei fast zweitrangig. Entscheidend ist, ob mich ein Text packt.

Alexander Weisheit: Wie bist du zum schreiben gekommen? Was war dein auslösender Moment?

Michael Breuer: Einen einzigen magischen Auslöser gab es eigentlich nicht. Es war eher ein schleichender, aber sehr beharrlicher Prozess, der schon in früher Jugend seinen Anfang nahm. Ich habe früh gern gelesen, irgendwann kamen dann automatisch eigene Ideen dazu. Aus dem Wunsch, Geschichten zu erleben, wurde der Wunsch, sie selbst zu erzählen. Am Anfang natürlich wild drauflos, unbewusst Vorbilder imitierend, aber mit jedem Text lernt man dazu.

Alexander Weisheit: Um nochmals auf die Heftromane zurückzukommen. Du warst nach Jahren, in denen Jason Dark alleine die Gruselserie John Sinclair geschrieben hat, der erste Fremdautor, der wieder einen Heftroman beisteuern durfte. Heute schreibt ja ein Autorenteam mit mehreren Autorinnen und Autoren für die Serie. Aber wie ist es damals dazu gekommen?

Michael Breuer: Das war natürlich eine besondere Sache und auch eine große Ehre. John Sinclair ist schließlich eine Institution. Ich war zu dem Zeitpunkt schon seit gut zehn Jahren für Professor Zamorra aktiv, als eines Tages das Telefon klingelte und ich vom Verlag gefragt wurde, ob ich schon einmal von JS gehört hätte und mir vorstellen könnte, einen zu schreiben. Da musste ich erst einmal schlucken, aber ja, konnte ich natürlich. Nachdem ich meine Sinclair-Kenntnisse aufgefrischt hatte, habe ich mich an ein Exposé gesetzt und, nach dem dieses Gefallen gefunden hatte, auch den entsprechenden Roman geschrieben. Wenn man so etwas angeboten bekommt, ist das einerseits eine Riesenfreude, andererseits weiß man natürlich auch, dass man sich in einer sehr traditionsreichen Welt bewegt. Man möchte dem Ton der Serie gerecht werden und zugleich etwas Eigenes einbringen. Das fand ich damals sehr reizvoll.

Alexander Weisheit: Wie entspannt du am Besten, wenn es mal mit den Ideen beim Schreiben nicht so klappt? Wie kannst du abschalten und neue Kraft für das weitere Schreiben tanken?

Michael Breuer: Am besten hilft mir Abstand. Wenn's hakt, bringt es wenig, mit Gewalt weiter auf die Tastatur einzudreschen. Dann ist es klüger, eine Pause zu machen, Musik zu hören oder sich ganz bewusst mit etwas anderem zu beschäftigen. Ideen lassen sich nicht erzwingen. Oft merkt man hinterher, dass das Problem gar nicht an fehlender Inspiration lag, sondern daran, dass an irgendeiner Stelle im Text etwas noch nicht richtig saß.

Alexander Weisheit: Apropos Entspannung: Wie sehen deine Urlaube aus? Wo geht es da hin? Und kannst du dann auch ganz vom Schreiben abschalten und den Urlaub genießen? Oder musst du auch im Urlaub deine Ideen schriftstellerisch umsetzen?

Michael Breuer: Ganz abschalten ist als Autor manchmal gar nicht so leicht, weil sich das Gehirn leider nicht an Urlaubsregeln halten mag. Ideen kommen, wann sie wollen. Trotzdem genieße ich es natürlich sehr, im Urlaub einfach mal rauszukommen und Abstand vom Alltag zu haben. Vorzugsweise auf den sonnigen Kanaren. Und ja, natürlich habe ich trotzdem immer das Laptop griffbereit.

Alexander Weisheit: Zu welchem Medium greifst du am ehesten, wenn du deine Freizeit nutzt: Liest du gerne ein Buch? Oder hörst du Musik? Oder hörst du am liebsten Hörspiele? Oder sogar von allem etwas? Wie ist das genau?

Michael Breuer: Tatsächlich von allem etwas. Bücher sind natürlich naheliegend, aber Musik spielt für mich ebenfalls eine große Rolle, gerade auch, wenn es um Stimmung geht. Für Hörspiele fehlt mir tatsächlich meist die Konzentration.

Alexander Weisheit: Was hast du zur Zeit geplant? Woran arbeitest du gerade? Kann man schon die Neugierde wecken oder gibt es geheime Projekte, auf die wir warten müssen?

Michael Breuer: Ein bisschen Neugier darf auf jeden Fall geweckt werden. Im Moment überarbeite ich, wie gesagt, gerade die Fortsetzung von Eine Krone aus Knochen. Danach steht wieder etwas in Sachen Professor Zamorra an. Ganz ohne Geheimniskrämerei geht es natürlich nicht, deshalb verrate ich nichts, was sonst noch so anstehen könnte. Aber sagen wir so: Es wird bestimmt nicht langweilig.



Alexander Weisheit: Hast du noch ein paar letzte Worte in diesem Interview für uns?

Michael Breuer: Ich freue mich sehr über das Interesse am Roman und über die Nominierung. Deshalb gilt mein Dank allen, die das Buch gelesen, weiterempfohlen oder auf andere Weise unterstützt haben. Und wer Eine Krone aus Knochen noch nicht kennt, sollte schnell einmal einen Blick hineinwerfen.

Alexander Weisheit: Ich bedanke mich ganz herzlich für deine Antworten. Ganz viel Glück auf eine gute Platzierung mit deinem Roman auf dem Marburg Con.

Michael Breuer: Vielen Dank, es war mir ein Vergnügen :)

 

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