Freitag, 26. Juli 2019

Die Schauerliste August 2019

An dieser Stelle wollen wir regelmäßig beachtenswerte Werke des Genres Horror und unheimliche Phantastik präsentieren. Diese Schauerliste hat keine Vorgaben, es werden Neuerscheinungen ebenso wie Klassiker, aber auch Youngtimer, also Geschichten, die weder alt noch neu sind, berücksichtigt. Auch ist es völlig egal, ob es sich um lange oder kurze Romane oder Storysammlungen handelt. Renommierte Verlage, Autoren und Kritiker nennen uns ihre Favoriten, und wir geben ihnen hier eine Plattform. 
Unsere Liste August 2019 präsentiert fünf hervorstechende Werke, und wir wünschen Ihnen eine gruselige Lektüre.


Vincent Voss - Infiltriert (Torsten Low 2019)
Stell dir vor, du gehst mit deiner Familie in ein Freibad. Es ist warm und der Himmel wolkenlos. Und dennoch regnet es. In den Nachrichten siehst du, dass es überall auf der Welt geregnet hat. Ohne Wolken. 
Danach fallen dir Dinge auf. Kleinigkeiten. Störungen im Funk und Fernsehen, weitere Regenfälle, deren Erklärungen dir unglaubwürdig erscheinen. 
Und einige Menschen verändern sich. Wirken nicht mehr wie sie selbst. 
Es beginnt bei deinen Arbeitskollegen. Sie benehmen sich fremdartig. Wie ausgetauscht. 
Bei deinen Freunden. 
Bei deinen Kindern und deiner Frau. 
Was würdest du glauben? Was bist du bereit zu tun, um es aufzuhalten?
Kann man bei Helene Fischers Atemlos durchaus Magen- oder Ohrenschmerzen bekommen, wären bei Vincent Voss’ atemlosen Roman »Infiltiert« bereitstehende Blutdrucksenker keine üble Entscheidung. Mit einem makellosen Gespür türmt sich binnen der knapp dreihundert Seiten eine mitreißende Wucht auf, die in ihren besten Momenten ihresgleichen sucht. Für mich ist es Vincents bislang bester und ausgeklügelter Roman und mitsamt Timo Kümmels schlichter, aber einprägsamer Titelgestaltung ein definitiver Anwärter für das oberste Treppchen beim kommenden VINCENT PREIS



Jörg Kleudgen - Stella Maris (Goblin  Press 2011)
Nach dem tragischen Tod eines seiner Mitarbeiter zieht sich Jonas Schwarz in ein norddeutsches Seebad zurück. In der verregneten Jahreszeit und als einziger Gast im Ort, lässt er sich von der maritimen Atmosphäre und den Schauergeschichten der Einheimischen gefangen nehmen. Auch ist es gerade der Zeitpunkt, in dem die Bewohner der kleinen Stadt ein Fest vorbereiten, das nur einmal alle dreißig Jahre begangen wird: Hochzeit mit dem Meer. Im Laufe seines Aufenthaltes lernt Jonas die geheimnisvolle Stella kennen. Er verliebt sich in die junge Frau, der die Einheimischen gegenüber eine seltsame Mischung aus Furcht und Respekt zeigen. Mit der Zeit wird für Schwarz im deutlicher, dass die beschauliche Hafenidylle nur Fassade ist. Auf einer Insel vor der Küste macht er eine beunruhigende Entdeckung: Eine Steintafel in den Ruinen einer Abtei weist darauf hin, dass die Hochzeit mit dem Meer alles andere ist, als ein harmloser Brauch aus ferner Vergangenheit.
DIE GRÜNEN FRAUEN von Frank Duwald enthält sechs Erzählungen - meisterhaft illustriert von Alexandra F./Projekt wort:rausch -, die zwischen angedeuteter Phantastik und Spiegelungen über das Leben und die Hingabe an das Schreiben/die Kunst pendeln: »Denn das Leben zeigt sich oft als Ungeheuer, als jenes Monstrum, dem wir nie begegnen wollten. Verlust, Tod, Sucht oder Angst sind die stärksten Motoren des Seins, die Maschinerie der mondlosen Nächte. Offenbarend als schlechte Träume, als Szenarien eines Herzstillstandes. Wie ein Halloween-Schrecken bereiten uns Bücher darauf vor, öffnen den Sarg schon beizeiten.« Jede dieser sechs Erzählungen erweist sich dabei als Kunstwerk, als Kleinod, dessen erzählerische Dichte den Leser von der ersten bis zur letzten Zeile in seinem Bann belässt – und so entstehen literarisch-wahrhaftige Bilder, die unvergessen bleiben.
Von den sechs Erzählungen unterschiedlicher Länge geht ein Zauber aus, der einen nicht kaltlässt, der berührt auf die eine oder andere Art und Weise, mal verstörend, mal betörend. Dabei sind es nicht die teils ungewöhnlichen Ideen, das Sprachvermögen oder die Figuren für sich genommen, es ist deren Zusammenspiel, das diesen Zauber bewirkt, der sich besonders dort entfaltet, wo der Rezipient einen gewissen Widerhall in sich selbst spürt.
Julia Annina Jorges, Autorin

Paul Trembley - Das Haus am Ende der Welt/The Cabin at the End of the World (2018)

Eine abgelegene Ferienhütte am See in den Wäldern New Hampshires: Hier wollen Eric und Andrew gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Adoptivtochter Wen eine Woche Urlaub machen. Kein Smartphone, kein Internet – nur Ausspannen und Zeit mit der Familie verbringen. Mit der Idylle ist es dann aber schnell vorbei, als eines Tages vier merkwürdige, bis an die Zähne bewaffnete Gestalten auftauchen. Sie versprechen, die junge Familie nicht zu verletzen. Sie sagen, dass sie Hilfe brauchen. Doch die vier verbergen ein dunkles Geheimnis und für Eric, Andrew und Wen beginnt der schlimmste Albtraum ihres Lebens ...
Gewinner des Bram Stoker Award und des Locus Award

Shirley Jackson - Spuk in Hill Hill House / The Haunting of Hill House (1959)
Vier Menschen betreten die alte Villa, die als Hill House bekannt ist. Sie wollen die übernatürlichen Phänomene, die sich angeblich darin ereignen, untersuchen. 

Die vier werden etwas Böses erleben, das sich ihrer Kontrolle und ihrem Verstand entzieht. Sie können unmöglich wissen, dass sie von dem Haus selbst angelockt wurden und welche bösen Pläne es verfolgt …
Neil Gaiman: »Was das wirklich Unheimliche betrifft, überragt Shirley Jacksons SPUK IN HILL HOUSE alle anderen Romane. Eine erstaunliche Autorin ... Wenn du sie nicht gelesen hast, hast du etwas Wunderbares verpasst.«
Aus der Liste Die einflussreichen Werke des Genre Horror und Unheimliche Phantastik



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