Samstag, 14. August 2010

Interview mit Timo Kümmel

Vincent-Preis: Lieber Timo. Zuerst herzlichsten Glückwunsch für die Nominierung zum Vincent-Preis 2009 als Bester Grafiker.

Timo Kümmel: Vielen lieben Dank. Allein die Nominierung ist schon sehr schmeichelhaft für mich!

VP: Viele Phantastik-Fans kennen deine Bilder z.B. aus DAS ARKHAM-SANATORIUM oder von den Titeln vieler weiterer Atlantis-Veröffentlichungen. Doch wer steckt dahinter? Würdest du dich kurz vorstellen?

TK: Weiha, die berüchtigte Frage …

Ich bin ein Januskopf, vereine und schätze Widersprüchlichkeiten. Bin deprimiert und lache bis ich zu ersticken drohe. Soziophob und auf den Tischen tanzend. Mal redselig, mal verschlossen ... mörp :-).

Davon ab hege ich ein großes Faible für die Phantastik in all ihren Spielarten. Liebe es zu lesen, wenngleich ich kaum noch dazu komme ... Verbringe viel Zeit auf meinem klapprigen Rad und bin auf Knien dankbar, dass es gegen jede Vernunft so tapfer weiter Kilometer mit mir schrubbt. Und ich bin definitiv kein Freund von Temperaturen über 25°C!!!

VP: Der Vincent-Preis wird heuer zum dritten Mal vergeben. Kennst du einige der nominierten Arbeiten?

TK: Ich arbeite daran :-). Leider hinke ich den Neuerscheinungen immer ordentlich hinterher, und versuche vor Preisverleihungen noch schnell Boden gut zu machen … Drei relevante Arbeiten liegen noch auf meinem SUB, dann werde auch ich meine Punkte für den VP vergeben.

VP: Vielen Grafiken sieht man die Bildverfremdung oder Kombination verschiedener Elemente an. Deine Arbeiten wirken „weicher“ und eher klassisch gezeichnet. Wie arbeitest du?

TK: Im Grunde wie viele moderne Illustratoren. Meine Bilder bestehen in der Regel aus einer Vielzahl von Schnipseln meiner eigenen Fotos. Diese „Collagen“ stellen meist mein Grundgerüst, sozusagen Ankerpunkte. Darauf folgt die eigentliche Arbeit: das Malen direkt am Computer mit meinem Grafiktablett. Je nach Bildmotiv kann natürlich mal die reine Bildbearbeitung von Ursprungsfotos großes Gewicht haben, aber für gewöhnlich macht das Malen bei mir locker 90% der Wegstrecke aus. So brauche ich auch gerne mal zwei bis vier Wochen für ein Bild. Eine reine Fotomanipulation kann natürlich viel schneller, manchmal schon nach wenigen Stunden oder Tagen abgehakt werden.
Ich denke, diese Art erklärt die von dir angesprochene Wirkung: zum Großteil sind meine Bilder gemalt – nur eben direkt am Computer.

VP: Du illustrierst Horror, Fantasy und Science-Fiction. Liegt dir ein bestimmtest Genre besonders (am Herzen)?

TK: Nach wie vor bin ich mir da selbst treu und sprunghaft geblieben. Ich schätze wirklich alle Facetten des phantastischen Genres und probiere mich gerne in ihnen aus. Arbeite ich aber ohne Auftrag, entstehen schon fast grundsätzlich düstere Bilder. Dem Horror und der abgewandten Seite bin ich wie selbstverständlich zugetan und habe immer große Augen und einen offenen Geist für deren Ästhetik.

VP: Was liest du gerade?

TK: Gerade habe ich ZOOKLAND von William Swears beendet, einen deftigen Zombieprügel, der bei Atlantis erscheinen wird, sobald der geschwätzige Herr hinter der Tastatur endlich das Tippen sein lässt und sein Cover angeht :-).
Parallel lese ich gerade auch noch das Tagebuch von Anne Frank – eine Wissenslücke, die endlich behoben werden will.

VP: Du warst Mitherausgeber des Fanzines NOCTURNO. Nun ist NOCTURNO 2010 angekündigt. Bist du wieder beteiligt?

TK: Nein, bin ich nicht. Eine Anthologie dieser Art ernsthaft zu betreuen, erfordert viel Zeit und Energie, die ich leider schlichtweg nicht mehr aufbringen konnte, auch wenn ich das sehr bedauere.

VP: Welche Projekte planst du in nächster Zukunft?

TK: Enthüllen will und kann ich leider noch nichts. Neben meinen fixen Illustrationsaufträgen bin ich mit drei Projekten schwanger, die mir wirklich außerordentlich am Herzen liegen. Davon ist leider bisher nur eines auf dem sicheren Weg, dafür aber ein persönlicher Meilenstein. Für mich ein Brückenschlag zu den Wurzeln meiner Leidenschaft für die dunkle Literatur. Ende des Jahres wird es endlich soweit sein, nachdem wir das schon seit fast zwei Jahren planen, aber bis dahin will noch sehr viel gewerkelt werden.
Auch wenn die Tage 48 Stunden hätten, könnte ich eine oder zwei Hände mehr trotzdem ganz gut gebrauchen ...

VP: Möchtest du der Horrorgemeinde noch etwas sagen?

TK: Kaffee ist fertig!

VP: Herzlichen Dank Timo für dieses Interview.

TK: Es war mir eine Freude und Danke zurück! Ich wünsche allen Nominierten viel Glück für die bevorstehende Wahl und dem Vincent ganz allgemein viel Erfolg für die Zukunft!

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